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Vor Frankreichs Kampfeinsatz: Mehr als 280 Tote nach zwei Tagen Gewalt in Zentralafrika

Zwei Tage Gewalt: Die Zentralafrikanische Republik spitzt sich zu Zur Großansicht
AFP

Zwei Tage Gewalt: Die Zentralafrikanische Republik spitzt sich zu

Die Situation in der Zentralafrikanischen Republik hat sich dramatisch verschlimmert: Laut Rotem Kreuz starben mehr als 280 Menschen innerhalb von zwei Tagen. Der französische Militäreinsatz ist angelaufen, auch Deutschland hat logistische Unterstützung angeboten.

Bangui/Paris - Der Zentralafrikanischen Republik droht ein Bürgerkrieg, der auch auf Nachbarländer übergreifen könnte. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden nach zwei Tagen Gewalt in der Hauptstadt Bangui mehr als 280 Leichen geborgen. "Morgen wird ein sehr anstrengender Tag", berichtet Pastor Antoine Mbao Bogo über die Bergungsarbeiten. "Ich glaube, wir werden noch einen vierten Tag brauchen."

Die französische Armee hat am Freitag Kampftruppen nach Zentralafrika gesandt. Bereits bei ersten Gefechten töteten Soldaten mehrere Rebellen in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt. Das teilte das Verteidigungsministerium in Bangui mit. Der Uno-Sicherheitsrat hatte den Militäreinsatz gebilligt.

Am Donnerstag war es zu den schwersten Kämpfen seit der Machtergreifung der Rebellenallianz Seleka im vergangenen März gekommen. Anhänger des Präsidenten François Bozizé, der bei dem Putsch gestürzten worden war, griffen die Hauptstadt nach unbestätigten Berichten von mehreren Seiten an. Nach stundenlangen Gefechten konnten die Seleka-Rebellen wieder die Oberhand gewinnen.

Aus Furcht vor Übergriffen im Krisenstaat Zentralafrika haben tausende Anwohner Zuflucht am Hauptstadtflughafen Bangui gesucht. Nur Stacheldrahtzäune hinderten sie an einer Stürmung des Flughafengeländes, wie Reporter nach dem Beginn der französischen Militärintervention beobachteten. Auf dem Flughafenareal haben sowohl die von Paris entsandten als auch die afrikanischen Eingreiftruppen ihr Hauptquartier.

Drohender religionsbedingter Völkermord

Schon vor der jüngsten Eskalation der Gewalt hatte Frankreich 640 Soldaten am Flughafen von Bangui stationiert. Ihre Zahl soll nun in den kommenden Tagen durch die Verlegung weiterer Einheiten aus den Nachbarstaaten verdoppelt werden.

Seit dem Staatsstreich kommt es immer wieder zu schwerer Gewalt zwischen den Bozizé nahestehenden christlichen Bürgermilizen "Anti-Balaka" (Gegen die Macheten) und den muslimischen Seleka-Kämpfern. Letztere regieren nun mit ihrem Anführer, Übergangspräsident Michel Djotodia, das Land. Beobachter sprachen bereits von einem drohenden religionsbedingten Völkermord.

Deutschland will den französischen Einsatz mit Transportflügen unterstützen. Die Bundesregierung bot Paris Flugzeuge vom Typ Airbus A-310 an, um französische Soldaten in das Krisengebiet zu bringen. Auch eine Unterstützung bei der Luftbetankung von Flugzeugen sei möglich. Großbritannien will den Militäreinsatz ebenfalls logistisch unterstützen. Die Europäische Union will 50 Millionen Euro zu dem Militäreinsatz unter Führung der der Afrikanischen Union beisteuern.

Auch beim französisch-afrikanischen Gipfel zum Thema Frieden und Sicherheit ging es am Freitag vielmehr um Krieg. Zu dem zweitägigen Treffen waren mehr als 30 Staats- und Regierungschefs in die französische Hauptstadt gekommen. Im Anschluss daran soll am Samstag ein internationales Treffen zu dem Konflikt in Zentralafrika stattfinden. Teilnehmen werden neben Frankreichs Staatschef François Hollande auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie die Staats- und Regierungschefs von an Zentralafrika angrenzenden Staaten.

vek/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 34 Beiträge
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1. inzwischen
ziegenzuechter 06.12.2013
ist es nur noch eine randnotiz, wenn deutschland mal wieder einen krieg fuehrt. was zum teufel geht uns die zentralafrikanische republik an?
2. Bokassa laesst gruessen
jj2005 06.12.2013
What’s Really Behind France’s Sudden Scramble to “Save Central Africa” (http://www.globalresearch.ca/whats-really-behind-frances-sudden-scramble-to-save-central-africa/5360522) Na was wohl? Wie kann das sein, dass in Rekordzeit Truppen in ein armes Land geschickt werden? Frankreich braucht Uran...
3.
Ernst August 06.12.2013
Zitat von ziegenzuechterist es nur noch eine randnotiz, wenn deutschland mal wieder einen krieg fuehrt. was zum teufel geht uns die zentralafrikanische republik an?
Haben sie denn kein Herz? Es geht doch schließlich um Demokratie, Freiheit und Menschenrechte. Wofür sonst ist der Westen so gut bewaffnet?
4. Schon wieder ein Abenteuer
obersize 06.12.2013
Ich habe eine Große Bitte an Deutschland und alle anderen EU Länder: Endlich mal die Finger von den Ländern zu lassen, in denen der Islam auf dem Vormarsch ist. Jedes Einmischen ist in Verbindung mit unseren Gutmenschen von vornherein zu scheitern verurteilt. Schade um das Geld, und wenn es nur zum betanken der Flugzeuge ist bzw. der übrigen Logistik. Einfach nichts machen.
5.
acitapple 06.12.2013
um mich den tollen kommentaren hier anzuschließen: ja wir sollten uns raushalten. was kümmern uns schon ein paar gemeuchelte zivilisten hier oder ein völkermord dort ? das geht uns nichts an und wir sollten uns in ignoranz üben, das können wir ganz dolle. sobald der nächste schlächter dann "rechtmäßig" an der regierung ist können wir dann wieder unsere menschlichkeit ganz friedlich kundtun und "entwicklungshilfe" leisten für die hinterbliebenen derer, die wir haben verrecken lassen. die bundeswehr sollte sich auf ihren ursprünglichen auftrag besinnen und oderbrüche bekämpfen.
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