Töchter im Parlament angestellt Französischer Innenminister tritt zurück

Der französische Innenminister Le Roux hat seinen Rücktritt eingereicht. Gegen den Vertrauten von Präsident Hollande laufen Vorermittlungen, weil er seine Töchter möglicherweise illegal beschäftigt hat.

Innenminister Bruno Le Roux
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Innenminister Bruno Le Roux


Der französische Innenminister Bruno Le Roux tritt zurück. Er habe bei Staatschef François Hollande seinen Rücktritt eingereicht, sagte der Sozialist.

Die französische Finanz-Staatsanwaltschaft hatte Vorermittlungen gegen Le Roux eingeleitet. Der Minister hatte einem Fernsehsender bestätigt, als Abgeordneter seine beiden Töchter zeitweise als parlamentarische Mitarbeiterinnen beschäftigt zu haben. Seiner Ansicht nach war das legal. Die Verträge seiner Töchter hätten "natürlich alle der wirklich geleisteten Arbeit" entsprochen.

Allerdings überschneiden sich die Arbeitstermine zum Teil mit Praktikums- und Schulzeiten der beiden jungen Frauen, was auf eine illegale Scheinbeschäftigung hinweisen könnte. Le Roux gilt als Vertrauter des scheidenden Staatschefs François Hollande und ist erst seit Dezember 2016 im Kabinett.

Deutsch-Franzose soll Nachfolger werden

Die Beschäftigung von Familienmitgliedern als parlamentarische Mitarbeiter ist in Frankreich grundsätzlich legal, wenn diese tatsächlich auch dort arbeiten. Die Praxis ist im Zusammenhang mit dem Fall des konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon verstärkt in die Kritik geraten. Dieser hatte jahrelang seine Frau auf Parlamentskosten beschäftigt - wegen des Verdachts einer Scheinbeschäftigung ermittelt nun die Justiz.

Staatschef François Hollande nahm den Rücktritt des 51-Jährigen an und ernannte den deutsch-französische Politiker Matthias Fekl zum Nachfolger. Das teilte der Elysée-Palast mit. Fekl war bisher Staatssekretär im Außenministerium in Paris.

Laut dem Fernsehsender TMC geht es in der Affäre um Einnahmen von rund 55.000 Euro. Die Töchter hätten zwischen 2009 und 2016 als minderjährige Schülerinnen und später als Studentinnen mit befristeten Verträgen im Sommer oder während der Schulferien für ihn gearbeitet. Der Innenminister selbst sagte dem Sender, es handele sich um einfache "Sommerjobs", alle Vorschriften seien eingehalten worden. Einen Vergleich mit der Affäre um den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon wies der 51-Jährige zurück.

sep/dpa/AFP

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