TV-Duell in Frankreich Le Pen und Macron liefern sich harten Schlagabtausch

Sie verbreite "Lügen", er sei "ferngesteuert": Beim letzten TV-Duell vor der Stichwahl in Frankreich überschütteten sich die Präsidentschaftskandidaten Macron und Le Pen mit Vorwürfen - und wurden persönlich.

Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron
REUTERS

Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron


Wenige Tage vor der entscheidenden Stichwahl in Frankreich sind die Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen für ein letztes TV-Duell gemeinsam vor die Kamera getreten. Dabei lieferten sie sich heftige Wortgefechte und machten ihrem jeweiligen Rivalen teils schwere persönliche Vorwürfe.

Rechtpopulistin Le Pen attackierte den sozialliberalen Ex-Wirtschaftsminister sofort scharf und bezeichnete ihn als Kandidaten der "wilden Globalisierung". "Herr Macron ist der Kandidat der wilden Globalisierung, der Uberisierung, der Prekarität, der sozialen Brutalität, des Krieges aller gegen alle, der wirtschaftlichen Plünderung", sagte Le Pen zu Beginn der Fernsehdebatte.

Zugleich machte die Front-National-Kandidatin den früheren Wirtschaftsminister für die magere Bilanz des sozialistischen Staatschefs François Hollande verantwortlich und sagte, der Präsident würde Macron "fernsteuern".

"Geist der Niederlage"

Der Pro-Europäer Macron hielt von Anfang an dagegen: Le Pen verkörpere den "Geist der Niederlage" und erkläre den Franzosen, dass die Globalisierung und Europa zu "hart" für Frankreich seien. Außerdem warf er seiner Gegnerin vor, die "echte Erbin" der "Partei der extremen Rechten Frankreichs" zu sein. Le Pen bemüht sich seit Jahren, ihrer Front National eine gemäßigtere Außendarstellung zu verschaffen.

Macron bezichtigte Le Pen sie mehrmals während der Fernsehdebatte, "Lügen" und "Unsinn" zu verbreiten. Weiter warf er seiner Konkurrentin vor, die französische Gesellschaft zu spalten und Menschen wegen ihrer Religion und Herkunft zu verunglimpfen.

Macron tritt unabhängig von den traditionellen Parteien an und hatte den ersten Wahlgang am 23. April mit 24 Prozent gewonnen, Front-National-Chefin Le Pen kam auf 21,3 Prozent. Aktuelle Umfragen sehen den sozialliberalen Reformpolitiker mit rund 60 Prozent deutlich vor der EU-Gegnerin Le Pen, die demnach auf 40 Prozent käme.

Die Stichwahl am Sonntag gilt als Schicksalsabstimmung für Europa, weil Le Pen ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs anstrebt und im Euro-Land Frankreich wieder eine nationale Währung einführen will. Das von den Sendern France 2 und TF1 übertragene TV-Duell war das einzige direkte Aufeinandertreffen der beiden Finalisten.

asc/dpa/AFP



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