Notres-Dame-des Landes Macrons Regierung stoppt Bau von umstrittenem Großflughafen

Die Umweltschützer haben sich durchgesetzt: Frankreichs Regierung gibt das Vorhaben für einen Großflughafen bei Nantes auf.

Protest gegen Airport Notre-Dame-des-Landes (Archivaufnahme)
AFP

Protest gegen Airport Notre-Dame-des-Landes (Archivaufnahme)


Die Regierung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stoppt den Bau eines umstrittenen Riesenairports im Westen des Landes. "Das Vorhaben Notre-Dame-des-Landes wird fallengelassen", gab Premierminister Édouard Philippe bekannt.

Eine Eröffnung des seit den Sechzigerjahren geplanten Flughafens war ursprünglich bereits 2008 geplant. Bisher gab es aber keine Bauarbeiten. Der Flughafen Notre-Dame-des-Landes sollte einmal 4,5 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen können. Längerfristig sollten die Kapazitäten verdoppelt werden. Die Einwohner der Region hatten sich bei einem Referendum 2016 mehrheitlich für den Bau ausgesprochen.

Macron hatte sich bei der Entscheidung für oder gegen den Airport in einem Dilemma befunden. Bislang hatte sich der Staatschef bei anstehenden Problemen stets als smarter Reformer präsentiert. Doch ein Rückzug könnte ihm jetzt als politische Schwäche ausgelegt werden. Eine Räumung mit einem Großeinsatz der Sicherheitskräfte wäre womöglich zum wochenlangen Medienspektakel eskaliert - mit gefährlichen, bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen.

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Streit um Großflughafen: Ökologie oder Ökonomie?

Aktivisten besetzen nach Medieninformationen schon seit längerer Zeit das Gelände des bisher geplanten Airports nordwestlich von Nantes. "Egal wie Macron entscheidet", hatte eine Umweltschützerin dem TV-Sender "France 2" bereits angekündigt - "wir bleiben hier".

als/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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gagazar 17.01.2018
1. Vernunft siegt
endlich auch einmal. In einem anderen Artikel ist ja auch unteranderem erwähnt worden, das der Bürgerentschneid knapp pro war und mit einigen uwnahren Fakten, ähnlich wie bei Stuttgar21, geschönt wurde. Daher großen Respekt für diese Entscheidung.
stefanmargraf 17.01.2018
2. Wieso "Riesenairport"?
Frankfurt und Paris haben je 65 Mio Fluggäste, die geplanten 4,5 deuten auf einen ziemlich kleinen internationalen Flughafen.
breizh44 17.01.2018
3. Nicht die Umweltschützer
Nicht die Umweltschützer haben gesiegt, sondern anarchistische Rechtsbrecher, die das Baugelände illegal besetzt halten. Aus der Umweltschutzperspektive hätte der neue Flughafen gebaut werden müssen. Diese Entscheidung wird in Frankreich noch lange nachhallen. Rechtsbruch und Anarchie zahlen sich aus, lautet das heutige Signal. Wenn die Regierung meint, mit der heutigen Entscheidung die weniger schmerzhafte Lösung gewählt zu haben täuscht sie sich. Gegen den nun anstehenden Ausbau des bestehenden Flughafens, eingekeilt zwischen der Stadt Nantes und einem Vogelschutzgebiet, wird es Einsprüche hageln. Es ist viel Zeit verloren worden und es wird noch viel mehr Zeit verloren gehen, zum Nachteil der Wirtschaft und der Bevölkerung der Region. Irgendwann wird man zu der Erkenntnis kommen, daß die heutige Entscheidung verkehrt war und nach einer neuen Lösung suchen. Ich hoffe, diejenigen, die heute entschieden haben, erinnern sich angesichts der Opfer-Familien an ihre Verantwortung (Schuld), wenn ein Flugzeug auf das Stadtgebiet von Nantes gestürzt sein wird. Die Frage ist nicht, ob dies passieren wird, sondern nur wann. München-Riem kann da als abschreckendes Beispiel dienen.
claus7447 17.01.2018
4.
Sicherlich hat die Vernunft hier entschieden. Hätte unseren Politikern auch gut angestanden z.B. S21. Nur da ist es zu spät. Die Unvernunft wird in Beton gegossen und die steuermilliarden rausgeschmissen.
betonklotz 17.01.2018
5. Geplant seit den Sechziger Jahren?
Geplante Eroffnung 2008, bis heute (2018!) kein Baubeginn? Kann es sein, dass das Ding schlicht eine totale Fehlplanung war uns Macron jetzt die Reissleine gezogen hat? Hört sich für mich auf jeden Fall schwer danach an. Falls ja, Glückwunsch an die Franzosen, wir in De haben ja nicht so viel Glück mit unseren "Entscheidern".
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