Geheimdienst-Kooperation Frankreich widerspricht Türkei - offenbar keine Aufnahmen zu Khashoggi-Mord erhalten

Frankreichs Außenminister sagt, sein Land sei nicht im Besitz der Ton-Aufnahmen vom Mord des saudi-arabischen Journalisten Khashoggi. Zuvor hatte die Türkei genau das behauptet. Ein Widerspruch von vielen.

Jean-Yves Le Drian
AFP

Jean-Yves Le Drian


Widerspruch aus Paris: Am Samstag erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan öffentlich, sein Land habe Audioaufnahmen im Zusammenhang mit der Ermordung von Jamal Khashoggi an einige Länder weitergegeben, darunter auch Frankreich. Außenminister Jean-Yves Le Drian hat davon indes keine Kenntnis.

Sein Land sei nicht im Besitz der Aufnahmen, sagte er in einem Interview mit "France 2". Auf die Frage, ob das bedeute, Erdogan habe gelogen, sagte Le Drian, es bedeute, der türkische Präsident müsse unter den gegenwärtigen Umständen ein politisches Spiel spielen. Was er damit meinte, ist unklar. Möglich ist, dass er auf den undurchsichtigen Machtkampf zwischen Ankara und Riad anspielte, der im Fall Khashoggis eine Rolle spielt. Ankara kritisierte Le Drian für seine Äußerungen.

Am Wochenende hatte Erdogan erstmals die Existenz von Tonaufnahmen der Ermordung Khashoggis bestätigt.

"Sie haben die Gespräche gehört. Sie wissen Bescheid"

Sein Land habe diese Aufnahmen Deutschland, den USA, Frankreich, Saudi-Arabien und Großbritannien zur Verfügung gestellt, sagte Erdogan. "Sie haben die Gespräche gehört, die hier stattfanden. Sie wissen Bescheid."

Der im Exil lebende saudi-arabische Regierungskritiker Khashoggi wurde Anfang Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht, wo er Dokumente für seine Hochzeit abholen wollte.

Unter immensem internationalen Druck auf Saudi-Arabien gab die autokratische Regierung den Tod des "Washington Post"-Kolumnisten zu. Riad beschuldigte aber hochrangige Regierungsmitarbeiter der Tat, die nicht auf Befehl von Kronprinz oder König gehandelt hätten. Diese Version wurde international als wenig glaubwürdig angezweifelt.

Trudeau bestätigt Existenz der Audiodatei

Deutschland hat sich mit der Türkei über den Tod Khashoggis ausgetauscht. "Ich kann Ihnen sagen, dass es da einen nachrichtendienstlichen Austausch gegeben hat", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Details wollte er allerdings nicht nennen. "Wie bei allen Fragen der operativen Tätigkeit der Nachrichtendienste geben wir dazu in der Öffentlichkeit keine Auskunft", sagte er.

Mehr Auskunft gab Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Er erklärte, kanadische Geheimdienstmitarbeiter hätten die Aufnahme angehört. Damit bestätigte Trudeau die Existenz der Audiodatei.

dop/Reuters/AP/AFP



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