Wahl in Frankreich Macron liegt in letzten Umfragen klar vor Le Pen

Der Abstand ist stabil: Der französische Präsidentschaftskandidat Macron geht laut Umfragen mit mehr als 20 Prozentpunkten Vorsprung in die Stichwahl gegen Le Pen. Ist sein Sieg schon sicher?

Wahlplakate in Südfrankreich
AP

Wahlplakate in Südfrankreich


Die Kehrtwende von Marine Le Pen in der Euro-Frage, ein hitziges letztes TV-Duell - es hat alles nichts geändert. Emmanuel Macron liegt in den letzten Umfragen vor der Stichwahl am Sonntag klar vor seiner Kontrahentin Le Pen. Laut den Umfrageinstituten Elabe und Opinionway wollen am Sonntag 62 Prozent für Macron stimmen und 38 Prozent für die Kandidatin des Front National. Das Institut Ipsos sieht Macron mit 61,5 Prozent zu 38,5 Prozent vorn.

Der Anführer der Bewegung "En Marche!" kann damit seinen Vorsprung von rund 20 Prozentpunkten halten, den ihm alle Umfragen seit der ersten Wahlrunde vor knapp zwei Wochen gegeben haben. Die neuen Befragungen wurden nach dem TV-Duell zwischen beiden Präsidentschaftskandidaten am Mittwoch durchgeführt. Der Auftritt hatte demnach höchstens kleine Auswirkungen auf die Wahlentscheidung - und wenn, dann zugunsten von Macron, der um ein bis zwei Prozentpunkte zulegt.

Für Macron besonders wichtig: Er kann viele Wähler der im ersten Wahlgang unterlegenen Kandidaten für sich gewinnen, insbesondere auch mehrheitlich die Wähler des linken Jean-Luc Mélenchon. Das zeigt die Grafik beruhend auf der neuesten Ipsos-Umfrage:

Anders als der Republikaner François Fillon und der Sozialist Benoît Hamon hatte Mélenchon sich nach dem ersten Wahlgang nicht für Macron ausgesprochen. Trotzdem wollen nur 11 Prozent der Mélenchon-Wähler für Le Pen stimmen.

Die FN-Kandidatin kann einen Großteil der Stimmen von Nicolas Dupont-Aignan für sich gewinnen. Das ist allerdings kein Wunder: Der Sozialkonservative vertritt ähnliche Meinungen wie Le Pen. Er hat allerdings im ersten Wahlgang auch nur 4,7 Prozent der Stimmen bekommen, verglichen mit jeweils rund 20 Prozent für Fillon und Mélenchon.

Die Umfragen sind insgesamt deutlich klarer als bei der US-Präsidentschaftswahl oder dem Brexit-Referendum. Ein Beispiel: In der Ipsos-Umfrage geben derzeit 17 Prozent an, sich noch nicht entschieden zu haben. Diese 17 Prozent fehlen zwar in der 61,5-zu-38,5-Prognose. Aber: Selbst wenn diese 17 Prozent - rein theoretisch - komplett zu Le Pen überlaufen würden, würde Macron noch immer knapp gewinnen.

Doch der große Vorsprung kann Macron durchaus noch zum Verhängnis werden. Wenn sich viele seiner Wähler zu sicher sind, dass er gewinnt, könnten sie am Ende gar nicht erst ins Wahllokal gehen. Das ist Le Pens letzte - kleine - Chance.

sep

insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Educa15 05.05.2017
1. Was wenn am Ende die Trotz-wähler in Überzahl sind.
Die Trotzwähler, die wie beim Türkei-Referendum vor allem deshalb für Madam le Pen stimmen, weil das Establishment Europas so sehr über sie schimpft. Und dann kommt noch die Zahl derer, die am Wahltag gegen Elite und Kapitalismus (=Macron) stimmen, aber sich nicht trauen, bei Umfragen ihre Absicht preis zu geben. Je mehr man eine Option bei Wahlen verteufelt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer demokratischen Überraschung. Wem diese dann nicht paßt, sollte bitte nicht behaupten, es wäre keine demokratische Entscheidung. Denn damit gibt er zu, dass die Demokratie nur dann gewollt ist, wenn einem das Ergebnis in den Kram paßt. Grenzt an diese Einstellung nicht doch etwas an Diktatur ?
zubloedhh 05.05.2017
2. Beruhigend
Der Vorsprung sollte ausreichen, um ein Abgleiten Frankreichs ins rechtspopulistisch-nationalistische Milieu zu verhindern. Andererseits bin ich letztes Jahr mehrmals in meinem Vertrauen auf die Umfrageergebnisse bitter enttäuscht worden, wobei sie damals auch deutlich enger waren.
friedrich_eckard 05.05.2017
3.
Es stimmt, dass Mélenchon keine Wahlempfehlung für Macron abgegeben hat - mit Recht und aus den denkbar besten Gründen - und es spricht viel dafür, dass er am Sonntag wohl einen weissen Stimmzettel abgeben wird, wie (hoffentlich möglichst) viele seiner Wähler/innen auch. Die Aussage "Trotzdem wollen nur 11 Prozent der Mélenchon-Wähler für Le Pen stimmen." ist allerdings wegen des "trotzdem" eine bodenlose Unverfrorenheit. Keine Wahlempfehluing für den Neoliberalen gleich eine Wahlempfehlung für die Nazisse: ja, geht's denn noch?
prophet46 05.05.2017
4.
Bei allen Wahlkapriolen die die Unterschicht zuweilen vollführt, es ist absolut unwahrscheinlich, dass dieser "bissige Straßenköter" (ein anderer Begriff fällt mir für Le Pen nicht ein), eine Mehrheit in Frankreich bekommen könnte.
michi.spon 05.05.2017
5. Abwarten
Bei Clinton sahen alle Hochrechnungen sie noch in der Wahlnacht vorn. Wie die Geschichte ausging wissen wir alle... Frankreich hat die Wahl zwischen Elite/Establishment und Nationalisten. Sehr schlechte Wahl wie ich finde! Die Grande Nation demontiert sich selbst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.