Wahlfarce in Frankreich: Fillon beansprucht Parteivorsitz der Konservativen

Der Machtkampf bei Frankreichs Konservativen geht in die nächste Runde: François Fillon fordert den Parteivorsitz der UMP für sich. Der Ex-Premier hat das Ergebnis der Urwahl angefochten. Es sollen drei französische Überseegebiete vergessen worden sein - eine spektakuläre Wende.

François Fillon: Er hat Beschwerde gegen das Wahlergebnis eingelegt Zur Großansicht
DPA

François Fillon: Er hat Beschwerde gegen das Wahlergebnis eingelegt

Frankreich - Eigentlich stand der Sieger der Urwahl der französischen UMP fest: Jean-François Copé hatte die Abstimmung um den Parteivorsitz hauchdünn gewonnen - doch nun wendet sich womöglich das Blatt. Denn sein Kontrahent François Fillon beansprucht das Amt für sich. Er will bei der Überprüfung der Wahlergebnisse einen folgenschweren Fehler entdeckt haben.

Demnach wurden die Ergebnisse aus drei Überseewahlkreisen Neukaledonien, Mayotte sowie Wallis/Futuna bei der Zusammenrechnung der Stimmen einfach vergessen. Rechne man diese hinzu, würde sich das Endresultat ändern: Dann nämlich, hätte er mit 26 Stimmen Vorsprung und nicht Copé die Wahl gewonnen, sagte Fillons Wahlkampfleiter Eric Ciotti. Der Ex-Premier legte Beschwerde gegen das offizielle Endergebnis der Urwahl ein. Der 58-Jährige zählt zur bürgerlichen Mitte der Partei.

Damit geht die Wahlfarce bei den Konservativen in die nächste Runde. Nach dem Urnengang am Sonntag hatten sich zunächst sowohl Copé als auch Fillon zum Sieger ausgerufen. Die interne Wahlkommission der Partei erklärte dann nach einer mehrstündigen Hängepartie am späten Montagabend, Copé habe mit einem hauchdünnem Vorsprung von 98 Stimmen gewonnen. Der erbittert ausgetragene Wahlkampf und das Chaos haben die UMP tief gespalten.

In einer ersten Reaktion forderte Copé, der vom rechten Parteiflügel unterstützt wird, den Einspruch abzuweisen. Er rief die Gegenseite aber auf, eine Beschwerdekommission anzurufen. Dabei machte er deutlich, dass sein Lager dann auch den bereits geäußerten Vorwurf des Wahlbetrugs in Fillon-Hochburgen wie Nizza kontrollieren lassen wolle: Die Anrufung der Beschwerdekommission "wird es erlauben, sich die Ergebnisse in Nizza näher anzusehen", sagte Copé.

Sein Rivale Fillon forderte, dass der frühere Regierungschef und UMP-Mitbegründer Alain Juppé nun vorübergehend die Parteiführung übernehmen solle, um einen Weg "aus der Sackgasse" zu finden. Fillon hob in einer Erklärung hervor: "Ich verlange die Wahrheit."

Copé wiederum rief das Fillon-Lager auf, "die Hand zu ergreifen, die ich ihnen entgegenstrecke". Es gehe um Zusammenarbeit und nicht darum, neue Spannungen zu schaffen.

heb/dpa/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Guter Vorschlag,
just_ice 21.11.2012
dass den Juppé (vorübergehend) machen zu lassen - am Besten für die nächsten vier Jahre. Gegen Hollande wird 2017 jeder, der antritt, gewinnen. Aber dann bitte nicht diese beiden Witzfiguren. Vielleicht gibt es ja noch ein Hintertürchen für Sarkozy, der sich gerade à la Steinbrück auf Vortragstour befindet und dann mit aufgefüllter Haushaltskasse ein im wahrsten Sinne des Wortes finanziell unabhängiger Kandidat wäre.
2. Platz für Neues
harti1978 21.11.2012
Zitat von sysopDPADer Machtkampf bei Frankreichs Konservativen geht in die nächste Runde: François Fillon fordert den Parteivorsitz der UMP für sich. Der Ex-Premier hat das Ergebnis der Urwahl angefochten. Es sollen drei französische Überseegebieten vergessen worden sein - eine spektakuläre Wende. http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-fran-ois-fillon-beansprucht-parteivorsitz-der-ump-a-868532.html
Das Ganze lässt hoffen. Vielleicht zerfällt die UMP ja. Dann dürfte die Front National bei der nächsten Wahl ordentlich Stimmen hinzugewinnen. Das wäre dann wohl die erste Anti-Europa-Partei in einem der größeren Länder Europas. Ich möchte Nazi-Keulen-Besitzer darum bitten, diese stecken zu lassen, denn auch Ihr müsst doch wohl zugeben: In einem Europa der Vaterländer wäre der Hass auf Geberländer und der Argwohn gegen Nehmerländer deutlich kleiner und Europa ein wenig schöner.
3. Le "calme" avant la vraie tempête?
sittingbull, 21.11.2012
Zitat von just_icedass den Juppé (vorübergehend) machen zu lassen - am Besten für die nächsten vier Jahre. Gegen Hollande wird 2017 jeder, der antritt, gewinnen. Aber dann bitte nicht diese beiden Witzfiguren. Vielleicht gibt es ja noch ein Hintertürchen für Sarkozy, der sich gerade à la Steinbrück auf Vortragstour befindet und dann mit aufgefüllter Haushaltskasse ein im wahrsten Sinne des Wortes finanziell unabhängiger Kandidat wäre.
Zu Hollande: Sie springen u.U. zu schnell und dadurch zu kurz! In 4,5 Jahren kann sich viel ereignen. Was Sarko betrifft, so vergessen Sie die kommenden juristischen Probleme dieses egomanischen ehemaligen Praesidenten. Da liegt vielleicht mehr Sprengstoff, als Sie ahnen! Die Farce der UMP koennte in eine weitreichende Katastrophe fuer F fuehren, denn gerade jetzt waere eine funktionierende - demokratische ! - Opposition besonders wichtig. Wenn die UMP implodiert, dann werden alle radikalen Splitterparteien gestaerkt. Ganz abgesehen von der FN, die immer unverbluemter auf soziale Konflikte setzt!
4. UMP Desaster
ariston666 21.11.2012
Die UMP soll sich doch zerfleischen um so besser .Die UMP und Sarkozy haben die derzeitige Krise in Frankreich zu verantworten den dieses neoliberal-reaktionäre Pack hat in ihrer Regierungsverantwortung dafür gesorgt das Frankreich und damit Hollande diese Missmanagment bewältigen muss. Die Rechtsradikalen unter Marine le Pen reiben sich jetzt schon die Hände und warten nur auf den Zusammenbruch der UMP.
5. Meiner Meinung nach
spon-1203191786232 21.11.2012
Zitat von sysopDPADer Machtkampf bei Frankreichs Konservativen geht in die nächste Runde: François Fillon fordert den Parteivorsitz der UMP für sich. Der Ex-Premier hat das Ergebnis der Urwahl angefochten. Es sollen drei französische Überseegebieten vergessen worden sein - eine spektakuläre Wende. http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-fran-ois-fillon-beansprucht-parteivorsitz-der-ump-a-868532.html
steht die UMP vor dem Zerfall. Eine Partei die eine interne Wahl nicht organisieren kann, will einen Staat organisieren? Es ist ein Trauerspiel was die Schwarzen in F veranstallten. Dies ist das worst scenario für die UMP, denn damit sind nun beide Kandidaten nicht legitimiert.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Frankreich
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
Fotostrecke
UMP: Die Krise der Konservativen

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 63,461 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

Mehr auf der Themenseite | Frankreich | Frankreich-Reiseseite