Paris/Algier - Es könnte ein erster Schritt zur Verbesserung der französisch-algerischen Beziehungen sein. Als erster Präsident Frankreichs hat François Hollande in aller Deutlichkeit die Grausamkeit der Pariser Kolonialherrschaft über Algerien eingestanden.
Er verurteilte die französische Kolonialzeit als "zutiefst ungerecht und brutal". Bei seinem Staatsbesuch in Algier sagte Hollande am Donnerstag vor den beiden Kammern des algerischen Parlaments: "Ich erkenne hier die Leiden an, die die Kolonialisierung dem algerischen Volk zugefügt hat."
Eine Entschuldigung für französische Verbrechen sprach der Sozialist aber erneut nicht aus. Dabei wird genau dieser symbolische Akt von Regierungsvertretern und Parteien in Algerien gefordert.
Algerien hatte im Juli 1962 nach 132 Jahren unter französischer Kolonialherrschaft seine Unabhängigkeit erklärt. Vorausgegangen war ein achtjähriger Krieg gegen die französische Kolonialmacht mit Hunderttausenden Toten. Das Verhältnis beider Länder gilt bis heute als schwierig.
Bessere Zusammenarbeit zwischen den Ländern
Hollande, der seinen Staatsbesuch am Mittwoch begonnen hatte, hatte aber schon zum Auftakt der Reise deutlich gemacht, dass er in Algerien weder eine Entschuldigung noch Reue wegen der Kolonialzeit zum Ausdruck bringen werde. Er forderte stattdessen die "Bereitschaft, uns nicht von der Vergangenheit blockieren zu lassen, sondern an der Zukunft zu arbeiten".
Auch vor den beiden Parlamentskammern brachte er seinen Wunsch zum Ausdruck, "ein neues Kapitel" in den französisch-algerischen Beziehungen aufzuschlagen. Grundlage dafür müsse es sein, die "Wahrheit" auszusprechen. Dazu gehöre die Anerkennung von "Ungerechtigkeiten", "Massakern" und "Folter".
Der französische Präsident kündigte zugleich an, dass er sich für Visa-Erleichterungen für algerische Studenten, Unternehmer, Künstler und Familienangehörige einsetzen werde. Zugleich regte er eine Art Studentenaustausch-System für die Mittelmeer-Nachbarn nach dem europäischen Erasmus-Modell an.
Hollande, der von einer großen Delegation mit Ministern und Unternehmern begleitet wurde, war am Mittwoch vom algerischen Staatschef Abdelaziz Bouteflika empfangen worden. Während des zweitägigen Besuchs wurden mehrere Abkommen geschlossen. So wird der französische Autobauer Renault ein Montagewerk in Westalgerien bauen.
jok/AFP/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema François Hollande | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH