Wahl in Frankreich Macrons Sieg ist sicher. Sicher?

Platz eins in der ersten Runde, Unterstützung von den gemäßigten Parteien: Für Emmanuel Macron sieht es bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich gut aus - aber noch sind Fragen offen.

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Noch zwei Wochen. Solange muss sich Frankreich, muss sich Europa gedulden, bis klar ist, wer künftig in Paris regiert: Emmanuel Macron, der gemäßigte EU-Befürworter - oder Marine Le Pen, die radikale Nationalistin.

Es werden, da muss man kein Prophet sein, zwei harte Wochen bis zur Stichwahl am 7. Mai. Noch einmal Wahlkampf im wahrsten Sinne, das zugespitzte Duell zweier Politwelten: liberal gegen rechts.

Am Ende dürfte Macron siegen, darin sind sich die meisten Beobachter einig.

Der frühere Wirtschaftsminister ist der große Gewinner der ersten Abstimmungsrunde. 23,8 Prozent der Wähler votierten für ihn - Platz eins, klar vor der lange favorisierten Le Pen, die auf 21,5 Prozent kam.

Noch am Wahlabend versammelten sich die gescheiterten Vertreter der einstigen Volksparteien hinter Macron. François Fillon, der über eine Scheinbeschäftigungsaffäre gestolperte Republikaner, sagte: "Es gibt keine andere Wahl, als gegen die Rechtsextreme zu stimmen." Auch Benoît Hamon, Kandidat der tief gefallenen Sozialisten, rief seine Anhänger dazu auf, "den Front National so deutlich wie möglich zu schlagen". Dazu müsse in der Stichwahl für Macron gestimmt werden - "auch, wenn er nicht der Linken angehört".

Angesichts derart breiter Unterstützung müsste die Sache für Macron klar sein. Oder?

Ein Blick zurück zeigt: Die Geschichte spricht für Macron. Im Jahr 2002 schaffte es Jean-Marie Le Pen, der Vater von Marine Le Pen, überraschend in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl. Doch in der Stichwahl versammelten sich die Wähler hinter Amtsinhaber Jacques Chirac und wählten ihn mit mehr als 82 Prozent der Stimmen erneut.

Kann das auch dieses Mal klappen? Die Konstellation ist zwar ähnlich, doch Marine Le Pen hat den Front National in den vergangenen Jahren für mehr Franzosen wählbar gemacht. Ihre Siegchancen sind daher wohl deutlich höher, als die ihres Vaters es jemals waren.

Das sagen die Umfragen

In den Umfragen liegt Le Pen bisher trotzdem weit hinter Macron zurück. In einer noch am Wahlabend veröffentlichten Ipsos-Erhebung erklärten 62 Prozent derjenigen, die zur Wahl gehen wollen, für Macron zu stimmen - 38 Prozent bekannten sich zur Rechtspopulistin. Ähnliche Werte ermittelte am Sonntag auch das Harris-Institut. Die Zahlen entsprechen zudem denen anderer Meinungsforschungsinstitute der vergangenen Monate.

Die Umfragen sind damit deutlich klarer als zum Beispiel bei der US-Präsidentschaftswahl oder dem Brexit: Während bei diesen Wahlen beide Lager nur durch wenige Prozentpunkte getrennt waren, sind es in Frankreich nun rund 20.

Entscheidend dürften zwei Fragen sein:

  • Für wen stimmen die Wähler der anderen Kandidaten?
  • Wieviele der Macron- und Le-Pen-Wähler gehen in der zweiten Runde zur Wahl?

Auf Twitter geht bereits der Hashtag #SansMoiLe7Mai um, was so viel bedeutet wie: Der 7. Mai ohne mich - ein Bekenntnis künftiger Nichtwähler.

Die Wähler der anderen

Als Unsicherheitsfaktor gilt vor allem das Lager von Jean-Luc Mélenchon, der am Sonntag mit 19,6 Prozent das viertbeste Ergebnis holte - und am Sonntag keine Empfehlung für den zweiten Wahlgang abgab.

Mélenchon steht als Linksaußen auf den ersten Blick zwar am entgegengesetzten Ende des Politikspektrums von Le Pen - doch es gibt entscheidende Gemeinsamkeiten: Beide setzten im Wahlkampf auf populistische Töne, auf fundamentale Systemkritik und kämpften etwa für einen Austritt Frankreichs aus der EU.

Le Pen wird mit aller Macht versuchen, die Enttäuschten und Abgehängten im Mélenchon-Lager für sich zu gewinnen. Zwar gab in der jüngsten Ipsos-Erhebung eine Mehrheit der Wähler des Linkspolitikers an, am 7. Mai für Macron stimmen zu wollen. Doch knapp 30 Prozent sind noch unentschieden.

Und dann wären da noch jene 19,9 Prozent, die im ersten Wahlgang François Fillon ihre Stimme gegeben haben. Hier könnte Le Pen laut Ipsos auf einen größeren Teil der Wähler hoffen - den ersten Zahlen zufolge will jeder dritte Fillon-Wähler für Le Pen stimmen. Rund die Hälfte gab an, zu Macron wechseln zu wollen, jeder fünfte ist unentschieden.

Offene Fragen vor dem Finale

Und es gibt noch weitere Unsicherheiten:

  • Die Wähler entscheiden sich erst kurz vor der Wahl: Zwei Wochen sind eine lange Zeit. Viele Bürger dürften sich erst jetzt Gedanken machen, wen von den beiden Kandidaten sie wirklich wählen wollen. Am 3. Mai findet ein letztes TV-Duell zwischen Macron und Le Pen statt. Hier haben beide noch einmal die Möglichkeit, Unentschiedene auf ihre Seite zu ziehen.
  • Ein weiterer Anschlag: Die Umfrageergebnisse vor der Wahl decken sich gut mit dem tatsächlichen Wahlergebnis. Der Terroranschlag auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées am Donnerstag vor der Wahl scheint die Wähler also nicht nachhaltig in ihrer Entscheidung beeinflusst zu haben. Doch das muss nicht so bleiben. Ein unvorhergesehenes Ereignis - und die Reaktion beider Kandidaten darauf - könnte das Wahlergebnis durchaus beeinflussen.
  • Die Wähler gehen nicht hin: Umfrageergebnisse beziehen sich immer auf die "wahrscheinlichen Wähler" - also jene, die wohl zur Wahl gehen werden. Das vorherzusagen, ist aber schwierig. In den USA sind zum Beispiel im November deutlich mehr Weiße zur Wahl gegangen als viele Umfrageinstitute erwartet hatten.

Entscheidend ist nun, wie sich die Umfragen in den kommenden Wochen bis zum Wahltag entwickeln. Hält Macron sich flächendeckend über 60 Prozent, dürfte er die Stichwahl mit großer Sicherheit gewinnen. Nähern sich hingegen beide Kandidaten den 50 Prozent, dürfte es am 7. Mai noch einmal spannend werden.

insgesamt 38 Beiträge
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bigroyaleddi 24.04.2017
1. hätte, hätte - Fahrradkette
Vielleicht sollten wir alle mal warten, wie die entscheidende Wahl tatsächlich ausgeht. Alles andere ist doch vorerst nur Kaffeesatzleserei. Nicht das ich da was gegen hätte, aber irgendwie bin ich momentan die vielen Spekulationen leid.
joG 24.04.2017
2. Schlimm wird es erst....
.....bei der nächsten Wahl, wenn Macron jetzt gewinnt und nur schlecht Mehrheiten bekommt. Dann gibt es nur noch die Möglichkeit Le Pen. Wenn Macron aber erfolg hat und den Franzosen die ganzen Vergünstigungen weg nimmt, wird es schwerer. Dann gibt es entweder Le Pen oder den Kommunisten.
peeka(neu) 24.04.2017
3. Macron
muss nun die Ochsentour machen, um genau die Wählerschichten abzuholen, die sich von einer "Elite" nicht vertreten sehen. Er muss verdeutlichen, dass Frau Le Pen diejenige ist, die das Geld der Öffentlichkeit für ihr privat-politisches Vergnügen verschleudert hat. Es geht nun um die "klassischen" linken Wählerschichten, auch wenn diese lediglich in ideologischer Weise noch existieren. Der große Vorteil nach einer gewonnenen Wahl wäre aber der eindeutige Auftrag für Reformen. Diese werden vielen Franzosen weh tun, aber im Gegensatz zu Schröder wissen die Wählerinnen und Wähler was sie erwartet.
bummi66 24.04.2017
4. Die Angst zu Reformen
Macron will 120.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst abbauen . Und er will das Vermögen des Staates versilbern . Von Reformen ist er weit entfernt. Die Zeche werden die kleinen bezahlen . Das wird viele Stimmen kosten . Dazu die Nichtwähler noch und sein Sieg ist dahin . Die Frau Le-PEN hat es einfacher ihr Thema innere Sicherheit wird ziehen und ihre Wähler werden auch wieder zur Wahl gehen . Endergebnis wird ein knapper Sieg von Le-PEN sein .
hru 24.04.2017
5. Mussten die beiden Autoren
heute noch einen Artikel abgeben? Eigentlich steht ja nichts drin, außer dass jede einzelne Gruppe mit Mehrheit in Richtung Macron neigt (außer den Le Pen Wählern selbst). Oder sie wollen zu Hause bleiben, was ja auch keien Mehrheit für Le Pen schafft. Woraus ergibt sich dann die Unsicherheit? Und bei der ersten Runde waren die Vorhersagen ja auch sehr präzise, warum sollen sie jetzt plötzlich völlig daneben liegen? Die Antwort darauf steht leider nicht drin.
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