"Gelbwesten"-Demos in Frankreich 150 Festnahmen bei Schüler-Protesten

Tausende Jugendliche gehen in Frankreich auf die Straße. Dabei kommt es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Für Samstag rüsten sich die Sicherheitskräfte mit einem massivem Aufgebot.


Die Proteste in Frankreich breiten sich weiter aus: Längst geht es nicht mehr nur um höhere Benzinpreise. Auch tausende Gymnasiasten und Mittelschüler demonstrieren seit Anfang der Woche gegen härtere Auswahlkriterien an Hochschulen und Kürzungen beim Lehrpersonal.

An vielen Orten kam es dabei zu Gewalt: In Marseille und Bordeaux etwa zündeten Demonstranten Mülltonnen und Autos an und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Vor einem Gymnasium in Mantes-la-Jolie nordwestlich von Paris wurden nun 146 Menschen in Gewahrsam genommen, nachdem in der Nähe zwei Autos gebrannt hatten. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Schüler.

Bei den Schülerprotesten werden wie bei den "Gelbwesten"-Demonstrationen immer wieder Rufe nach einem Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron laut. Inzwischen haben sich viele Schüler auch inhaltlich den Forderungen der Aktivisten angeschlossen, etwa nach niedrigeren Lebenshaltungskosten.

Auslöser der "Gelbwesten"-Proteste war zunächst die Erhöhung der Benzinsteuer gewesen. Inzwischen ist die französische Regierung auf die Demonstranten zugegangen: Sie hat die geplante Anhebung der Ökosteuer auf Benzin und Diesel für das gesamte kommende Jahr ausgesetzt und angekündigt, über den Winter die Energiepreise stabil zu halten. Den Demonstranten gehen die Zugeständnisse aber nicht weit genug.

Frankreich mobilisiert 65.000 Ordnungskräfte

Für Samstag haben die "Gelbwesten" deshalb erneute Proteste angekündigt. Frankreich rüstet sich mit einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften: 65.000 Polizisten und andere Ordnungskräfte seien mobilisiert worden, teilte Premierminister Édouard Philippe im Senat mit.

Der Regierungschef rief die "Gelbwesten" erneut auf, auf eine Fahrt nach Paris zu verzichten, um nicht "in die Falle von Krawallmachern" zu geraten. Vergangenes Wochenende waren bei Ausschreitungen in der französischen Hauptstadt mehr als 260 Menschen verletzt worden, die Sachschäden gehen in die Millionenhöhe.

Eine Delegation der "Gelbwesten" forderte Macron auf, sie am Freitag zu empfangen. "Das Land ist am Rand eines Aufstands und eines Bürgerkriegs", warnte sie. Die Aktivisten verfolgen keine einheitliche Strategie im Umgang mit der Regierung: Moderate wollen verhandeln, werden aber immer wieder von radikalen Strömungen bedroht.

mfh/AFP/Reuters



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