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Hollandes Kampfansage an den IS: Frankreich an die Front

Von , Paris

"Charles de Gaulle": Frankreich lässt die Muskeln spielen Fotos
AFP

Nach den Pariser Anschlägen bläst Frankreich zum Kampf gegen den IS: Präsident Hollande schickt den Flugzeugträger "Charles de Gaulle" in den Persischen Golf - und wird zum wichtigsten Partner der USA.

Schon die Wahl des Ortes war ein politisches Statement: François Hollande zeigte sich auf dem Flugzeugträger "Charles de Gaulle" - dem Flaggschiff der französischen Marine. Das Schiff liegt derzeit noch am Marinestützpunkt Toulon-Hyères. Der Präsident jedoch besichtigte die Brücke und inspizierte das Flugdeck, während der Träger vor der Küste kreuzte. Dann hielt er seine traditionelle Neujahrsansprache an die Streitkräfte.

Dabei kündigte er an, das Schiff zum "operativen Einsatz" zu schicken - Richtung Indischer Ozean und Persischer Golf. Das Kriegsschiff könne sich an dem von den USA geführten Einsatz gegen die radikalislamische Miliz "Islamischer Staat" (IS) beteiligen, wenn das nötig sei. Eine Woche nach den Attentaten von Paris präsentierte sich Hollande in der Rolle des Oberbefehlshabers einer Nation im Kriegszustand.

"Der Einsatz der 'Charles de Gaulle' ist sinnvoll, sie ist ein Symbol unserer Stärke - politisch, militärisch, diplomatisch", so der Präsident vor rund tausend Mann im Hangar des Schiffes. Er versprach, den Abbau der Streitkräfte zu stoppen - und pries Mut und Teamgeist der Soldaten.

Der alternde Flugzeugträger könnte für Einsätze der Operation "Chammal" ("Nordwestwind") genutzt werden. Mit der "Charles de Gaulle" wäre Frankeich in der Lage, die Luftschläge der internationalen Koalition gegen die Stützpunkte des "Islamischen Staats" (IS) zu intensivieren. Tags zuvor hatte bereits Premier Manuel Valls vor dem Parlament "außergewöhnliche Maßnahmen" gegen die "weiterhin bestehende Gefahr" angekündigt.

Flagge zeigen beim Kampf gegen IS

Das Engagement unterstreicht die Entschlossenheit der Regierung, auf die "Attacken im Innern" militärisch zu reagieren: Zum einen würden im Inland beim "Krieg gegen Terroristen, Dschihadisten und radikale Islamisten" rund 10.000 Soldaten mobilisiert. Zum anderen will Hollande mit dem Einsatz des Flugzeugträgers im Aufmarschgebiet der Terrorvereinigung IS "mit mehr Nachdruck und Effizienz" als bisher Flagge zeigen.

"Wir müssen handeln, um den IS und den Terrorismus zu schwächen", hatte der Ministerpräsident vor den Abgeordneten die Verlängerung des laufenden Kampfmandats begründet. Zwar sei während der ersten vier Monate der Mission der Vormarsch der Islamisten gestoppt worden. "Die Operation ist aber nicht zu Ende", so Valls. "Wir müssen dort handeln, um uns hier zu schützen."

Immerhin kämpfen derzeit 400 Franzosen auf Seiten der Dschihadisten, allein seit September vergangenen Jahres schlossen sich 124 Männer und Frauen dem IS an. 65 sind bereits gestorben. Viele taten sich in Videos als besonders brutale Mörder hervor und forderten im Namen des IS Attentate auf ihre französische Heimat. "Angesichts dieser Gefahr müssen wir handeln", so Valls.

Frankreich rückt zum wichtigsten Partner der USA auf

Auch mit mehr Militär. Bislang verfügen Frankreichs Streitkräfte vor Ort über 15 Kampfjets: Neun "Rafale" sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten stationiert, dazu ein Versorgungsflieger vom Typ C135 sowie je ein Aufklärungsflugzeug vom Typ E-3F "Awacs" und "Atlantique 2". Dieses Kontingent wurde im Dezember durch die Verlegung von sechs "Mirage"-Bombern nach Jordanien verstärkt. Doch die Entfernung zum Zielgebiet gestattet nur wenig Flexibilität und erfordert die Betankung in der Luft.

Verglichen mit der US-Streitmacht ist das französische Arsenal noch immer bescheiden, und die Bilanz entsprechend mager: Bei rund 300 Einsätzen und 37 Luftangriffen wurden Infrastruktur, Kommandoposten und Fahrzeuge getroffen. "Die Kraft der Terroristen wurde damit geschwächt", so Premier Valls. Aber er räumt ein: "Die Terrororganisation hat im Kern ihr militärisches Potenzial erhalten können."

Daher nun der Einsatz der "Charles de Gaulle": Der atomgetriebene Flugzeugträger, der mehrere Wochen autonom agieren kann, ist in der Regel mit zwei Dutzend Flugzeugen bestückt. In der Anti-IS-Koalition von 60 Staaten rückt Paris damit zum wichtigsten Partner der USA auf.

"Frankreich vertraut euch", gab Hollande den aufbruchsbereiten Soldaten mit auf den Weg. "Wir werden unsere Verantwortung übernehmen. Unser Einsatz wird langwierig sein. Aber wenn wir gegen den Terrorismus im Irak kämpfen, sichern wir auch unser Land."

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insgesamt 94 Beiträge
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1. Verständlich
Liberalitärer 14.01.2015
Aber ob auch klug? Noch ist ja eben nicht klar, ob nicht Al Quida im Jemen verantwortlich war. (Hollande mögen da nachrichtendienstliche Erkenntnisse vorliegen). In erster Linie ist es aber wohl ein Versuch, dien "Feind" psychologisch außerhalb der französischen Grenzen zu verorten. Militärisch ergibt ein zusätzlicher Träger im Golf wohl wenig Sinn.
2. Was ist richtig?
guzzlerZ80 14.01.2015
Ich bin ganz hin- und hergerissen. Auf der einen Seite, ja man muss Härte zeigen eine andere Sprache verstehen die Islamisten nicht. Anderseits hat man gesehen wohin das führt, so eine Vergeltung zu starten - zu nichts, im Gegenteil noch mehr Hass wurde gesät. Eigentlich haben Sie sich gar nicht wegen Luftangriffen auf die IS gerächt (das kommt jetzt von der al-qaida, wie ich registrieren konnte), sondern wegen Blasphemie in ihren Augen.
3. Vorsicht..
omop 14.01.2015
Europa wäre gut beraten, nicht die gleichen Fehler wie die USA nach 9/11 zu machen. Im Nahen Osten hat Europa nichts zu suchen. Stattdessen sollte man in Europa konsequent gegen die religiösen Fanatiker vorgehen.
4. Is?
mione 14.01.2015
Ich dachte al-Qaida hatte sich bekannt?
5. Zeichen der Zeit nicht erkannt
eule_neu 14.01.2015
Hollande macht wieder Schnellschüsse am eigentlichen Problem vorbei. Frankreich hat soziale Probleme in den Banlieus und in der Integration von Religionen. Das Eine sind die Aktionen gegen die bestehenden Extremisten des IS, aber viel wichtiger ist die Lösung der Ursachen, warum junge Franzosen sich den Hasspredigern und Rattenfängern zuwenden. Aber da dieses längere, intensive und teure Maßnahmen erfordert, schiebt man lieber die Zusammenarbeit mit den USA vor, um das Volk zu befriedigen. Nun ja, die jungen Leute aus den sozial schwachen Gegenden werden weiterhin Idioten nachlaufen und die Bürger Frankreichs müssen weiter Angst vor Anschlägen haben. Wer nur die Wirkungen bekämpft und die Ursachen außer Acht lässt, darf sich nicht wundern, wenn alles aus dem Ruder läuft. Armes Frankreich ....
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Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Manuel Valls

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