Hollandes mutmaßliche Liebesaffäre Die Frauen des Präsidenten

François Hollandes mutmaßliche Beziehung mit Schauspielerin Julie Gayet wird zum medialen Großereignis. Seine Lebenspartnerin Valérie Trierweiler musste ins Krankenhaus. Bei früheren Präsidenten-Affären hielt sich Frankreichs Presse dezent zurück, nun veröffentlicht sie pikante Details.

REUTERS

Von , Paris


Die Pressekonferenz zum Jahresbeginn gehört zu den großen Traditionen in Frankreichs politischem Kalender: Die Vertretung der Elysée-Journalisten übermittelt dem Staatschef freundliche Wünsche zum neuen Jahr, der Präsident revanchiert sich mit humorigen Einlassungen, bevor ihm die Fragen Gelegenheit geben, seine Landsleute auf die Agenda der nächsten zwölf Monate einzustimmen.

Auch François Hollande wollte den Termin an diesem Dienstag für aufmunternde Worte an die Nation nutzen - mit Balsam zu Wirtschaftsmisere, Arbeitslosigkeit und militärischen Kriseneinsätzen.

Doch das wird wohl nichts: Statt Interesse am politischen Kurs dürfte die Neugier für das Privatleben von Hollande den präsidialen Neujahrsauftritt prägen. Seit Gerüchte über eine Liaison des Sozialisten mit der französischen Schauspielerin Julie Gayet bekannt wurden, zirkulieren die angeblichen amourösen Neigungen des Präsidenten als Top-News bei Zeitungen, Radio und Fernsehen.

Das Magazin "Closer" machte mit Exklusivfotos den Anfang, die Hollande angeblich zeigen, wie er auf einem Motorroller zu der 41-Jährigen gefahren wird und wie er vor ihrer Wohnung mit einer Tüte Croissants in der Hand steht. Der Präsident ist auf den Bildern wegen seines Helms allerdings nicht klar zu erkennen. Der 59-Jährige reagierte prompt auf die Publikation, rügte die Verletzung seiner Privatsphäre und erwägt derzeit rechtliche Schritte - ein ziemlich unverhohlenes Eingeständnis der Affäre, so die Pariser Medien.

Wie gefährlich ist die Liaison?

"Es ist zum Kotzen", kommentierte der Grüne Daniel Cohn-Bendit die journalistischen Taktlosigkeiten und erhielt Beifall quer durch alle politischen Lager. Dennoch bleibt die mutmaßliche Beziehung Titelthema: Der konservative "Figaro" widmete den Gerüchten am Tag nach den "Closer"-Enthüllungen sieben Artikel, auch die renommierte "Le Monde" oder die linke "Libération" berichteten über die Liaison und bedachten dabei auch politische Aspekte: Wie gefährlich etwa ist die Beziehung, wenn der Präsident bei seinen Roller-Eskapaden offenbar nur von einem Bodyguard begleitet war?

Vor allem für die People-Presse ist die Geschichte Hollande/Gayet ein gefundenes Fressen: Die Gazetten, die gern mit Reportagen aus der Schlüssellochperspektive Auflage machen, halten das Thema mit täglich neu gestreuten Sensationen am Köcheln. Und dann legte auch der Internetdienst "Mediapart" noch einmal nach - mit politisch gewichtigen Informationen. Demnach soll die Schauspielerin den Präsidenten unweit des Elysée in einem Apartment des achten Arrondissements empfangen haben, das womöglich einer Figur aus dem Umfeld korsischer Mafiosi gehört.

Das ist das endgültige Ende von publizistischer Zurückhaltung, konstatiert das Polit-Magazin "Le Nouvel Observateur". Die Entwicklung begann mit dem Aufstieg schriller Blätter wie "Voici", "Public" oder "Closer". Zuvor waren die privaten Verhältnisse der Regierungselite weitgehend ohne Interesse oder tabu. Und Hochglanzhefte wie "Paris-Match" oder "Gala" veröffentlichten ihre Bilderstrecken aus dem familiären Innenleben von Stars oder Polit-Promis fast nur mit deren Zustimmung - oder gar auf deren diskrete Bitte.

Auch Mitterrand und Chirac hatten ihre Geheimnisse

Dabei fehlte es nicht an pikanten Informationen aus dem Intimleben der Präsidenten: Von François Mitterrand waren nicht nur dessen Seitensprünge bekannt, viele Journalisten wussten auch, dass der Staatschef ein Doppelleben führte - Nebenfrau Anne Pingeot und Tochter Mazarine lebten als Parallelfamilie, untergebracht und geschützt auf Kosten des Steuerzahlers. Der Konservative Jacques Chirac ließ sich nächtens von seinem Chauffeur durch Paris kutschieren, um Damen mit kurzen Rendezvous zu beglücken.

Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy war zurückhaltender. Als er nach seinem Wahlsieg 2005 von Ehefrau Cécilia verlassen wurde und in tiefe Depressionen verfiel, ließ er interessierte Frauen zur unauffällig organisierten Brautschau in den Elysée einladen: Während solch eines Diners, berichtete später Sarkozy-Intimus Jacques Séguéla, sei auch Sängerin Carla Bruni aufgetaucht: "Es war Liebe auf den ersten Blick."

Ausgerechnet die Fotos vom turtelnden Paar Bruni/Sarkozy vor Ägyptens Pyramiden oder die Nähe des Staatschefs zu Stars und Superreichen verprellte seinerzeit viele Franzosen. Dies war Grund genug für Hollande, sich als volksnaher Alternativkandidat und "normaler Präsident" zu empfehlen. Dass er sich während des Wahlkampfs von seiner langjährigen Lebensgefährtin, der Politikerin Ségolène Royal, trennte - der Mutter seiner vier Kinder - wurde ihm indes von den Wählern nicht angekreidet.

Die Première Dame verfügt im Elysée über ein Büro

So stieg die Journalistin Valérie Trierweiler zur offiziellen Lebensgefährtin auf - ein Novum in der Geschichte der fünften Republik: Die Première Dame hat zwar keinen protokollarisch verankerten Status, verfügt aber im Elysée über ein Büro und einen eigenen Auftritt auf der Webseite des Präsidenten. Und damit wird der Seitensprung Hollandes vom privaten Fehltritt zum Politikum, zumal die ständige Begleiterin Hollandes noch vergangene Woche Termine an der Seite des Präsidenten wahrnahm, bevor sie jetzt angeblich wegen Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Ein Vorfall, der erneut für Schlagzeilen sorgte. Dabei wissen die Franzosen durchaus zwischen Privatem und Politischem zu unterscheiden. Für 84 Prozent, so eine Ifop-Umfrage für das Sonntagsblatt "Journal de Dimanche", haben die angeblichen Enthüllungen keinen Einfluss auf die Bewertung des Staatschefs. Hollandes Beliebtheit bleibt konstant - negativ.

insgesamt 65 Beiträge
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myriemaus 13.01.2014
1. première Dame....
ist und wird Trierweiler im moment wohl nicht. wenn die medien sich mal etwas informieren würden dann wüssten sie dass nur eine Ehefrau des Präsidenten als "première Dame" betitelt werden darf
rechtschreibreformreform 13.01.2014
2. So ist das eben...
Zitat von sysopAFPFrançois Hollandes mutmaßliche Beziehung mit Schauspielerin Julie Gayet wird zum medialen Großereignis. Seine Lebenspartnerin Valérie Trierweiler musste ins Krankenhaus. Bei früheren Präsidenten-Affären hielt sich Frankreichs Presse dezent zurück, nun veröffentlicht sie pikante Details. http://www.spiegel.de/politik/ausland/fran-ois-hollande-angebliche-affaere-mit-schauspielerin-gayet-a-943134.html
Das wird uns jetzt wieder mindestens zwei Wochen beschäftigen, nicht wahr. "Soetwas" ist mindestens genauso wert, berichtet zu werden, als zöge der Mann in den Krieg. Laßt die Menschen lieben!
muckraker 13.01.2014
3. Der Präsident fährt Moped!
"Hollande doit sex'pliquer" ist doch ein unterhaltsames Thema, das noch akzentuiert werden dürfte, wenn bei der kommenden Gedenkfeier zum 1. Weltkrieg Hollande und Gauck zusammen in Erscheinung treten wollen. An Unterhaltungswert dürfte dies kaum zu übertreffen sein!
marie-anne 13.01.2014
4. Ein guter Job verzeiht viel.
Er hatte bei den Wahlen zu viel versprochen. Jetzt ist er in der politischen Wirklichkeit angekommen. Menschen deren Existenz bedroht ist verzeihen ihm dieses Verhalten auf keinen Fall. Eine Steilvorlage für Marine le Pen.
Herr Hold 13.01.2014
5. Erstaunlich
Zitat von sysopAFPFrançois Hollandes mutmaßliche Beziehung mit Schauspielerin Julie Gayet wird zum medialen Großereignis. Seine Lebenspartnerin Valérie Trierweiler musste ins Krankenhaus. Bei früheren Präsidenten-Affären hielt sich Frankreichs Presse dezent zurück, nun veröffentlicht sie pikante Details. http://www.spiegel.de/politik/ausland/fran-ois-hollande-angebliche-affaere-mit-schauspielerin-gayet-a-943134.html
Dass jemand eine Affäre hat ist ja nicht schön (für den anderen) aber auch nichts Neues. Aber warum Madame Trierweiler das so mitnimmt, dass sie ins Krankenhaus muss?
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