Zoff in der Sarkozy-Partei UMP: Krieg der Köpfe

Von , Paris

Wer darf als Nachfolger von Nicolas Sarkozy bei der UMP antreten? 2017 wird der nächste Präsident gewählt, den Termin haben alle fest im Blick - sofern ihre Partei bis dahin nicht auseinanderfliegt.

Frankreichs UMP: Machtkampf um die Sarkozy-Nachfolge Fotos
AFP

Die Bürger liegen am Strand oder urlauben in den Bergen, man verfolgt die Tour de France und wartet auf besseres Wetter. Nach dem Nationalfeiertag geht auch die Politik mit der Debatte über den Nachtragshaushalt 2012 in die Schlussrunde vor der Sommerpause. Mangels fertiger Gesetzestexte müssen die Parlamentarier wahrscheinlicht nicht einmal zur angekündigten Sondersitzung in Paris bleiben: Mitte Juli - Frankreich schaltet auf Urlaubssaison.

Ganz Frankreich? Nein, eine kleine Gruppe von Oppositionsführern befindet sich schon wieder im Wahlkampf. Wochen nachdem die konservative UMP ("Union für eine Volksbewegung") im Abgeordnetenhaus des Palais Bourbon dezimiert wurde, ringen die Promis der entmachteten Regierungspartei um Posten und Positionen: Vorbei die vollmundigen Bekenntnisse zu Solidarität und Einheit, vergessen die markigen Aufrufe, die sozialistischen Wahlversprechen durch einhellige Kritik zu demaskieren.

Stattdessen drängeln die UMP-Spitzen während der politischen Sommerflaute um die Pole-Position für die im November anstehende Wahl des Parteichefs und erheben dabei bereits unverhohlen ihre Ambitionen für die nächste Präsidentenwahl - 2017.

Längst ist der Wettbewerb zum chaotischen Schlagabtausch eskaliert, bei dem die Top-Kandidaten ihre Gefolgsleute in Stellungen bringen. Ganz vorn ins Feld der Anwärter mit Hoffnung auf den künftigen Parteivorsitz manövrieren sich Ex-Premier François Fillon und der amtierende UMP-Generalsekretär Jean-François Copé. "Die Rivalität", kommentierte das Sonntagsblatt "Le Journal du Dimanche", "hat die UMP in ein Schlachtfeld verwandelt."

Die Einheit der Partei ist in Gefahr

Der Konkurrenzkampf droht gar die Einheit von Frankreichs zweitstärkster Partei in Gefahr zu bringen: Der Zusammenschluss aus Gaullisten, Liberalen, Zentristen und Konservativen wurde 2002 gegründet als Sammlungsbewegung für die Kandidatur von Jacques Chirac und von Nicolas Sarkozy zur funktionierenden Präsidenten-Wahlmaschine perfektioniert. Angesichts der Niederlage droht sich die Formation entlang der ehemaligen Gruppierungen auseinanderzudividieren. Ein Teil der Zentristen ist bereits auf Distanz zur UMP gegangen, firmiert im Parlament als eigene Fraktion, und der Krieg der Köpfe teilt den Rest der Partei in bitter verfeindete Lager.

Dabei hat sich bislang nur der frühere Ministerpräsident Fillon als Kandidat für den Parteivorsitz erklärt, über den im Herbst die UMP-Mitglieder entscheiden werden. Der Ex-Premier und Abgeordnete in einem wohlhabenden Pariser Wahlkreis startete als Erster: Der begeisterte Hobby-Rennfahrer zählt zu den populärsten Politikern der UMP, nach fünf Jahren an der Spitze der Regierung bescheinigen ihm seine Parteifreunde Umsicht und Erfahrung.

"Wir haben das Glück, über François Fillon zu verfügen, der bereits die Statur besitzt, eine bemerkenswerte Reform-Bilanz, Erfahrung in Zeiten der Krise - und der zudem über das Vertrauen der Parteimitglieder verfügt. Nutzen wir das!", erklärte Valérie Pécresse, die sich mit der Lobesarie im "Figaro" bereits als Fillon-Fan outete. Und gegen UMP-Boss Jean-François Copé gerichtet, fügte die frühere Budgetministerin hinzu: "Fünf Jahre sind eine ziemlich kurze Zeit, um sich eine Legitimität als Staatsmann zu verschaffen."

Die Gegenattacke kam umgehend. "Politik nach alter Art, das ist vorbei", wetterte Rachida Dati. Und dann feuerte die ehemalige Justizministerin in einem Meinungsbeitrag für "Le Monde" wider Fillon. "Die UMP darf nicht zur Partei alter Notabeln werden, die nicht den Mut haben, die Volksschichten dort zu erobern, wo sie sich befinden". Ein Seitenhieb auf den Ex-Premier, der sich in einem vornehmen Wahlkreis von Paris zum Abgeordneten wählen ließ, während Copé als Bürgermeister im sozial schwierigen Meaux amtiert.

"Ich mache da nicht mit"

Der Generalsekretär selbst hält sich derweil mit offener Kritik zurück. "Ich mache da nicht mit", meinte er, "ich bin nicht in derselben Lage wie andere, die bereits im Modus der Vorkampagne sind", gab Copé zu Protokoll, angesprochen auf seine Ambitionen als künftiger Chef der Partei. "Diejenigen, die die Kampagne eröffnet haben, müssen hinnehmen, dass eine interne Wahl keine Nominierung ist. Es wird notwendigerweise mehrere Kandidaten geben und das ist kein Drama."

Der Chef der Partei, derzeit auf Tournee in den Machtzentren der UMP, spielt auf Zeit, denn er hat einen entscheidenden Heimvorteil: Jean-François Copé, "JFC" für seine Freunde, verfügt in der Organisation über den Rückhalt der wichtigsten Regionalfürsten und zudem über Mittel, um seine Seilschaft und die Basis von 264.000 Mitgliedern zielbewusst für den Wettbewerb um die Parteiführung und die Präsidentschaftskandidatur vorzubereiten.

Der Zweikampf hat endgültig die Idee eines Duos "Fillon-Copé" beendet, das 2017 von den Sozialisten die Macht zurückzuerobern sollte. Beerdigt ist auch die Vorstellung von einer kollegialen Führungstroika unter Einschluss von Alain Juppé. Der Außenminister von Sarkozy und ehemalige Premier, der auch als Abgeordneter nicht mehr antrat und nur noch als Bürgermeister von Bordeaux firmiert, rügt, dass die personellen Querelen die inhaltliche Debatte der Partei in den Hintergrund gedrängt habe.

Angesichts der Tatsache, dass der rechtsextreme Front national Ziele und Werte der UMP besetzt habe, wäre eine programmatische Neuorientierung angesagt. "Gerade mit Blick auf die Kommunal- und Regionalwahlen ist diese Diskussion nötig", sagt Juppé am Montag im Radiointerview. Und beklagt: "Stattdessen geht es nur um das Duell der Champions."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
LeToubib 17.07.2012
Bei der Lifeuebertragung der diesjaehrigen 14.-Juli-Parade in Paris hiess es, der wahrscheinlichste Nachfolger von Nicolas Sarkozy als naechster UMP-Praesidentsschaftskandidat wuerde wahrscheinlich ... Nicolas Sarkozy ...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Frankreich
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 63,461 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

Mehr auf der Themenseite | Frankreich | Frankreich-Reiseseite


Fotostrecke
Frankreich: Pomp und Probleme