Frankreich Hunderttausende protestieren gegen Sarkozys Rentenpläne

Es war der dritte Massenprotest binnen vier Wochen: In Paris, Lille, Toulouse und anderen Städten haben Hunderttausende gegen die Rentenpläne von Präsident Nicolas Sarkozy demonstriert. "Die Unterstützung für uns wird immer größer", frohlockt ein Gewerkschafter.

Protest von Stahlarbeitern in Marseille: Rentenalter soll auf 62 steigen
AP

Protest von Stahlarbeitern in Marseille: Rentenalter soll auf 62 steigen


Paris - Die Demonstranten zogen mit Fahnen und Transparenten durch Paris, Marseille, Lille, Toulouse und andere Städte. Nach Angaben der Gewerkschaft CFDT gingen landesweit 2,9 Millionen Menschen auf die Straße. Die Polizei sprach von knapp 900.000 Teilnehmern. In Clermont-Ferrand beteiligten sich Beschäftigte des Reifenherstellers Michelin an den Protesten, wie der Fernsehsender TF1 berichtete. CFDT-Chef Francois Chereque sagte dem Fernsehsender i-tele : "Die Unterstützung für uns wird immer größer, was zeigt, dass die Regierung ihre letzte Chance ergreifen muss, eine wirkliche und gerechte Rentenreform anzubieten."

Sarkozys Kabinett will das Rentenalter von 60 auf 62 Jahre heraufsetzen. Aufgerufen zu den Protesten hatten die Gewerkschaften, die Sozialistische und die Kommunistische Partei sowie andere Organisationen wie Attac. Allein in Paris beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaften 310.000 Menschen, laut Polizei waren es 63.000 Teilnehmer. Michelle Notte, die mit ihrem neun Jahre alten Enkel gekommen war, sagte, sie demonstriere wegen ihrer Kinder und Enkelkinder.

Im Ruhestand sei es ein Vergnügen, sich um andere zu kümmern, sagte die 68-Jährige. Unter den Demonstranten waren auch etliche Schüler und Studenten. Frankreich werde zu einem Land, in dem jeder für sich selbst sorgen müsse, sagte der 18-jährige Thomas Roller: "Das wollen wir nicht." Fast jeder vierte Franzose unter 25 ist arbeitslos, die Arbeitslosenquote insgesamt liegt bei rund zehn Prozent. Für den 12. Oktober sind Streiks gegen die Rentenpläne geplant. Die Nationalversammlung hat sie bereits abgesegnet, die zweite Kammer des Parlaments, der Senat, will am Dienstag darüber diskutieren.

Streik führt zu Diesel-Knappheit auf Korsika

Das Vorhaben der Regierung wird von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Auch die Popularitätswerte von Präsident Sarkozy sind im Keller. Mitte der neunziger Jahre waren ähnliche Pläne bereits an Protesten gescheitert und hatten zum Sturz der Regierung geführt. Seitdem hatte keine Regierung mehr eine größere Rentenreform angefasst.

Ein Streik der Hafenarbeiter blockierte am Samstag unterdessen den Ölhafen von Fos bei Marseille. 39 Schiffe warteten auf See auf eine Anlegemöglichkeit. Der Streik führte zu einer Diesel-Knappheit auf Korsika. In den meisten Tankstellen dort ist der Kraftstoff aufgebraucht, vor allem in Städten wie Ajaccio und Bastia. Der Regierungs-Präfekt von Korsika hat nun ein Schiff mit Diesel auf der italienischen Nachbarinsel Sardinien bestellt, das aber erst am Mittwoch eintreffen soll. Der Streik richtet sich gegen die Reform der Häfen. Bereits am Freitag hatte es auch Streiks in anderen französischen Häfen gegeben.

Harald Schultz, dapd

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Monsieur Rainer 03.10.2010
1. Die letzten Zuckungen der Priviligierten
Um was geht es eigentlich? Als François Mitterand im Jahre 1981 mit Hilfe der Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten und noch einigen Spinnern der extremen Linken an die Macht kam, begann er mit der Verstaatlichung der Schlüsselindustrie. Dies war ein Rückfall in stalinistische Zeiten und für Frankreich ruinös. Die Arbeitslosenzahlen schwollen ins unermessliche an. Ganz Frankreich ging auf die Strasse und wollte die Sozialisten vom Hof jagen. Den sozialistischen Heilsbringern fiel nichts besseres in ihrer Verzweiflung ein, als hunderttausende von Arbeitslosen zu verbeamten oder wenigstens in den öffentlichen Dienst zu übernehmen, um sie von den Strassen zu holen. Sie wurden mit Feudalrenten, der 35 Stunden-Woche, Dienstwohnungen und allerlei Privilegien ausgestattet. 37% mehr Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst waren das Ergebnis. Seither mühen sich alle gaullistische Regierungen, diesen Wahnsinn zu beenden. Hunderttausende von Beamten wurden gefeuert. 7000 Dienstwohnungen verkauft. Das Renteneintrittsalter wurde vom europäischen SPitzensatz von 59.3 Jahren auf moderate 62 Jahre angehoben. Die Mehrheit der Franzosen, vertreten durch ihre Parlamentarier machten diesem kommunistischen Spuk nun ein Ende. Kommende Woche wird der Senat das Gesetz ebenfalls durchwinken. Die Funktionäre und die Gewerkschaftler bäumen sich noch einmal gegen das Unvermeidliche auf. Nun ist Schluss mit lustig!
Europa! 03.10.2010
2. Sinnlose Proteste
Frankreich hat mehr Kinder als Deutschland. Wir sollten prüfen, ob man da etwas lernen kann. Aber gegen eine Erhöhung des Rentenalters zu demonstrieren ist sinnlos. Die Menschen werden heutzutage nun einmal älter, und das ist gut so. Einheitliche Regelungen für ganz Europa sind dringend nötig, und die werden sicher nicht niedriger liegen als heute.
airmail 03.10.2010
3. Beamte und
Zitat von Monsieur RainerUm was geht es eigentlich? Als François Mitterand im Jahre 1981 mit Hilfe der Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten und noch einigen Spinnern der extremen Linken an die Macht kam, begann er mit der Verstaatlichung der Schlüsselindustrie. Dies war ein Rückfall in stalinistische Zeiten und für Frankreich ruinös. Die Arbeitslosenzahlen schwollen ins unermessliche an. Ganz Frankreich ging auf die Strasse und wollte die Sozialisten vom Hof jagen. Den sozialistischen Heilsbringern fiel nichts besseres in ihrer Verzweiflung ein, als hunderttausende von Arbeitslosen zu verbeamten oder wenigstens in den öffentlichen Dienst zu übernehmen, um sie von den Strassen zu holen. Sie wurden mit Feudalrenten, der 35 Stunden-Woche, Dienstwohnungen und allerlei Privilegien ausgestattet. 37% mehr Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst waren das Ergebnis. Seither mühen sich alle gaullistische Regierungen, diesen Wahnsinn zu beenden. Hunderttausende von Beamten wurden gefeuert. 7000 Dienstwohnungen verkauft. Das Renteneintrittsalter wurde vom europäischen SPitzensatz von 59.3 Jahren auf moderate 62 Jahre angehoben. Die Mehrheit der Franzosen, vertreten durch ihre Parlamentarier machten diesem kommunistischen Spuk nun ein Ende. Kommende Woche wird der Senat das Gesetz ebenfalls durchwinken. Die Funktionäre und die Gewerkschaftler bäumen sich noch einmal gegen das Unvermeidliche auf. Nun ist Schluss mit lustig!
Angestellte im öffentliche Diest, Dienstwagen und andere "Vergünstigungen" gibt es in jedem Land.Ich nehmen an dass Sie kein Bauarbeiter sind sonst wüden Sie vielleicht anders reden.Möchte mal sehen wie sie mit 61 Jahren Pflastersteine klopfen. Wenn man auf der einen Seite den Reichen einen schönen Scheck vom Finanzamt zuteilt, und der Mittelklasse und der Arbeiterschicht die letzten Kröten aus der Tasche zieht stimmt etwas nicht. Aber anscheinend bevorzugen Sie die aktuelle Regierung die aus Aristokraten und arroganten Mitgliedern besteht. Die Wahlen 2012 sind nicht weit
seine-et-marnais 04.10.2010
4. Wiederholungstaeter
Zitat von Monsieur RainerUm was geht es eigentlich? Als François Mitterand im Jahre 1981 mit Hilfe der Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten und noch einigen Spinnern der extremen Linken an die Macht kam, begann er mit der Verstaatlichung der Schlüsselindustrie. Dies war ein Rückfall in stalinistische Zeiten und für Frankreich ruinös. Die Arbeitslosenzahlen schwollen ins unermessliche an. Ganz Frankreich ging auf die Strasse und wollte die Sozialisten vom Hof jagen. Den sozialistischen Heilsbringern fiel nichts besseres in ihrer Verzweiflung ein, als hunderttausende von Arbeitslosen zu verbeamten oder wenigstens in den öffentlichen Dienst zu übernehmen, um sie von den Strassen zu holen. Sie wurden mit Feudalrenten, der 35 Stunden-Woche, Dienstwohnungen und allerlei Privilegien ausgestattet. 37% mehr Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst waren das Ergebnis. Seither mühen sich alle gaullistische Regierungen, diesen Wahnsinn zu beenden. Hunderttausende von Beamten wurden gefeuert. 7000 Dienstwohnungen verkauft. Das Renteneintrittsalter wurde vom europäischen SPitzensatz von 59.3 Jahren auf moderate 62 Jahre angehoben. Die Mehrheit der Franzosen, vertreten durch ihre Parlamentarier machten diesem kommunistischen Spuk nun ein Ende. Kommende Woche wird der Senat das Gesetz ebenfalls durchwinken. Die Funktionäre und die Gewerkschaftler bäumen sich noch einmal gegen das Unvermeidliche auf. Nun ist Schluss mit lustig!
Das copier / coller klappt fantastisch, nur die Koeche haben Sie diesmal vergessen. Ich bin weder Beamter noch Gewerkschafter, nur demonstriert habe ich am Samstag auch. Wie koennen Sie diese Regierung fuer gaullistisch halten, ich glaube eher der gute Charles dreht sich in seinem Grab in Colombey. Wie man in Deutschland dem "Rheinischen Kapitalismus" den Garaus gemacht hat, so moechte Sarko dem Gaullimus engueltig den Garaus machen. Richtig Schluss mit lustig ist aber wenn bei dieser Missachtung der Egalité der Buerger der Le Péntainismus die Oberhand gewinnt und diesmal ist es 100% fait maison.
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