Frankreich Republikaner wählen Hardliner Wauquiez zum Parteichef

Frankreichs Republikaner rücken weiter nach rechts: Die konservative Oppositionspartei hat Laurent Wauquiez klar zum neuen Parteichef gewählt. Der jubelt: "Die Rechte ist zurück."

Laurent Wauquiez
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Laurent Wauquiez


Frankreichs Republikaner haben einen neuen Parteichef: Laurent Wauquiez setzte sich am Sonntag bereits im ersten Wahlgang deutlich gegen zwei Mitbewerber durch. Der 42-Jährige erhielt 74,64 Prozent der Stimmen. Seine Mitbewerberin Florence Portelli, die im Wahlkampf Sprecherin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon war, kam auf 16,11 Prozent. Der 36-jährige Maël de Calan vom gemäßigten Flügel der Partei erhielt 9,25 Prozent der Stimmen.

Insgesamt waren mehr als 230.000 Mitglieder der größten Oppositionspartei im Land aufgerufen, über die Nachfolge von Nicolas Sarkozy abzustimmen. Die elektronische Abstimmung endete um 20 Uhr, die Beteiligung lag bei knapp 100.000 Stimmen.

"Die Rechte ist zurück", sagte Wauquiez am Sonntagabend vor seinen Anhängern in Paris. Nun werde "eine neue Ära" beginnen: "Wir werden alles neu erfinden, alles umbauen." (Mehr zu seinen Plänen lesen Sie hier.)

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Laurent Wauquiez: Hoffnungsträger der Konservativen

Der frühere Hochschul- und Wissenschaftsminister gehört dem rechten Parteiflügel an und wird von Ex-Präsident und Ex-Parteichef Sarkozy unterstützt. Wauquiez wirbt für eine klare Abgrenzung der Konservativen von dem sozialliberalen Präsidenten Emmanuel Macron. Wegen seiner Positionen - zum Beispiel bei Sicherheit und Einwanderung - wird ihm teilweise vorgeworfen, mit Ideen der Rechtspopulistin Marine Le Pen zu liebäugeln. Ein Bündnis mit ihrer Partei Front National hat Wauquiez aber klar ausgeschlossen.

Die Republikaner sind mit 100 Abgeordneten die größte Oppositionsgruppe im französischen Parlament. Allerdings ist die Partei gespalten: Ein Teil unterstützt die Wirtschafts- und Europapolitik Macrons, der andere Teil versammelt sich nun hinter Wauquiez.

aar/AFP/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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melnibone 11.12.2017
1. Schwachsinn.
Marine lächelt nur. Die Konservativen in Frankreich sind am Boden. Macron entzaubert sich selbst von Monat zu Monat.
pascht 11.12.2017
2. Die "rechte" ist zurück?
Offenbar haben die Franzosen ein anderes Sprachverständnis als Deutsche, oder Deutsche haben ein etwas hysterisch Verhältnis zur ihrem Wortschatz. Allerdings scheint, daß auch in Frankreich wie Deutschland, in der Politik nicht existierende Inhalte durch leere Schlagworte ersetzt werden mit steigender Hysterie, "links", "linksextrem", "ultralinks", oder "rechts", "rechtsextrem", "ultrarechts". Nur müssten die Menschen eher mehr miteinander reden anstatt aneinander vorbei zu reden und sich mit Schlagworten zu beschimpfen.
St.Baphomet 11.12.2017
3. Schön,
nun macht Wauwau einen auf Konkurrenz zu Marine aus dem Hause Le Pen. Noch ne rechte Partei in Frankreich. Kann nur schiefgehen, denn da ist nur Platz für eine. Ich kann nur hoffen, gilt auch für Deutschland, dass die linken Parteien mal wieder mehr Hirn entwickeln und sich wieder um ihre Stammwähler und deren Probleme kümmern, sonst ist Europa erledigt. Es gibt schon zu viele Orbans und Kaczyńskis.
seine-et-marnais 11.12.2017
4. Mal halblang
Frankreichs Republikaner 'rücken nicht nach rechts'. Das was sich als 'rechtes Zentrum' bezeichnet befindet sich zwischenzeitlich bei Macron oder überlegt, wie 'Juppé' wie man gemeinsam marschieren könnte, oder hält sich aus wahltaktischen Gründen, Pécresse in der Ile-de-France, Bertrand in den Hauts-de-France oder Estrosi in PACA, zurück um ihre Mehrheit in den Regionen auf 'Vereinbarungen' mit LREM bauend zu halten. Macron hat den zentralistischen, christdemokratischen, liberalen, europäischen Flügel von LR pulverisiert, zerstört, jetzt bleibt nur der konservative, gaullistische, etatistische Flügel bei LR übrig. Das ist kein Rechtsruck, sondern nur die bei LR die eben nicht sang- und klanglos sich Macrons Ein-Mann-entscheidet für die Bewegung-nämlich-ich anschliessen wollten, eben diese Übriggebliebenen haben gewählt. Und jetzt kommt die entscheidende Frage, was ist demokratischer eine Partei LR die wählt, oder ein Macron der allein in seiner Bewegung bestimmt.
matty-b 11.12.2017
5. Das Versagen der Konservativen in Europa hat ein neues Gesicht
Die Konservativen in Europa tun seit einiger Zeit nicht mehr, was ihrer Aufgabe im politischen Spektrum entspräche: eine Vorstellung entwickeln, welche tradierten Werte (und welche eben auch nicht) dazu geeignet sind, in einer sich rasant verändernden Welt Sicherheit und Kontinuität herzustellen; ältere und jüngere gesellschaftlichen Entwicklungen analysieren und daraus die Lehren für die Zukunft ziehen; Vorschläge machen, was die Gemeinschaft im Inneren zusammenhalten soll; etc. In Frankreich manifestiert sich dieses Versagen der Konservativen in der Wahl eines Mannes, der keinerlei Antworten auf anstehende und zukünftige Probleme hat. Der stattdessen den bisherigen Privilegierten ihr simples Heil darin verspricht, dass die Uhren zurückgedreht werden, dass frühere Ungleichheiten wieder hergestellt oder noch bestehende zementiert werden. Der allen Ernstes die Probleme der EU dadurch lösen möchte, dass er sie wieder auf den 6-Länder-Stand von 1973 zurückstutzen würde; der zur Migrations- und Integrationsproblematik nichts zu sagen weiß, außer dass er den Islam pauschal für inkompatibel mit der Idee der Republik erklärt; der für Familien, Kinder und Jugendliche nichts anzubieten hat und diesen darum die Nullnummer unterzujubeln versucht, sie hätten ja schon alles gewonnen, was sie brauchen, wenn man nur die Ehe für alle und das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wieder abschaffen würde. Diese Wahl ist ein Offenbarungseid.
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