Terror in Frankreich Enthauptetes Opfer soll Chef des Verdächtigen gewesen sein

Die Identität des Opfers bei dem Anschlag auf eine Gasfabrik in Ostfrankreich scheint geklärt: Laut Ermittlern handelt es sich um einen Geschäftsmann aus der Region - und den Vorgesetzten des Täters.

Ermittler nahe der Fundstelle der Leiche: Neue Details veröffentlicht
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Ermittler nahe der Fundstelle der Leiche: Neue Details veröffentlicht


Noch immer rätseln die Ermittler, wie genau sich die Attacke auf die Gasfabrik im ostfranzösischen Saint-Quentin-Fallavier abgespielt hat. Nun gibt es aus Fahnderkreisen eine neue Theorie. Demnach handelte es sich bei dem getöteten Mann um den Chef des Täters.

Die aktuelle Version geht so: Das spätere Opfer sei zusammen mit dem Attentäter zu der Fabrik gefahren. Offenbar wollten sie dort eine Lieferung abgeben. Bevor sie allerdings ihr Ziel erreichten, soll der Angreifer seinen Arbeitgeber ermordet haben. Danach sei er auf das Gelände der Gasfirma gefahren und habe eine Explosion ausgelöst.

Welche Rolle dabei der festgenommene zweite Haupttäter gespielt haben soll, geht aus dieser Rekonstruktion jedoch nicht hervor.

Zuletzt hatten französische Offizielle bestätigt, dass es sich bei dem Getöteten um einen "örtlichen Geschäftsmann" gehandelt habe. Man gehe nicht davon aus, dass die Explosion auf dem Gelände die Todesursache gewesen sei.

AP/dpa
Polizisten hatten den enthaupteten Körper und einen Kopf, mit arabischen Aufschriften versehen, an einem Zaun entdeckt. Neben ihm sei eine islamistische Fahne gefunden worden.

Bisher wurden nach der Attacke zwei Hauptverdächtige festgenommen. Der Fahrer konnte bereits auf dem Gelände und kurz nach der Attacke gestellt werden. Er habe Verbindungen zu salafistischen Organisationen, berichtete Innenminister Bernard Cazeneuve. Den Geheimdiensten war der Verdächtige in der Vergangenheit wegen einer islamistischen "Radikalisierung" bekannt. 2006 sei er auf eine Liste der Sicherheitsbehörden gesetzt, 2008 aber wieder aus dem Register gestrichen worden. Vorstrafen habe der 35-Jährige keine.

Den zweiten Mann konnten die Sicherheitskräfte in seiner Wohnung in Saint-Quentin-Fallavier festnehmen. Neben den beiden Tatverdächtigen wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AP noch weitere Menschen in Untersuchungshaft genommen. Unter ihnen befindet sich auch die Frau eines der Täter.

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Mann enthauptet: Anschlag erschüttert Frankreich
Der Bereich rund um die Fabrik wurde weiträumig abgesperrt. Die Anlage gehört dem US-Industriegasekonzern Air Products, wie eine Sprecherin des Unternehmens Air Liquide aus derselben Branche sagte. Welchen Hintergrund die Auswahl dieses Angriffsziel hat, blieb zunächst unklar. Air-Products-Chef Seifi Ghasemi stammt aus Iran. Das überwiegend schiitische Land ist ein erklärter Gegner der Extremistenorganisation "Islamischen Staat" (IS), die von sunnitischen Strömungen dominiert wird.

Präsident François Hollande kündigte an, für ein Krisentreffen am Nachmittag nach Paris zurückzukehren.


jok/AP/dpa/Reuters

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