Deutsch-französische Aussöhnung: Unbekannte schänden 51 Soldatengräber

Holzkreuze wurden umgeworfen, einige für ein Lagerfeuer benutzt: In Frankreich sind 51 Gräber deutscher Soldaten geschändet worden. Wenige Kilometer entfernt wollen Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande am Sonntag den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Aussöhnung feiern.

Paris - Die Tat überschattet das Jubiläum: Unmittelbar vor den Feiern zum 50. Jahrestag der deutsch-französischen Versöhnung sind auf einem Soldatenfriedhof in Frankreich 51 Gräber deutscher Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg geschändet worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Sonntag unter Berufung auf das Innenministerium in Paris.

Auf dem Soldatenfriedhof in Saint-Étienne-à-Arnes wurden nach ersten Ermittlungen etwa 40 Holzkreuze umgeworfen oder herausgerissen. Einige wurden für ein Lagerfeuer benutzt, teilte die Präfektur des Départements Ardennes in der Nacht mit. In der Nähe seien sehr viele Bier- und Schnapsflaschen gefunden worden. Es gebe weder Hinweise auf die Täter noch Indizien, die auf die Motive schließen ließen. Die Tat habe sich möglicherweise in der Nacht von Freitag auf Samstag ereignet.

Die Gendarmerie sei am Samstagnachmittag vom Bürgermeisteramt des kleinen Ortes informiert worden. Der französische Innenminister Manuel Valls verurteilte die Tat in einem Kommuniqué scharf. Die Zerstörung der Gräber sei nicht hinnehmbar. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden. Es werde alles getan, um die Verantwortlichen für die Tat zu finden, betonte Valls. Am Sonntag werde am Tatort ein Kranz niedergelegt, um "das unerschütterliche Festhalten der Republik an der deutsch-französischen Freundschaft zu markieren".

Im 40 Kilometer entfernten Reims wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Versöhnung feiern. In der dortigen Kathedrale hatten am 8. Juli 1962 Konrad Adenauer und Charles de Gaulle gemeinsam eine Versöhnungsmesse gefeiert. Die Begegnung der beiden Staatsmänner mündete wenige Monate später in den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der bis heute den Rahmen für eine enge Zusammenarbeit gibt.

Zur Erinnerung an das historische Treffen werden Merkel und Hollande die Kathedrale besuchen und eine Ausstellung mit dem Titel "Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Von der deutsch-französischen Aussöhnung zur Partnerschaft" eröffnen. Anschließend ist eine Ansprache auf dem Platz vor der Kathedrale geplant.

yes/dpa

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1. Das Zündeln der Medien
Nikolai C.C. 08.07.2012
Die Medien, in allen Ländern, haben in den letzten Jahren sehr "gezündelt" und den Nationalismus angeheizt. Teils gegen die Südländer, teils gegen die bösen Deutschen und Frau Merkel. Wir sollten die Vergangenheit nicht vergessen, deswegen haben wir vor vier Jahren das gemeinnützige Projekt: Memoro - Die Bank der Erinnerungen e.V. gestartet http://www.memoro.org/de-de/ , ein Zeitzeugen Archiv der Oral History. Gegründet in Italien, nun in 14 Ländern online. Senioren berichten in kurzen Videoclips über die Kriegs- und Nachkriegsjahre, über Hass, Bombardierungen, Vergewaltigungen, aber auch über leichtere Themen. Leider erfahren wir keine Unterstützung von Sponsoren und Institutionen. Wir sollten nicht vergessen. Schade, dass sich so etwas in Frankreich ereignet, ich selbst bin dort aufgewachsen und habe noch, in geringerem Maße, die Ablehnung alter Franzosen erlebt. Wir sollten aufpassen, dass sich Geschichte nicht wiederholt, manche haben anscheinend jetzt schon Hemmungen in Griechenland ihren Urlaub zu verbringen.
2. Das sind wohl die ersten Folgen....
donadoni 08.07.2012
...der EURO-Streitigkeiten zwischen den Sozialisten in F und den Konservativen in D. Wenn es ums Geld geht, hört bekanntlich die Freundschaft auf. Diese unrühmlichen Taten dürften nur der Beginn sein. Man personalisiert alles Elend dieses Europa auf die Deutsche Merkel. Allerdings bin ich immer skeptisch bei institutionalisierten "Freundschaften" zwischen Ländern und Städten. Freundschaften kann es nur zwischen Menschen auf Grund gemeinsamer Erlebnisse, Begegnungen etc. geben. Man denke nur an die staatliche verordnete Freundschafte zwischen der damaligen DDR und der Sowjetunion, die hinter vorgehaltener Hand in der DDR sogar verhöhnt wurde ("...die Liebe zu den Russen.."). Bei der sog. deutsch/französischen Freundschaft fehlt es auch an dem Bemühen die jeweilige Fremdsprache zu lernen. In Deutschland verkümmert sie jedenfalls. Ohne Sprache, keine Kommunikation. Möglicherweise macht der EURO nun auch kaputt, was einst deGaulle und Adenauer begannen, heute aber überholt zu sein scheint. Die Zeiten in Europa werden rauer. Man sieht es auch an dieser Schändung.
3. Kein Kavaliersdelikt
localpatriot 08.07.2012
Zitat von sysopDPAHolzkreuze wurden umgeworfen, einige für ein Lagerfeuer benutzt: In Frankreich sind 40 Gräber deutscher Soldaten geschändet worden. Wenige Kilometer entfernt wollen Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande am Sonntag den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Aussöhnung feiern. Frankreich: 40 deutsche Soldatengräber geschändet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843215,00.html)
Man soll diese Schaendung im klaren Licht des Tages sehen - es ist kein Kaviliersdelikt und sie zeigt wieviel von den Restspannungen des zweiten Weltkrieges noch uebrigbleibt. Interessant wird vor allen Dingen die Reaktion der lokalen franzoesischen Behoerden. So lange die Geschichte von den vollkommen unbekannten Taetern die Antwort bleibt, kann man sich die Antwort selbst aussuchen. Es bleibt ein langer Weg zu einen gemeinsamen Europa und der Euro zeigt sich wie erwartet als Spalterwaehrung.
4.
knochenmann 08.07.2012
Zitat von sysopDPAHolzkreuze wurden umgeworfen, einige für ein Lagerfeuer benutzt: In Frankreich sind 40 Gräber deutscher Soldaten geschändet worden. Wenige Kilometer entfernt wollen Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande am Sonntag den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Aussöhnung feiern. Frankreich: 40 deutsche Soldatengräber geschändet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843215,00.html)
Da ich an keinen Kriegshandlungen teilnehmen würde, identifiziere ich mich auch nicht mit toten Soldaten, die selbst Mörder (und im 1. Weltkrieg sogar Angreifer) waren. Und das in Frankreich Leute ihrem Unmut über die deutsche Politik irgendwie Luft machen finde ich jetzt auch nicht allzu verwunderlich, Merkel scheint ja keinen anderen Plan zu haben als den Karren mit Volldampf an die Wand zu fahren.
5. Nicht aufbauschen!
armin.k 08.07.2012
Zitat von sysopDPAHolzkreuze wurden umgeworfen, einige für ein Lagerfeuer benutzt: In Frankreich sind 40 Gräber deutscher Soldaten geschändet worden. Wenige Kilometer entfernt wollen Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande am Sonntag den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Aussöhnung feiern. Frankreich: 40 deutsche Soldatengräber geschändet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843215,00.html)
Ich bin seit langem in jedem Jahr mehrere Wochen in Frankreich (spreche auch gut frz.) und habe noch niemals antideutsche Ressentiments gehört oder gespürt. lt. Umfragen in F. sind die Deutschen die beliebtesten Europäer von allen. Kein Grund also, sich über diese Grabschändungen zu echauffieren!
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