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Nach Tod eines Umwelt-Aktivisten: Showdown der französischen Stadtguerilla

Von , Paris

Ausschreitungen: Straßenkämpfe in Frankreichs Städten Fotos
AFP

Bauzaun-Barrikaden, Tränengas, Verletzte: Eine Woche nach dem Tod eines jungen Demonstranten in Südwestfrankreich nutzen selbsterklärte Antikapitalisten die Gedenkmärsche zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Erst flogen Eier, dann Pflastersteine und mit Säure gefüllte Flaschen: Die Stadtzentren von Nantes und Toulouse waren bis in den späten Samstagabend durch Zusammenstöße zwischen vermummten Extremisten und bewaffneter Bereitschaftspolizei bestimmt. Selbsterklärte Stadtguerilleros zündeten Mülltonnen an, warfen Scheiben ein, zerstörten Bankautomaten.

Begonnen hatten die Proteste als friedliche Gedenkmärsche nach dem Tod des Naturschützers Rémi Fraisse. Der 21-jährige Botaniker hatte bei Sivens, im Departement Tarn, gegen den Bau eines umstrittenen Stauwerkes protestiert. Als Gendarmerie vor einer Woche gegen die Demonstranten vorging, wurde Fraisse von einer Tränengasgranate am Rücken getroffen und getötet.

Der Schock über den Tod rüttelte die lokalen Behörden auf, das Projekt wurde vorübergehend eingestellt. Offen bleibt jedoch, ob die Arbeiten völlig gestoppt werden.

Auf den Weg gebracht wurde das umstrittene Projekt vor fast 25 Jahren: Stauwasser, rund 1,5 Millionen Kubikmeter, sollte den Bauern helfen, auch bei Trockenheit zum Beispiel Mais anzubauen. Vernachlässigt wurden bei den Planungen für das 8-Millionen-Euro-Vorhaben aber die Auswirkungen auf Wälder und ein Feuchtgebiet, von dem ein Großteil bereits Rodungen zum Opfer gefallen ist.

Symbol für ein irrwitziges Projekt

Frankreichs ehemalige grüne Umweltministerin Delphine Batho hatte das Projekt im Juni 2013 eigentlich gestoppt. Nach ihrer Absetzung gab der örtliche Präfekt jedoch grünes Licht für den Beginn der Arbeiten - gestützt auf die Regierung in Paris und deren öffentliche Finanzierung.

Damit geriet die lokale Mobilisierung der Naturschützer im Departement Tarn zum Anliegen nationaler Sprengkraft: Ähnlich wie der geplante Ausbau des Flughafens Notre-Dame-des-Landes bei Nantes, der seit Jahren Widerstand provoziert, wurde der Stausee von Sivens für Umweltschützer zum Symbol für ein irrwitziges Projekt. José Bové, der schnauzbärtige Vorkämpfer ökologischer Landwirtschaft, rügte den Bau als Beispiel einer überholten, intensiven Agrarindustrie.

Auch ein staatliches Gutachten, unlängst in Auftrag gegeben von der neu berufenen Umweltministerin Ségolène Royal, stellt die Grundlagen des Projekts in Frage. Das Urteil ist harsch: schlechte Planung, falsch bemessene Auswirkungen auf die Umwelt, wacklige Finanzierung. Die Landwirtschaft sei in deutlichem Rückgang, die Zahl der Höfe zwischen 2000 und 2010 von 1038 auf 738 gefallen. Selbst die Art des Anbaus habe sich verändert. Trockene Kulturen wie Getreide oder Sonnenblumen seien auf dem Vormarsch. Vor allem aber, so die Experten: Statt den ursprünglich 81 Höfen würde der Stausee heute nur noch knapp 30 Bauern nützen.

Die Umweltministerin lädt ein

Das Verdikt der Wissenschaftler hat die örtlich gewählten Repräsentanten bislang nicht umgestimmt. Der Regionalpräsident und Vertreter der Bauernverbände bestehen auf den Bau. Sie machten den Staudamm-Streit zum demokratischen Grundsatzkonflikt. Und der Tod von Naturschützer Rémi Fraisse bot den selbst ernannten Antikapitalisten den Vorwand für ihre gewalttätigen Übergriffe.

Die Proteste endeten Samstagnacht mit der Festnahme von drei Dutzend Demonstranten in Nantes und Toulouse. Frankreichs Grüne rügten die Brutalität der Demonstranten, Premier Manuel Valls wie Innenminister Bernard Caszeneuve bedauerten: Die Übergriffe beleidigten das Gedenken an Rémi Fraisse.

Umweltministerin Royal hat für kommenden Dienstag alle beteiligten Gruppen zu einer Sitzung nach Paris eingeladen. "Meine Rolle ist es Lösungen zu finden", sagt sie.

Auf die Entschlossenheit der Umweltschützer dürfte das Versprechen wenig Einfluss haben. In Paris treffen sich am Sonntag Freunde von Rémi Fraisse - zum friedlichen Gedenken unter dem Eiffelturm.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Was heißt selbsterklärt?
Leihbischof Klamm 02.11.2014
Wie erklären wir uns die mehrfache Verwendung von 'selbsterklärt' resp. 'selbst ernannt' in diesem Aufsatz? Gibt es so etwas wie offizielle, lizensierte, beglaubigte und zertifizierte Antikapitalisten und Stadtguerilleros? Oder dienen diese Formulierungen nur einer mehr oder weniger subtilen Diffamierung der Protestierenden?
2. wegen eines Teiches?
karlmeier6565 02.11.2014
soviel Geschrei?1,5mio kubikmeter hat jeder Dorfteich!Sieht man mal wieder,wie reisserisch man was aufziehen kann.ganze Wälder abgeholzt....
3.
wolf b. 02.11.2014
Zitat von Leihbischof KlammWie erklären wir uns die mehrfache Verwendung von 'selbsterklärt' resp. 'selbst ernannt' in diesem Aufsatz? Gibt es so etwas wie offizielle, lizensierte, beglaubigte und zertifizierte Antikapitalisten und Stadtguerilleros? Oder dienen diese Formulierungen nur einer mehr oder weniger subtilen Diffamierung der Protestierenden?
Das ist mir auch aufgefallen und hat mich an dem Artikel massiv gestört. Gibt es demnächst auch selbst ernannte Demonstranten?
4.
bloub 02.11.2014
Zitat von wolf b.Das ist mir auch aufgefallen und hat mich an dem Artikel massiv gestört. Gibt es demnächst auch selbst ernannte Demonstranten?
natürlich, je nachdem wie sehr dem journalisten die demo gegen den strich geht.
5. Lassen Sie doch einfach das
spmc-135322777912941 02.11.2014
Zitat von Leihbischof KlammWie erklären wir uns die mehrfache Verwendung von 'selbsterklärt' resp. 'selbst ernannt' in diesem Aufsatz? Gibt es so etwas wie offizielle, lizensierte, beglaubigte und zertifizierte Antikapitalisten und Stadtguerilleros? Oder dienen diese Formulierungen nur einer mehr oder weniger subtilen Diffamierung der Protestierenden?
dann sind es Antikapitalisten und Stadtguerilleros. Da würden sich bestimmt auch wieder einige finden die daran Anstoss nehmen.
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