Von Raniah Salloum
Fast 18 Millionen Franzosen haben am Mittwochabend die TV-Debatte zwischen Präsident Nicolas Sarkozy und seinem Herausforderer François Hollande verfolgt. Am Tag nach dem Duell wird immer deutlicher: Der Sozialist hat dem konservativen Amtsinhaber die Schau gestohlen.
Den meisten Zuschauern ist von dem etwa dreistündigen Disput vor allem eine Szene in Erinnerung geblieben. Etwas mehr als zwei Stunden sind vergangen, als Moderatorin Laurence Ferrari fragt: "François Hollande, was für ein Präsident wären Sie?"
Daraufhin stellt der Herausforderer in knapp 200 Sekunden in groben Zügen seine Agenda für die Präsidentschaft dar. Hollande verspricht einen neuen Führungsstil, der sich betont abgrenzen soll vom sprunghaften und oft abgehoben wirkenden Sarkozy, von dem es auch heißt, er reiße alles an sich und degradiere seine Kabinettsmitglieder zu ausführenden Gehilfen. Er erklärt, ein Präsident sein zu wollen, der sich aus der Parteipolitik heraushält und nicht allein den Willen des linken Lagers umsetzt. Jeden dieser Punkte leitete Hollande mit den Worten ein: "Moi, Président de la République" - "Ich als Präsident der Republik".
Auf Twitter ernteten Hollandes rhetorischen Wiederholungen schnell Spott: "Hat jemand bei François Hollandes 'Ich als Präsident der Republik' mitgezählt? Ich bin bei 666", schrieb einer. Ein anderer twitterte: "Ich als Präsident würde die Wiederholung des Satzes 'Ich als Präsident' auf Lebenszeit verbieten."
Hollande legt mit seiner Rede vor der Wahl die Messlatte sehr hoch. Sollte er am kommenden Sonntag tatsächlich zum französischen Präsidenten gewählt werden, wird sich der 57-Jährigen an diesen Maßstäben messen lassen müssen.
Hier die gesamte Passage im Wortlaut:
Laurence Ferrari: "François Hollande, was für ein Präsident wären Sie?"
François Hollande: "Ein Präsident, der die Franzosen respektiert, der sie in Betracht zieht. Ein Präsident, der nicht Präsident von allem sein will, Chef von allem und tatsächlich verantwortlich sein für nichts.
Ich als Präsident der Republik wäre nicht der Chef der Mehrheit. Ich würde nicht die Abgeordneten der Mehrheit im Elysée-Palast empfangen.
Ich als Präsident der Republik würde meinen Premierminister nicht als Assistenten behandeln.
Ich als Präsident der Republik würde nicht an Spendensammelaktionen teilnehmen für meine eigene Partei in einem Pariser Hotel.
Ich als Präsident der Republik würde die Justiz auf unabhängige Weise arbeiten lassen. Ich würde nicht die Mitglieder der Staatsanwaltschaft ernennen, wenn der Oberste Rat der Staatsanwaltschaft dazu eine andere Meinung ausgesprochen hat.
Ich als Präsident der Republik würde mir nicht anmaßen, die Chefs der öffentlichen Fernsehsender zu ernennen. Ich würde das unabhängigen Instanzen überlassen.
Ich als Präsident der Republik würde dafür sorgen, dass mein Verhalten in jedem Moment vorbildhaft ist.
Ich als Präsident der Republik würde mir auch zu Herzen nehmen, dass ich als Chef der Republik kein strafrechtliches Dossier gegen mich vorliegen habe. Ich würde den strafgesetzlichen Status des Präsidenten reformieren, so dass Handlungen, die ich vor meinem Amtsantritt begangen habe, angefochten werden können und ich nach bestimmten Voraussetzungen der Vorladung des betreffenden Richters nachkommen oder mich vor den verschiedenen Instanzen verantworten kann.
Ich als Präsident der Republik würde ein Kabinett ernennen, das zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen besteht.
Ich als Präsident der Republik: Da gäbe es einen ethischen Kodex für die Minister, die sich nicht in die Situation eines Interessenkonfliktes begeben dürften.
Ich als Präsident der Republik: Die Minister dürften nicht gleichzeitig Kabinettsmitglied und Gemeindevertreter sein, weil ich glaube, dass sie sich voll ihrer Aufgabe widmen sollten.
Ich als Präsident der Republik würde einen Erlass zur Dezentralisierung verabschieden, weil ich glaube, dass die Verwaltungsbezirke neue Luft zum Atmen brauchen, neue Kompetenzen, neue Freiheiten.
Ich als Präsident der Republik würde dafür sorgen, dass die Sozialpartner und Berufsvertretungen genauso berücksichtigt werden wie die Gewerkschaften und wir regelmäßig darüber diskutieren können, was das Gesetz regelt und was Verhandlungssache ist.
Ich als Präsident der Republik würde große Debatten anstoßen. Wir haben über die Energieversorgung gesprochen, und das ist eine legitime Debatte, damit es über solche Fragen große Bürgerdiskussionen geben kann.
Ich als Präsident der Republik würde das Verhältniswahlrecht für die Parlamentswahlen einführen, nicht für die 2012, sondern 2017, weil ich glaube, dass es gut ist, die Gesamtheit der politischen Befindlichkeiten abzubilden.
Ich als Präsident der Republik wäre auf Augenhöhe, um die großen Linien festzulegen, die großen Anstöße, und gleichzeitig würde ich mich nicht um alles kümmern und die Nähe zu den Franzosen würde mir immer am Herzen liegen.
Ich habe eine normale Präsidentschaft beschrieben. Nichts ist normal, wenn man Präsident der Republik ist, denn die Umstände sind außergewöhnlich. Die Welt durchschreitet eine enorme Krise, auf jeden Fall Europa. Es gibt Konflikte in der Welt, auf dem Planeten, die Herausforderungen für die Umwelt durch den Klimawandel. Natürlich muss ein Präsident auf der Höhe dieser Themen sein, aber er muss auch nahe am Volk sein, fähig sein, es zu verstehen."
Mitarbeit: Christoph Sydow
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