Frankreich Neue Krawalle in Pariser Vorstädten

Kurz vor dem Jahrestag der Krawalle gibt es in zwei Pariser Vorstädten erneut Randale. Maskierte zündeten einen Bus an, Autos wurden mit Steinen beworfen. In mehreren Banlieues ist der Nachtbusverkehr eingestellt worden.


Paris - Eine Gruppe von mehr als zehn teils vermummten Angreifern überfiel nach Angaben der Polizei gestern Abend den Bus der Linie 258 in der westlichen Pariser Vorstadt Nanterre. Sie zwangen die Fahrgäste, den Bus zu verlassen und setzten das Fahrzeug dann in Brand.

Ausgebrannter Bus in Nanterre: Erneut Krawalle in den Vorstädten
AP

Ausgebrannter Bus in Nanterre: Erneut Krawalle in den Vorstädten

Die Flammen hätten sich schnell ausgebreitet, teilten die Behörden des Départements Hauts-de-Seine mit. Zwei Feuerwagen eilten zu dem Brandort, konnten aber nicht mehr verhindern, dass der Bus völlig zerstört wurde.

Auch in Grigny im Département Essonne südwestlich von Paris, wo am Sonntag ein Bus in Brand gesteckt worden war, registrierte die Polizei Zwischenfälle. Etwa 50 Personen hätten vorbeifahrende Autos mit Steinen beworfen. Mehrere Jugendliche hätten versucht, einen Autobus zu attackieren, der aber von Sicherheitskräften geschützt werden konnte.

Im Département Essonne werden nach Angaben der Verkehrsgesellschaft aus Sicherheitsgründen gefährdete Gebiete nach Einbruch der Dunkelheit vorerst nicht mehr von Linienbussen angefahren. Diese Bereiche würden umfahren.

Ende Oktober vergangenen Jahres hatten wochenlange Krawalle begonnen, bei denen in 300 Städten 10.300 Fahrzeuge sowie 300 Schulen, Bibliotheken und andere Öffentliche Gebäude in Flammen aufgegangen waren.

Auslöser war am 27. Oktober 2005 in Clichy-sous-Bois der Tod von zwei Jugendlichen auf der Flucht vor der Polizei. Wegen der kritischen Atmosphäre wird eine Wiederholung der gewaltsamen Proteste gegen die staatliche Ordnung für möglich gehalten. In "sensiblen Bereichen" der Vorstädte Essonne, Grigny, Evry und Corbeil-Essonnes wurden am Mittwochabend Bereitschaftspolizisten stationiert, wie die Präfektur von Essone mitteilte.

als/AP/dpa



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