Frankreich Gelbwesten demonstrieren gegen Polizeigewalt

Zehntausende Gelbwesten sind in der nun zwölften Woche in Folge gegen Frankreichs Präsidenten Macron auf die Straße gegangen. Ihre Botschaft richtete sich diesmal vor allem an die Polizei.

Gelbwesten-Demonstranten in Marseille
DPA

Gelbwesten-Demonstranten in Marseille


An ihrem zwölften Protestwochenende haben erneut einige Zehntausend Gelbwesten in Paris und anderen französischen Städten demonstriert. Landesweit gingen nach Angaben des französischen Innenministeriums 58.600 Gelbwesten gegen Staatschef Emmanuel Macron auf die Straße und damit deutlich weniger als in den Vorwochen.

Diesmal prangerten sie insbesondere das gewalttätige Vorgehen der Polizei gegen die Demonstrierenden in den vergangenen Wochen an. Die Kritik der Demonstranten richtete sich vor allem gegen den Einsatz von Gummigeschossen, durch die viele Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. 13.800 Menschen beteiligten sich nach Zählung eines Marktforschungsinstituts am Samstag in Paris an einem "großen Marsch für die Verletzten".

Auf einem Spruchband forderten die Teilnehmer, den Einsatz von Gummigeschossen und Schockgranaten durch die Polizei bei Zusammenstößen am Rande der Gelbwesten-Proteste zu verbieten. Nach offiziellen Zahlen wurden bei den zum Teil gewaltsamen Protesten bislang rund 1700 Demonstranten und 1000 Polizisten verletzt. Innenminister Christophe Castaner verteidigte den Einsatz von Gummigeschossen als notwendigen Schutz der Sicherheitskräfte.

Der vergangene Woche während einer Demonstration schwer am Auge verletzte Gelbwesten-Anführer Jérôme Rodrigues wurde mit Applaus begrüßt, als er zu der Kundgebung erschien. Um ihre Solidarität mit Rodrigues und den mehr als 1900 Verletzten seit Beginn der Proteste im November zu verdeutlichen, hatten sich mehrere Teilnehmer einen Verband um ein Auge gelegt.

Die Polizeigewalt sei "inakzeptabel", sagte Antonio, der an der Organisation des Protestmarschs beteiligt war und selbst durch eine Blendgranate verletzt worden war. "Das sind Verletzungen, die verstümmeln, die Leben zerstören, obwohl wir Pazifisten sind", versicherte er.

In der Hauptstadt beteiligten sich nach Schätzungen von Polizei und Medien rund 10.000 Menschen an den Protesten. Die Polizei setzte erneut Tränengas gegen Demonstranten ein, die etwa Abfallkörbe in Brand gesetzt hatten. Im Vergleich zu vorherigen Wochenenden verliefen die verschiedenen Märsche weitgehend friedlich.

mal/AFP/Reuters

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