Frankreich Chirac entging nur knapp einem Attentat

In letzter Sekunde konnte die Polizei am Sonntag ein Attentat auf den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac verhindern. Während der Parade zum Nationalfeiertag auf den Champs-Elysees hatte ein Neo-Nazi trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen ein Gewehr aus einem Gitarrenkoffer gezogen.


Karabiner aus dem Gitarrenkasten: Chirac-Attentäter
REUTERS

Karabiner aus dem Gitarrenkasten: Chirac-Attentäter

Paris - Kurz bevor er von Polizisten überwältigt werden konnte, gelang es dem 25-jährigen, noch einen Schuss abzugeben. Der Schuss ging allerdings in die Luft und richtete keinerlei Schaden an. Trotzdem brach unter den Zuschauern auf den Champs-Elysees Panik aus.

Nach Polizeiangaben ist der Täter Mitglied einer Neonazi- und Hooligan-Gruppe. Der Fernsehsender France 2 berichtete, er habe später gestanden, ein Attentat auf Chirac geplant zu haben. Er habe ausgesagt, unter emotionalen Problemen zu leiden. Genauere Angaben über sein Motiv wurden aber nicht bekannt.

Die Parade, mit der Frankreich jährlich an den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 erinnert, ging ohne weitere Störungen zu Ende.

Ob Chirac den Zwischenfall bemerkte, war zunächst nicht bekannt. In einer Fernsehansprache nach der Parade äußerte er sich nicht dazu. Er sprach sich dabei für strengere Einwanderungsgesetze und einen verstärkten Kampf gegen Menschenhandel aus. Außerdem forderte er eine Stärkung der französischen Streitkräfte.

Chirac bekräftigte in dem Fernsehinterview noch einmal die Haltung Frankreichs gegen eine vorzeitige Reform der EU-Agrarpolitik. Er werde keinesfalls Frankreichs Position als weltweit zweites Exportland landwirtschaftlicher Produkte gefährden, sagte er.

Entging nur knapp einer Katastrophe: Staatspräsident Chirac mit Armee-Chef Jean-Pierre Kelche
AFP

Entging nur knapp einer Katastrophe: Staatspräsident Chirac mit Armee-Chef Jean-Pierre Kelche

Wegen der umstrittenen Agrarpolitik hat Chirac allerdings eine europäische Krise ausgeschlossen. "Wir werden darüber verhandeln und vor 2006 eine Lösung finden", sagte er. Frankreich will frühestens ab 2004 über eine Agrarreform sprechen und hält an dem bis 2006 laufenden Finanzplan der Europäischen Union (EU) fest.

Zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung forderte Chirac eine rasche Harmonisierung des Asylrechts und in Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern eine Verstärkung der Außengrenzen der EU. Asylanträge müssten sehr viel rascher bearbeitet werden: "Diese Anträge kann man doch innerhalb von vier Wochen beantworten."

Der Kampf gegen illegale Ausländer müsse jedoch an eine Entwicklungshilfe gekoppelt werden, um den Flüchtlingen Arbeit in ihren eigenen Ländern zu ermöglichen. Systematisch bekämpft werden sollten auch die mafia-ähnlichen Schlepperorganisationen, die die Armut der Flüchtlinge ausnutzen und ihnen ein falsches Bild unserer Länder vorgaukeln, sagte der Präsident.

Am Freitag hatten sich Frankreich und Großbritannien über die Schließung des Flüchtlingslagers Sangatte am Ärmelkanal verständigt. Illegale Kurden aus dem Irak und Afghanen versuchen immer wieder, von dem Lager aus durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.



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