Paris - "Es ist anscheinend harmlos", kommentierte der Senator der grünen Partei EELV, Jean-Vincent Placé, im Sender RTL die Verletzungen der Politikerin Eva Joly. Vorgesehen sei, dass Joly am Dienstag ihren Wahlkampf wieder aufnehme. Die Grünen-Kandidatin war am Sonntag gestürzt und hatte sich am Kopf verletzt. Die 68-Jährige wurde im Krankenhaus Cochin in der französischen Hauptstadt untersucht.
Sollte Joly ihre Aktivitäten nicht bald wieder aufnehmen können, würde dies schwere Konsequenzen für den französischen Wahlkampf haben: Laut Verfassung ist vorgesehen, dass die Wahlen verschoben werden, wenn ein Kandidat verhindert ist. Die erste Wahlrunde findet am 22. April statt.
Die einstige Untersuchungsrichterin Joly dringt im Wahlkampf seit Wochen mit ihren Themen nicht richtig durch, in den Umfragen liegt sie bei nur rund zwei Prozent. Die gebürtige Norwegerin, die 1954 nach Frankreich kam, war als Untersuchungsrichterin mit der Aufklärung wichtiger Finanz- und Politskandale in Frankreich betraut.
In den letzten Umfragen hatte der lange Zeit haushohe Favorit François Hollande weiter an Boden verloren. Nach einer repräsentativen Erhebung des Instituts LH2 büßte der Sozialist in den vergangenen vier Wochen 7,5 Prozentpunkte Vorsprung auf den um die Wiederwahl kämpfenden Staatschef Nicolas Sarkozy ein. In der ersten Abstimmungsrunde am 22. April würde Hollande demnach 28,5 Prozent der Stimmen holen und nur noch ganz knapp vor Sarkozy landen, der demnach auf 27,5 Prozent kommt.
Auch die Aussichten für den entscheidenden zweiten Wahlgang am 6. Mai trübten sich für Hollande ein. Sein Vorsprung auf den konservativen Sarkozy halbierte sich der Umfrage zufolge innerhalb von vier Wochen von 16 auf 8 Prozentpunkte. In anderen Befragungen lag Sarkozy in der ersten Runde bereits vorn.
Die große Überraschung der zurückliegenden Wahlkampfwochen bleibt der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon. Er kommt in der aktuellen LH2-Umfrage für den ersten Wahlgang auf 15 Prozent und überrundet damit erstmals die bislang drittplatzierte rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen (13,5 Prozent). Vor vier Wochen hatte Mélenchon nur bei 8,5 Prozent gelegen.
anr/AFP/dpa
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