Silvesternacht in Frankreich Macron verurteilt Angriffe auf Polizisten

In Deutschland wurden in der Silvesternacht Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr attackiert. In Frankreich sorgt ein ähnlicher Fall für Empörung: Präsident Macron spricht von "Lynchjustiz".

Polizeiwagen am Eiffelturm
AFP

Polizeiwagen am Eiffelturm


In der Silvesternacht sind in Frankreich mehrere Polizisten verletzt worden. Ein Vorfall in einem Vorort von Paris empört die Franzosen besonders: Zwei Beamte wurden bei ihrem Einsatz angegriffen, wie die Polizeipräfektur der Hauptstadt am Montag bestätigte. Präsident Emmanuel Macron verurteilte den Vorfall bei Twitter als "feige und kriminelle Lynchjustiz".

Er versicherte, dass die Schuldigen gefunden und bestraft würden. Der Fall spielte sich in Champigny-sur-Marne östlich von Paris ab, wo eine Gruppe auf die beiden Beamten losging. Ein Polizist erhielt einen Faustschlag ins Gesicht, dabei brach seine Nase. Seine zu Boden geworfene Kollegin wurde nach Angaben von Innenminister Gérard Collomb von mehreren Personen umringt, die sie traten und schlugen.

Französische Medien verwiesen auf Videobilder, die in sozialen Netzwerken kursierten und die brutale Szene zeigen sollen. Die Polizisten waren gerufen worden, weil mehrere Personen versucht hatten, sich Zugang zu einer großen Silvesterparty zu verschaffen.

Die verletzten Beamten wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Zeitung "Le Parisien" berichtete, dass die Polizei schließlich Tränengas eingesetzt habe. Zwei Menschen wurden festgenommen, nach Informationen der Zeitung "Le Monde" aus Polizeikreisen ist aber noch nicht klar, ob sie an dem Angriff beteiligt waren.

Auch in Deutschland kam es in der Nacht zu zahlreichen Angriffen auf Rettungskräfte. In Berlin etwa haben Unbekannte am Neujahrsmorgen Feuerwehrleute mit Schusswaffen bedroht. In Leipzig bewarfen Randalierer anrückende Polizisten mit Böllern und Steinen. (Mehr zu den Übergriffen lesen Sie hier.) Politiker aller Parteien äußerten sich empört über die Vorfälle.

Hunderte Autos in Frankreich angezündet

In der Nacht zu Montag wurden in Frankreich außerdem wieder Hunderte Autos angezündet - insgesamt gingen 1031 Fahrzeuge in Flammen auf, noch einmal mehr als im Vorjahr (935). Das Innenministerium verwies darauf, dass die Zahl der angezündeten Fahrzeuge in etwa auf dem Niveau der Jahre 2012 und 2013 liege. Das Anzünden von Autos in der Silvesternacht ist vor allem in manchen sozialen Problemvierteln und Vorstädten in Frankreich seit Jahren eine Art unrühmliches Ritual.

Landesweit waren in Frankreich 99.000 Polizisten und Soldaten zum Schutz der Silvesterpartys im Einsatz, auch vor dem Hintergrund der Terrorgefahr. Besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen galten auf den Champs-Élysées in Paris, wo mehrere Hunderttausend Menschen mit einem Feuerwerk am Triumphbogen ins neue Jahr feierten.

Insgesamt wurden nach Angaben des französischen Innenministeriums elf Polizisten und Gendarmen verletzt. 510 Menschen wurden vorläufig festgenommen, 349 davon kamen in Polizeigewahrsam.

mja/dpa



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