Außenminister Steinmeier nennt Donald Trump "Hassprediger"

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat Donald Trump scharf kritisiert. Er bezeichnete den umstrittenen US-Präsidentschaftskandidaten als "Hassprediger" - und verglich ihn mit der AfD.

Frank-Walter Steinmeier
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Frank-Walter Steinmeier


US-Präsident Barack Obama hält Donald Trump als seinen potenziellen Nachfolger für "ungeeignet". Republikaner-Schwergewicht Newt Gingrich findet den Milliardär "inakzeptabel". Und auch in Deutschland wird der Ton gegenüber dem hochumstrittenen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten immer rauer.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte schon mehrfach vor Trump gewarnt. Jetzt greift er zu Worten, die mit Diplomatie eigentlich nichts zu tun haben. Bei einer Fragestunde zur Außenpolitik in Rostock bezeichnete er den Anwärter auf den Einzug ins Weiße Haus als "Hassprediger". Steinmeier erklärte, er schaue mit großer Sorge auf das "Ungeheuer des Nationalismus", das sich weltweit ausbreite.

"Hassprediger" wie Trump, die Verantwortlichen des Brexit und die AfD eine, dass sie mit den Ängsten der Menschen Politik machten. Dies sei ein "Brandsatz für die Gesellschaft". Mit Blick auf die AfD und die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September sagte Steinmeier: "Diesen Brandsatz kann man, den muss man in der Wahlkabine löschen."

Hollande sprach von "Brechreiz"

Die jüngste Welle der Kritik hatte Trump ausgelöst, indem er mehrfach die Eltern eines gefallenen US-Soldaten beleidigte. Daraufhin war auch Frankreichs Staatspräsident François Hollande in ungewöhnlich deutlicher Weise auf Distanz zu Trump gegangen. Er rügte laut französischen Medienberichten Trumps "Exzesse", die ein "Gefühl des Brechreizes" erzeugten. Hollande bezeichnete Äußerungen Trumps zudem als "verletzend und demütigend".

Große Teile der US-Republikaner sind unzufrieden mit dem Kandidaten Trump, der sich zuletzt in Streitigkeiten und Widersprüche verstrickt hatte. Mit seiner Kritik an den Eltern des gefallenen Soldaten Khan überschritt er in den Augen vieler Kritiker eine Grenze. In Umfragen sackte Trump zuletzt ab. Hillary Clinton, die Kandidatin der Demokraten, führt landesweit mit rund zehn Prozentpunkten Vorsprung, in wichtigen "Swing States", deren Wähler traditionell zwischen Demokraten und Republikanern pendeln, liegt sie ebenfalls zum Teil klar vorn.

Am Donnerstag kursierten neue Gerüchte, die republikanische Partei lasse rechtlich prüfen, ob eine Enthebung Trumps von der Kandidatur auch nach dessen Nominierung auf dem Parteitag möglich sei. Eine Bestätigung dafür gab es jedoch nicht. Medien sprachen von einem "Bürgerkrieg" innerhalb der Partei.

kev/dpa

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