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Fragwürdige PR-Aktion: Japanischer Politiker trinkt Fukushima-Wasser

Das Wasser stammte aus einer radioaktiven Pfütze im havarierten Atomkraftwerk Fukushima - und trotzdem trank ein japanischer Staatssekretär demonstrativ davon. Mit der fragwürdigen PR-Aktion wollte der Politiker die Katastrophe kleinreden, mulmig war ihm allem Anschein nach trotzdem zumute.

Parlamentarischer Staatssekretär Sonoda: Wasser aus Fukushima Zur Großansicht
AFP

Parlamentarischer Staatssekretär Sonoda: Wasser aus Fukushima

Tokio - Er sieht nicht gerade entspannt aus, als er das Glas zu seinem Mund führt, aber Yasuhiro Sonoda hält die Aktion offenbar für eine gute Idee: Also trinkt der Parlamentarische Staatssekretär im japanischen Kabinettsbüro vor laufenden Kameras das Wasser.

Es ist nicht ein beliebiges Wasser: Die Flüssigkeit stammte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP aus einer radioaktiven Pfütze im havarierten Atomkraftwerk Fukushima.

Er wisse, dass dies nicht die Sicherheit beweisen könne, sagte Sonoda am Montag. "Der beste Weg wäre, der Öffentlichkeit Daten vorzulegen." Er habe das Wasser aber getrunken, da Journalisten ihn immer wieder aufgefordert hätten zu beweisen, dass die Region um das Kraftwerk sicher sei.

Nach der Atomkatastrophe hatte die japanische Regierung immer wieder mit fragwürdigen PR-Aktionen versucht, den Atomunfall kleinzureden und Optimismus zu verbreiten: So hatte etwa der damalige Regierungssprecher Yukio Edano demonstrativ Tomaten und Erdbeeren aus der Provinz Fukushima gegessen. Edano, der inzwischen Wirtschaftsminister ist, trat damals zusammen mit der populären Comedian Shizu-chan auf und schwärmte von den Erdbeeren: "Sie sind sehr süß und lecker!"

Das Atomkraftwerk Fukushima war durch ein verheerendes Erdbeben und einen anschließenden Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden. Daraufhin hatte es dort eine Reihe schwerer Atomunfälle gegeben, die Katastrophe gilt als der schwerste Atomunfall seit Tschernobyl im Jahr 1986.

Rund 20.000 Menschen starben durch Erdbeben und Tsunami oder wurden als vermisst gemeldet. Zehntausende Menschen mussten die verstrahlten Gebiete rund um das Kraftwerk verlassen.

Die Stilllegung des schwer beschädigten Atomkraftwerks wird nach Einschätzung eines Expertengremiums mindestens 30 Jahre dauern. Das schrieben die Fachleute in dem Entwurf für einen Bericht, der zum Ende des Jahres vorgelegt werden soll.

hen/AFP/dapd

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1. Was beweist es?
hoffnungsvoll 01.11.2011
Zitat von sysopDas Wasser stammte aus einer radioaktiven Pfütze im havarierten Atomkraftwerk Fukushima - und trotzdem trank ein japanischer Staatssekretär demonstrativ davon. Mit der fragwürdigen PR-Aktion wollte der Politiker die Katastrophe kleinreden, mulmig war ihm allem Anschein nach trotzdem. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795115,00.html
Der Aussagewert ist gleich null. Das erinnert mich an Umweltminister Töpfer, der durch den vermeintlich sauberen Rhein schwamm. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13530360.html
2. Kennen wir aus D
karmamarga 01.11.2011
Zitat von sysopDas Wasser stammte aus einer radioaktiven Pfütze im havarierten Atomkraftwerk Fukushima - und trotzdem trank ein japanischer Staatssekretär demonstrativ davon. Mit der fragwürdigen PR-Aktion wollte der Politiker die Katastrophe kleinreden, mulmig war ihm allem Anschein nach trotzdem. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795115,00.html
Irgend ein Landesminister in BW hatte damals während der Birkel Ekelei-Affäre publikumswirksam seinen Einkaufswagen mit Birkel-Nudeln vollgepackt. Es gibt immer ein paar Leute, die gehen mit dem gutem Beispiel der Unbedenklichkeit voran. Hinten rum leisten die sich natürlich unbedenkliche Lebensmittel. So what. Die Japaner haben sicher auch so etwas wie die Bildzeitung.
3. problemlösung
tento 01.11.2011
Zitat von sysopDas Wasser stammte aus einer radioaktiven Pfütze im havarierten Atomkraftwerk Fukushima - und trotzdem trank ein japanischer Staatssekretär demonstrativ davon. Mit der fragwürdigen PR-Aktion wollte der Politiker die Katastrophe kleinreden, mulmig war ihm allem Anschein nach trotzdem. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,795115,00.html
japan ist ja dicht besiedelt, noch, so könnten sie der großen menge radioaktiven wassers herr werden ;)
4. Vorbild UK
bmehrens 01.11.2011
In UK, wo BSE ausbrach, hat der britsche Landwirtschaftsminister seiner minderjährigen Tochter im TV ein Rindersteak essen lassen.
5. Ich find's gut.
ruediger32 01.11.2011
Nur muss man dazu sagen: Die ware Gefahr liegt nicht in der Radioaktivität, sondern in möglichen Krankheitserregern. Das Wasser kommt ja aus einer "Pfütze". Hoffentlich wurde das Wasser vorher abgekocht.
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