Paris Macron bei Beerdigung von ermordeter Jüdin

Die Holocaust-Überlebende Mireille Knoll wurde in ihrer Wohnung in Paris ermordet - offenbar hatten die Täter ein antisemitisches Motiv. Präsident Macron nahm an ihrer Beerdigung teil. Eine Geste an ihre Familie.

Macron bei Beerdigung
AP

Macron bei Beerdigung


Ohne vorherige offizielle Ankündigung hat der französische Präsident Emmanuel Macron an der Beisetzung der ermordeten Mireille Knoll teilgenommen. Dies sei eine Geste an die Familie des Opfers und stehe im Zusammenhang mit Macrons Kampf gegen den Antisemitismus, teilte der Élyséepalast dazu mit. Die 85-jährige Knoll war Jüdin und hatte den Holocaust überlebt. Bei den Tätern wird ein antisemitischer Hintergrund vermutet.

Knoll war am Freitag tot in ihrer ausgebrannten Wohnung in Paris aufgefunden worden. Zwei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Der Fall hat Frankreich erschüttert und weltweit Aufsehen erregt. Für Mittwochabend war ein Gedenkmarsch in Paris geplant.

Präsident Macron hatte auch bei der nationalen Gedenkfeier für einen bei einem islamistischen Terroranschlag getöteten Gendarmen an Knolls Schicksal erinnert. "Der Terrorist von Trèbes wie der Mörder von Mireille Knoll verneinen den Wert des Lebens, schänden unsere heiligen Werte und unsere Erinnerung", teilte er anschließend auf Twitter mit.

Der Gendarmerieoffizier Arnaud Beltrame hatte sich am vergangenen Freitag beim Angriff eines Islamisten in einem Supermarkt in der Nähe von Carcassonne als Austauschgeisel zur Verfügung gestellt. Der Täter verletzte den Beamten schwer, der 44-Jährige starb später im Krankenhaus. Insgesamt tötete der Islamist bei mehreren Attacken vier Menschen. Er wurde von der Polizei erschossen.

Macron beförderte Beltrame posthum und ernannte ihn zum Kommandeur der französischen Ehrenlegion, eine der höchsten Auszeichnungen des Landes.

Vor knapp einem Jahr hatte schon einmal ein Mord an einer Rentnerin die jüdische Gemeinschaft in Paris erschüttert, das Opfer hieß Sarah Halimi. Der Fall hatte Kritik ausgelöst, weil die Ermittler zunächst nicht explizit von einem antisemitischen Motiv ausgegangen waren - im Februar stufte die Justiz die Tat aber schließlich als mutmaßlich antisemitisch ein.

vks/AFP/dpa



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