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Enthüllungen über Hollande: 320 Seiten Schmerz, Eifersucht, Revanche

Von , Paris

Enthüllungsbuch von Ex-Gefährtin Trierweiler: Von Macht und Eifersucht Fotos
AFP

Eigentlich wollte sie schweigen, zur Affäre ihres Ex-Lebensgefährten François Hollande, zu Trennung und Verrat. Doch nun präsentiert Valérie Trierweiler ihr Buch "Danke für diesen Moment" - eine ganz private Abrechnung mit Frankreichs Staatschef.

François Hollande kommt nicht gut weg - das war zu erwarten. "Unnahbar", sei Frankreichs Präsident, "berechnend und eiskalt." Ein Politiker, der sich auf dem Weg zur Macht "entmenschlicht" hat. Ein hochmütiger Bonvivant, der teure Restaurants bevorzugt, "Parvenüs verachtet, aber auch die Armen nicht mag." Valérie Trierweiler seziert den amtierenden Staatschef in ihrem Buch "Danke für diesen Moment" - zu dessen politischer Dauerkrise kommt nun die persönliche Demontage.

Die Abrechnung ist so öffentlich wie die Affäre, die im Januar den endgültigen Bruch zwischen Trierweiler und Hollande gebracht hatte: Neun Monate nachdem sie den Elysée verließ, schildert die Journalistin ihre neunjährige Beziehung zu dem Sozialisten. Von den "wunderbaren Momenten" bis zum "Absturz".

Bis zuletzt wurde das Enthüllungsbuch geheim gehalten. Die detailgenaue Schilderung der Jahre an der Seite des mächtigen Mannes kommt nun am Mittwoch in die Buchhandlungen - Startauflage 200.000 Exemplare.

"Ein Schrei der Liebe und ein langer Abstieg in die Hölle"

Trierweiler beschreibt Hollande als Macho, der seine ehemalige Gefährtin vor einem Dinner fragt: "Dauert es lange, so schön auszusehen?". Und nachschiebt: "Was anderes wird auch nicht von dir verlangt."

Es sind Blicke in die intimsten, bittersten Momente der Beziehung, etwa als Trierweiler in den Morgennachrichten von der heimlichen Affäre Hollandes mit der Schauspielerin Julie Gayet erfährt. "Ich stürze ins Badezimmer hole den kleinen Plastikbeutel mit den Schlaftabletten, François ist mir gefolgt, versucht den Beutel zu greifen, ich renne ins Schlafzimmer, der Beutel zerreißt, die Pillen verstreuen sich auf dem Boden. Mir gelingt es, einige Tabletten zu schlucken, ich fürchte den Sturm, der über mich fegen wird, will die Stunden, die folgen, nicht erleben. Ich verliere das Bewusstsein…"

An jenem Januartag hatte das Klatschmagazin "Closer" das heimliche Verhältnis Hollandes mit Gayet verbreitet: Das Bild des Staatschefs auf dem Motorroller, das Gesicht versteckt unter einem Integralhelm, machte Hollande zum Gespött - der mächtigste Mann der Republik auf dem Weg zum Stelldichein. Wie ein verliebter Pennäler.

"Das war weit mehr als ein Treuebruch"

"Ich war mehr enttäuscht als wütend", sagte die betrogene Gefährtin Hollandes damals. Dennoch überließ Trierweiler die Kommentare erst einmal anderen: Klatschblätter wollten erfahren haben, dass sie sich nach den Enthüllungen des Magazins gefühlt habe, als sei sie "von einem Hochhaus gestürzt". "Was François Hollande gemacht hat, ist brutal", offenbarte Trierweilers Bruder der spanischen Ausgabe von "Vanity Fair", "das war weit mehr als ein Treuebruch."

Die Journalistin selbst hielt sich derweil mit Äußerungen zurück - damals. "Es geht mir gut, ich bin dabei, mein Leben wieder zu ordnen", sagte sie im Mai und verordnete sich selbst Funkstille: "Mein Privatleben ist bereits allzu sehr zur Schau gestellt worden, ich habe nicht mehr vor, darüber zu reden."

Tut sie nun aber doch. Und stellt ihren Ex-Gefährten als herzlosen und kalkulierenden Mann dar. Der auch dann noch lügt, als die Affäre mit Gayet längst aufgeflogen ist: Erst soll sie drei Monate gedauert haben, dann sechs Jahre, dann neun, dann ein Jahr. Trierweiler erzählt von den Dutzenden von SMS-Nachrichten, die sie auch nach der Trennung erhält. Darin bettelt Hollande um ein Treffen, ein gemeinsames Dinner. Trierweiler: "Er will mich zurückgewinnen, wie eine Wahl."

Neben dem Privaten, dem gemeinsamen Weg, berichtet Trierweiler, die all die Jahre über Tagebuch führte, von politischen Momenten. Keine Staatsgeheimnisse, aber Aperçus über den Präsidenten, der 2011 erfreut auf die Festnahme seines Rivalen Dominique Strauss-Kahn reagiert. Trierweiler erzählt vom Eifersuchtsausbruch Michelle Obamas, als sich ihr Mann während der Beisetzungsfeierlichkeiten von Nelson Mandela mit der dänischen Ministerpräsidentin fotografieren lässt.

Eine Stellungnahme des Elysée gibt es bisher nicht. Hollande sei von den Schilderungen "bestürzt", will dafür die Tageszeitung "Le Parisien" erfahren haben. "Alles was ich sage, ist wahr", teilt Trierweiler auf dem Umschlag ihres Buchs mit und verkündet: "Ich habe zu sehr unter der Lüge gelitten, als dass ich nun selbst eine hinzufügen würde."

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1.
Pandora 03.09.2014
Das dürfte wohl auch auf Madame selbst zutreffen. Schließlich hatte sie ja auch keinerlei Skrupel, Hollande seiner Familie auszuspannen.
2. Das Buch der Valérie Trierweiler scheint sehr interessant zu sein!
wibo2 03.09.2014
""Unnahbar", sei Frankreichs Präsident, "berechnend und eiskalt." Ein Politiker, der sich auf dem Weg zur Macht "entmenschlicht" hat. Ein hochmütiger Bonvivant, der teure Restaurants bevorzugt, "Parvenüs verachtet, aber auch die Armen nicht mag."" (SPON) Dieser SPON Artikel ist eine gute Promotion und Empfehlung für die Buch. "Glück im Geschäft. Pech in der Liebe" für Frau Trierweiler könnte man das nennen. Wenn solche Enthüllungsbücher Schule machen, dann geht es den prominenten Männern schlecht. Die Rache einer Frau kann furchtbar sein! Irgendwie ist das eine Warnung an alle Männer, sich in Acht zu nehmen. Richtig fair dem Hollande gegenüber finde ich dieses Verhalten der Frau Trierweiler allerdings nicht. Private Dinge in einer Partnerschaft sollten privat bleiben.
3. Wie peinlich...
Goonie2 03.09.2014
...für die Frau, die ihn als Macho bezeichnet, aber offenbar nicht die Grösse und Stärke hatte, ihn rechtzeitig zu verlassen, ja ihn sogar zu lieben. Es war doch wohl ihr eigener Machtwunsch, von dem sie sich dann leider verabschieden musste. Das schmerzte wohl am meisten. Ich verstehe immer nicht solch ein Nachtreten, zeigt es doch selbt, wie schwach und dumm man war. Es gehören immer zwei zu einer Beziehung.
4. Und diese ganzen schlechten Eigenschaften hat sie also ...
Ludwigsburger 03.09.2014
.... erst bemerkt, als die Beziehung zu Ende war? Ich bin doch ein wenig verwundert ...
5. Mme Trierweiler hatte keine Probleme
Torkemada 03.09.2014
Mme Trierweiler hatte keine Probleme damit, mit Hollande eine Affäre zu beginnen, als dieser noch mit Ségolène Royal, der Mutter seiner 5 Kinder zusammen war. Ausserdem war ihr es schon Monatee vor der Titelgeschichte bekannt, dass er aine Affäre mit Julie Gayet hatte. Es war ihr eben, nur nicht so wichtig, solange sie Elyseepalast und auf Kosten des Steuerzahlers im Luxus schwelgen durfte. P.S. Francis Underwood hätte sie die Pillen schlucken lassen und sich um Anderes gekümmert...
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Fotostrecke
Interview im "Parisien": Trierweilers Leben nach Hollande

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 64,204 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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