Verdacht auf Mord: Frankreich ermittelt zu Arafats Tod

Acht Jahre nach dem Tod Jassir Arafats ermittelt Frankreichs Justiz wegen Mordverdachts. Zuvor hatten Proben aus den persönlichen Gegenständen des Ex-Palästinenserpräsidenten hohe Konzentrationen an hochgiftigem Polonium-210 gezeigt.

Ex-Palästinenserführer Arafat (Archivbild aus d. Jahr 1995): Spekulationen über Vergiftung Zur Großansicht
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Ex-Palästinenserführer Arafat (Archivbild aus d. Jahr 1995): Spekulationen über Vergiftung

Paris - Die französische Justiz hat acht Jahre nach dem Tod von Palästinenserpräsident Jassir Arafat Ermittlungen wegen Mordverdachts eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre bei Paris reagierte damit am Dienstag auf eine Ende Juli eingereichte Anzeige von Arafats Witwe Suha gegen unbekannt, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Suha Arafat vermutet, dass ihr Mann mit Polonium vergiftet wurde.

Ein oder mehrere Untersuchungsrichter werden nun auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nanterre in dem Fall ermitteln, sie sollen in Kürze ernannt werden. Die genaue Ursache von Arafats Tod ist bis heute unklar. Arafat war im Herbst 2004 in seinem Hauptquartier in Ramallah erkrankt. Da sich sein Zustand schnell verschlechterte, wurde er in ein Militärkrankenhaus im Süden von Paris gebracht, wo er am 11. November 2004 starb. Die Palästinenser verdächtigen Israel seit Jahren, Arafat ermordet zu haben, was Israel zurückweist.

Anfang Juli berichtete der arabische Fernsehsender al-Dschasira unter Berufung auf einen Schweizer Experten, Proben aus den persönlichen Sachen Arafats, die nach seinem Tod an seine Witwe übergeben worden waren, hätten eine erhebliche Konzentration des radioaktiven und hochgiftigen Stoffs Polonium-210 aufgewiesen. Polonium war 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litwinenko in London zu ermorden.

Das Institut erklärte, eine abschließende Beurteilung der Todesursache sei aber nur durch eine Untersuchung der sterblichen Überreste Arafats möglich. Der Leichnam liegt in Ramallah begraben. Arafats Witwe Suha kündigte in dem Beitrag al-Dschasiras an, sie werde die Exhumierung des Palästinenserführers beantragen. Sie sagte weiter: "Es war kein natürlicher Tod, es war ein Verbrechen."

Vergangenen Freitag gab das Schweizer Institut für Radiophysik am Universitätsklinikum von Lausanne bekannt, Experten der Klinik würden ins Westjordanland reisen, um Arafats dort bestatteten Leichnam zu obduzieren und nach Anzeichen für eine mögliche Polonium-Vergiftung zu suchen.

fab/AFP/dpa

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