Frankreich Gegner der Homo-Ehe bedrohen Parlamentschef

In Frankreich werden die Gegner der Homo-Ehe immer radikaler. Der Vorsitzende der Nationalversammlung hat jetzt einen mit Schießpulver gefüllten Brief erhalten, versehen mit der Drohung: "Ihr wolltet den Krieg, nun habt ihr ihn." Die Zustimmung des Parlaments zu dem Gesetz wird das nicht aufhalten.

Frauen protestieren in Paris gegen die Homo-Ehe: Zustimmung gilt dennoch als sicher
DPA

Frauen protestieren in Paris gegen die Homo-Ehe: Zustimmung gilt dennoch als sicher


Paris - Kurz vor der letzten Abstimmung über das Gesetz zur Einführung der Homo-Ehe in Frankreich hat der Vorsitzende der Nationalversammlung, Claude Bartolone, einen mit Schießpulver gefüllten Drohbrief erhalten. In dem Schreiben wird nach Angaben von Mitarbeitern Bartolones gefordert, das für Dienstag angesetzte Votum sofort abzusagen. "Unsere Methoden sind radikaler und flinker als die Demonstrationen. Ihr wolltet den Krieg, nun habt ihr ihn", droht eine Gruppe mit dem Namen "Interaktion der Ordnungskräfte".

Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Zuvor waren bereits zwei sozialistische Abgeordnete aus Westfrankreich massiv bedroht worden.

Das umstrittene Gesetz der sozialistischen Regierung soll schwulen und lesbischen Paaren die Heirat und die Adoption von Kindern erlauben. Konservative Kritiker versuchen seit Monaten, das Vorhaben aufzuhalten. Erst am Sonntag beteiligten sich in Paris wieder 45.000 bis 270.000 Menschen an einer Großdemonstration gegen das Vorhaben. Am Dienstag wollen die Demonstranten in Paris und weiteren französischen Städten erneut auf die Straße gehen.

Mit der Zustimmung des Senats hatte das Gesetz zur Homo-Ehe bereits am 12. April die letzte große Hürde genommen. Die nach der zweiten Lesung in der Nationalversammlung notwendige Abstimmung an diesem Dienstag gilt als reine Formsache: Das Regierungslager hat dort eine eigene Mehrheit.

Selbst die Wortführerin der Gegner, Frigide Barjot, musste einräumen: "Das Gesetz wird verabschiedet werden, daran haben wir keinen Zweifel." Unterstützt wird ihre Bewegung vor allem von der konservativen Oppositionspartei UMP und der katholischen Kirche, teils ist auch die rechtsextreme Partei Front National dabei. Nach der Verabschiedung des Gesetzentwurfs in der Nationalversammlung will die UMP umgehend Beschwerde beim Verfassungsrat gegen die Reform einlegen.

ade/dpa/AFP



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Seite 1
publizzard 22.04.2013
1. ich frage mich
Ich frage mich, welches ist schädlicher und gefährlicher für die Gesellschaft. Ein homosexuelles Paar, welches bei einer Adoption das Kind auch bewusst will(!) (im Gegensatz zu manch anderen heterosexuellen Paaren) oder solche radikalen Spinner. Traurig, alle die dabei sind, insbesondere die katholische Kirche.
nojoe 22.04.2013
2. bedrohung?
Es handelt sich wohl eher um eine symbolische Ergänzung des Begriffs 'Krieg'.
roastbeef 22.04.2013
3. optional
Die haben nichts zu tun. Welches Problem haben die??
schwencky 22.04.2013
4. Frankreich quo vadis?
Einem Land, das ich persönlich für eines der aufgeklärtesten Länder gehalten habe, dabei zusehen zu müssen, dass ein doch merklicher Teil der Bevölkerung es für legitim zu halten scheint, dass Menschen lediglich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung unterschiedlich zu behandeln seien, stimmt mich extrem traurig. Ich hoffe und bin auch nach wie vor der Überzeugung, dass die große Mehrzahl der Franzosen es für selbstverständlich hält, dass Menschen unabhängig ihrer sexuellen Orientierung die selben Rechte zu stehen.
Patanjali 22.04.2013
5. Man sieht, die Religioten und die...
Zitat von sysopDPAIn Frankreich werden die Gegner der Homo-Ehe immer radikaler. Der Vorsitzende der Nationalversammlung hat jetzt einen mit Schießpulver gefüllten Brief erhalten, versehen mit der Drohung: "Ihr wolltet den Krieg, nun habt ihr ihn." Die Zustimmung des Parlaments zu dem Gesetz wird das nicht aufhalten. Frankreich: Homo-Ehe-Gegner schicken Parlamentschef Schießpulver-Brief - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-homo-ehe-gegner-schicken-parlamentschef-schiesspulver-brief-a-895809.html)
Rassisten bedrohen die freiheitlichen und demokratischen Grundordnungen. Bei solchen Fragen sieht man immer sehr schön, was von Ihrer Nächstenliebe zu halten ist.
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