Umfrage über Präsidentschaftskandidat Drei Viertel der Franzosen für Rücktritt von Fillon

Aufgeben kommt für François Fillon trotz aller Vorwürfe nicht infrage. Frankreichs Wähler sehen das offenbar anders: In einer Umfrage sprachen sich 75 Prozent für den Rücktritt des Präsidentschaftskandidaten aus.

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon
DPA

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon


Vernichtende Werte für François Fillon bei einer Umfrage unter französischen Wählern: Drei Viertel der Befragten plädierten dafür, dass der konservative Politiker aus dem Rennen um die Präsidentschaft aussteigt.

Neun von zehn Teilnehmern der Umfragen halten Fillon zudem für nicht ehrlich, ergab die Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Odoxa für Frankreichs Info Radio. Rund 75 Prozent gaben zudem an, Fillon sei nicht überzeugend.

Der 63-Jährige galt einst als Favorit für die Präsidentenwahl, die in zwei Durchgängen im April und Mai stattfindet. Doch seit Wochen wird sein Wahlkampf durch Affären belastet. Inzwischen gehen Experten davon aus, dass sich der linksliberale frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron in der Stichwahl gegen die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen durchsetzen wird.

Am Dienstag eröffnete die Staatsanwaltschaft gegen Fillon ein Ermittlungsverfahren. Er wird beschuldigt, seine Frau Penelope jahrelang nur zum Schein beschäftigt und dafür Hunderttausende Euro Steuergelder kassiert zu haben. Fillon weist die Anschuldigungen zurück und hält trotz der Ermittlungen an seiner Kandidatur fest.

Jetzt wird das Ermittlungsverfahren nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sogar noch ausgeweitet. Die Untersuchungen konzentrierten auch auf Luxusanzüge, die Fillon einem Medienbericht zufolge von einem Freund erhalten haben soll, hieß es am Donnerstagabend aus Justizkreisen.

Die Zeitung "Journal du Dimanche" hatte geschrieben, Fillon habe seit 2012 Anzüge und andere Kleidung im Wert von knapp 50.000 Euro als Geschenke erhalten. Fillon bezeichnete den Bericht als Verleumdungskampagne.

als/Reuters

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insgesamt 28 Beiträge
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Schweineschnitzel0815 17.03.2017
1.
90% halten Ihn nicht für ehrlich- eine bessere Qualifizierung zum Präsidenten gibt es doch nicht. Ich dachte das sei eine der Grundvoraussetzung für so ein Amt. Halten Sie durch Herr Fillon, Sie werden die Wahl gewinnen. Ihre Familie können Sie dann in gut bezahlte Positionen setzten. (Ironie)
e.pudles 17.03.2017
2. Was haben wir für Politiker?
Zur Zeit scheint es nur noch Politiker zu geben, welche eigentlich ausser ihrem Vorteil, ihrer Macht und Position nicht anderes im Kopf haben. Angefangen bei Trump, über Erdogan zu Putin um nur die drei wichtigsten zu nennen, Es geht ihnen nicht um das Wohl ihres Landes und dessen Bevölkerung, nein nur um ihre persönliche Befriedigung. In Frankreich kann und wird das noch verhindert, weil Fillon keine Chancen hat gewählt zu werden. In der Türkei stehen die Chancen fünzig - fünzig. Wohin solche Politiker führen haben wir ja leider schon erlebt.
ronomi47 17.03.2017
3. Höchst undemokratische Forderung!
Der Wähler hat doch das letzte Wort! Nur um eine EU-konforme Wahl mit Macron zu ermöglichen, werden alle Mittel eingesetzt. Wo bleiben die Artikel zu der seltsamen Politschau genau kurz vor den Wahlen, welche noch so kleine Skandälchen betreffend Fillon oder Le Pen gross in Szene setzen? Wundert sich jemand noch über die zunehmende Politverdrossenheit vieler Bürger? Der Zweck heiligt eben jedes Mittel...
licorne 17.03.2017
4.
Da dachte man, Fillon sei ein grundehrlicher, kreuzbraver und bescheidener Reformer und jetzt das. Wieder nur Korruption, persönliche Bereicherung und Blingbling. Er selbst und die Partei halten an der Kandidatur fest. Wer mit einem kaputten Wagen ins Rennen geht, braucht sich nicht wundern, wenn der Wagen dann in der Zielgeraden wegen Motorschaden ausfällt. Der Kandidat sieht ein Komplott von Linken, Presse und Justiz, dabei ist er selbst schuld. Er hat sich sogar einen beträchtlichen Anteil der Gehälter seiner Kinder, die diese bei durch ihn zugeschanzte Jobs als Studenten im Parlament verdient haben, auf sein Konto zurücküberweisen lassen. Der Mann ist auch noch geizig und hat ein sehr eigenartiges Verhältnis zum Geld. Das ist vielleicht kleingeistig, aber wer 6500€ teure Maßanzüge trägt, die von 'Freunden' bezahlt wurden, ist für mich als Präsident nicht hinnehmbar.
reinerhohn 17.03.2017
5. Solche Typen sind es....
... die die Demokratie in Gefahr bringen. Das bei ihm einiges nicht sauber gelaufen ist das sieht wohl ein Blinder. Anstatt Platz zu machen fuer jemanden der vielleicht in der Lage ist Le Penn zu schlagen, beharrt er darauf der Beste fuer diesen Job zu sein und wuerde noch, nach bewiesener Tat und verlorener Wahl, aus dem Gefaengnis heraus behaupten nur er haette das Zeug zum Praesidenten. Schlimm das die Parteifuehrung eine solche Zerlegung ihrer Interessen zu laesst! Frankreich und Europa werden unter solchen Fehleinschaetzungen leiden muessen, wenn rechzsextreme diese Situationen ausnuetzen!
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