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Stronach-Rückzug aus Wiener Nationalrat: Ende des Frankschämens

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Stronachs Polit-Karriere: Ende mit Scherbenhaufen Fotos
REUTERS

Seine Karriere als Abgeordneter war kurz. Nach drei Plenarsitzungen zieht sich Quereinsteiger Frank Stronach aus dem österreichischen Nationalrat zurück. Der austro-kanadische Milliardär verabschiedete sich mit einer kuriosen Rede.

Wien/München - Es ist erst seine dritte Plenarsitzung, sie wird auch schon seine letzte sein, aber ohne Abschiedswort will Frank Stronach nicht gehen. Der 81-Jährige steht am Mittwoch im österreichischen Nationalrat und spricht zu den Abgeordneten. Vor allem gilt seine kurze Rede wohl den Bürgern des Landes, die in den vergangenen Monaten den Kurzausflug des austro-kanadischen Milliardärs in die Politik verfolgt haben - zunächst aufmerksam interessiert, später zunehmend peinlich berührt.

Die Ankündigung des Milliardärs, eine Partei zu gründen, hatte vor nicht einmal zwei Jahren viele Österreicher elektrisiert und die Wiener Parteienlandschaft in Aufruhr versetzt: Dass da ein erfolgreicher Unternehmer - Stronach ist Mitbegründer des Automobilzulieferers Magna - der skandalerprobten österreichischen Politik zeigen wollte, was es mit "Wahrheit, Transparenz, Fairness" auf sich hat, schlug damals wie eine Bombe ein.

Sein Abgang als Parlamentarier an diesem Mittwoch fällt allerdings deutlich weniger glamourös aus als die Gründung seines Teams Stronach, die der gebürtige Steirer mit viel Tamtam in der Orangerie von Schloss Schönbrunn inszeniert hatte. Knapp fünf Minuten dauert seine Wortmeldung im Nationalrat. Fünf Minuten, in denen Stronach Zeit für eine kleine Entschuldigung findet und ansonsten viel über sich selbst und die angeblichen Schwächen Österreichs redet.

Er habe immer "bei der Sache sein wollen", sagt Stronach über sein politisches Engagement, das sei ihm nicht jedes Mal gelungen. Deshalb tue es ihm leid, sollte er "jemanden beleidigt haben". Da könnten sich einige angesprochen gefühlt haben: ein paar politische Konkurrenten etwa, denen er Inkompetenz vorwarf. Oder auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Euro-Rettungspolitik für Stronach der Beweis war, dass Merkel entweder "dumm" sei oder "bei den Banken" mitspiele.

"Ich bin, wie ich bin"

Stronach wäre nicht Stronach, sollte er im Parlament allzu devot werden. "Ich schäme mich nicht", sagt er also. Für das Gegenteil gäbe es wohl Gründe: Unvergessen bleibt der Wahlkämpfer Stronach, der in einem Fernsehinterview den Moderator regelrecht niederbrüllte, weil er die Journalistenfragen für Quatsch und seine eigenen Ausführungen für blendend hielt. Gleiches gilt für seinen Auftritt in Badehose und mit freiem Oberkörper, der Vitalität trotz fortgeschrittenen Alters demonstrieren sollte. Und dann war da noch seine Forderung, die Todesstrafe für Massenmörder und Berufskiller einzuführen ("ein Killer aus Tschetschenien kostet 2000 Euro").

Unter sechs Prozent war Stronach bei der Wahl im vergangenen September geblieben. Eine Enttäuschung für den Mann, der von 20 bis 30 Prozent fabuliert und vom Kanzlerposten für seine Partei geträumt hatte. Jetzt soll also Schluss für ihn sein, zumindest im Parlament, am Vorsitz der Partei will er offenbar festhalten. Vorerst ist sie ein Trümmerhaufen. Mehrere Chefs von Landesverbänden wurden abgesägt, die Personalquerelen und negative Schlagzeilen haben das Team Stronach in Umfragen weiter abstürzen lassen.

Die Zukunft: unklar. So ist etwa offen, ob die Partei bei der Europawahl im Mai antreten wird. Die Lage schätzt man offenbar selbst in der Partei nicht sonderlich rosig ein: Wenn man einmal "unten" sei, falle es schwer, wieder aufzustehen, sagte etwa zuletzt Rouven Ertlschweiger, der Stronach im Nationalrat nachfolgen wird. Man dürfe jetzt aber nicht liegen bleiben, so Ertlschweiger.

Stronachs Namen soll die Partei, die in Wahlkämpfen vor allem mit einer Aufspaltung des Euros in 18 National-Euros wirbt, offenbar weiter tragen. Neues Geld gibt es von ihm aber nicht. 30 Millionen Euro habe er in sein politisches Projekt gesteckt, sagt er am Mittwoch. Für so manchen stelle sich da die Frage, ob Stronach das Geld nicht besser für soziale Zwecke ausgegeben hätte. "Ich bin, wie ich bin", sagt er dann.

Stronachs Rolle beim Wort des Jahres

Und wie er so ist, will er seine Zuhörer am Mittwoch auch noch wissen lassen. Es ist der Redeteil, in dem sehr häufig das Wort "stolz" auftaucht. In Kurzform: Stronach ist stolz, Österreicher und Kanadier zu sein. Er ist stolz auf seine drei Enkelkinder, auf sein Team Stronach ("hat gute Werte"). Und er ist stolz darauf, dass er dafür gesorgt habe, dass Batteriesysteme von Magna in Österreich hergestellt würden.

Er hoffe, dass man sich die "Hände schütteln" werde, wenn er aus seiner Heimat Kanada wieder nach Österreich komme, sagt Stronach zum Abschluss. Der Redner im Anschluss attestiert ihm, dass er Österreich zum Nachdenken gebracht habe, "manchmal auch zum Schmunzeln".

Geschmunzelt wurde wohl auch, als ein Kunstbegriff zum österreichischen Wort des Jahres gekürt wurde, der laut Jury "das Befremden vieler Bürger über das Verhalten eines spätberufenen Parteigründers bei seinen öffentlichen Auftritten" beschreibt. Das Siegerwort: Frankschämen.

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1. Stronach möglicherweise garnicht so dumm
kasom1 29.01.2014
Der Ausspruch, dass die deutsche Bundeskanzlerin entweder dumm sei, oder Politik für die Banken mache, wird hier so hingestellt, als ob er ein Beweis dafür sei, dass man sich für Herrn Stronach zu schämen habe. Ein gutes Beispiel für die gleichgeschaltete Meinungsmache auch unserer besten Medien. Es mangelt dem Spiegel ja sicher nicht an journalistischer Kompetenz, aber auch er hat Eigentümer und diese haben Interessen, die nicht die Interessen des "kleinen Mannes von der Straße" sein können, sondern eher die der Banken sein müssen. Angela Merkel hat, aus meiner Sicht ohne Not viele Milliarden Steuergelder in die Banken gepumpt, um deren wohlhabende Eigentümer vor einer selbstverschuldeten Pleite zu retten. Dabei ließ sie sich, wie alle Welt weiß, ausgerechnet von Herrn Ackermann von der Deutschen Bank beraten. Sie hätte, möglicherweise mit einem wesentlich geringeren finanziellen Aufwand einfach die kleinen Sparer entschädigen können und die Banken in den wohlverdienten Konkurs gehen lassen können, so wie die isländische Regierung es mit Erfolg getan hat.
2. Skurriles Hobby
fko_berlin 29.01.2014
Na fein! Wir haben genug Schotter und ausreichend Langeweile. Also gründen wir eine Partei, versemmeln sinnlos ein paar Millionen und machen durch billige populistische Forderungen und oberpeinliche Auftritte Politik nur noch peinlich. Und sobald die altbekannte Langeweile auch die Freude an diesem neuen Hobby trübt, geht es zum nächsten kurzweiligen Zeitvertreib. Einfach peinlich!
3.
marcaurel1957 29.01.2014
Zitat von sysopREUTERSSeine Karriere als Abgeordneter war kurz. Nach drei Plenarsitzungen zieht sich Quereinsteiger Frank Stronach aus dem österreichischen Nationalrat zurück. Der austro-kanadische Milliardär verabschiedete sich mit einer kuriosen Rede. http://www.spiegel.de/politik/ausland/frank-stronach-haelt-abschiedsrede-in-oesterreichs-nationalrat-a-946242.html
Es wäre nicht schlecht, wenn Herr Lucke und seine AFd sich an stronach ein Beispiel nehmen würden...
4. Frankschämen...
tetraodon52 29.01.2014
... war 2013 das Wort des Jahres in Ö. - und das zu Recht. Stronach war sicher die peinlichste Figur im letztjährigen Wahlkampf, dem es an peinlichen Figuren nicht mangelte. Jetzt ist er weg: RIP
5. Na ja,
kahabe 29.01.2014
Zitat von fko_berlinNa fein! Wir haben genug Schotter und ausreichend Langeweile. Also gründen wir eine Partei, versemmeln sinnlos ein paar Millionen und machen durch billige populistische Forderungen und oberpeinliche Auftritte Politik nur noch peinlich. Und sobald die altbekannte Langeweile auch die Freude an diesem neuen Hobby trübt, geht es zum nächsten kurzweiligen Zeitvertreib. Einfach peinlich!
Kavaliere können's besser.
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