Urwahl bei Frankreichs Konservativen Überraschungssieger Fillon, Überraschungsverlierer Sarkozy

Wer wird Präsidentschaftskandidat der französischen Konservativen? François Fillon hat die erste Runde der Urwahl gewonnen. Während Ex-Präsident Sarkozy als Verlierer abtritt, verspricht Fillon weitreichende Reformen.

Von , Paris


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Meinungsforscher hatten ihn unterschätzt, die Medien vernachlässigt - Frankreichs Bürger kürten ihn zum Sieger: François Fillon ist bei der ersten Runde der Vorwahlen der Republikaner (LR) überraschend eindeutig an seinen Konkurrenten vorbeigezogen. Der Ex-Premier kam auf etwa 44 Prozent der Stimmen. Der lange als Favorit gehandelte Alain Juppé erzielte etwas mehr als 28 Prozent. Mehr als sieben Prozentpunkte dahinter lag Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

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Präsidentschaftswahl 2017: Kampf der Republikaner

"Ich sage allen Franzosen, dass wir zusammen für Frankreich die entscheidende Wende durchsetzen werden", sagte Fillon nach seinem Sieg und würdigte das Rekordengagement von Frankreichs Bürgern: Fast vier Millionen hatten bei der ersten Urwahl der Republikaner abgestimmt. Es ist diese außerordentliche Wahlbeteiligung, die Fillon an die Spitze von Frankreichs wichtigster Oppositionspartei katapultierte - und die das politische Gleichgewicht innerhalb des konservativen Lagers langfristig verschieben könnte.

Francois Fillon (Mitte)
REUTERS

Francois Fillon (Mitte)

Französische Medien beschrieben den Aufstieg des ehemaligen Ministerpräsidenten am Sonntagabend als "historische Wende", die linke Tageszeitung "Libération" schrieb vom "Wunder Fillon". Der Kandidat selbst, begeisterter Amateur-Motorsportler, sagte: "Es ist wie bei den Autorennen in Le Mans: Am Ende zählt, wer als Erster die Ziellinie überquert."

Lange fuhr Fillon dem Pulk der LR-Prominenz hinterher, noch im August lag er mit knapp 15 Prozent an vierter Stelle des siebenköpfigen Kandidatenfeldes. Erst allmählich, auch dank seines Auftretens während der drei TV-Debatten, konnte sich der Abgeordnete aus dem Schatten seiner Konkurrenten lösen. Erst in den vergangenen Tagen schloss Fillon dann zu Juppé und Sarkozy auf. Aus dem bisherigen Zweikampf sei ein "Duell zu dritt" geworden, schrieb "Journal de Dimanche".

Fillon überzeugte vor allem dank seiner Persönlichkeit. Seine Vorschläge zur Wirtschaftspolitik sind weitreichender als die Reformen Juppés, fast verspricht er eine Rosskur à la Margaret Thatcher. Und ideologisch steht er genauso rechts wie Sarkozy.

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Präsidentschaftswahl 2017: Kampf der Republikaner

Doch Fillon erscheint dabei solide und kohärent: Der Mann aus dem ländlichen Departement Sarthe verbindet einen bodenständigen Konservativismus mit einem Bekenntnis für Modernität. Reserviert, wo Sarkozy aggressiv ist; emphatisch, wo Juppé Kälte verbreitet. Fillon wirkt beherrscht, fast cool. Das Magazin "Marianne" charakterisiert ihn als "Gaullisten, gelassen, aber wenig geschwätzig".

Während sich seine Konkurrenten bei ihrem erbitterten Zweikampf gegenseitig mit Spitzen, Vorwürfen und Kritik überzogen, hielt sich Fillon zurück. Obwohl er schon seit 40 Jahren im politischen Betrieb ist - als Bürgermeister, Abgeordneter, Minister und Ex-Premier - gelang es ihm dennoch, sich zugleich als erfahrener Staatsmann und als Newcomer zu profilieren.

Juppé will weiterkämpfen

Am kommenden Sonntag findet die Stichwahl zwischen Fillon und Juppé statt. Der kündigte an, den Kampf fortzusetzen, es stehe nun "Projekt gegen Projekt", sagte Juppé. "Ich will Frankreich versammeln, ich will glaubhafte Reformen, Vollbeschäftigung und Autorität wiederherstellen, für alle Franzosen."

Mit einem Seitenhieb auf Fillon, den ehemaligen Ministerpräsidenten Sarkozys, fügte er hinzu: "Ich will moderne Reformen, statt die Nostalgie für die Vergangenheit zu kultivieren." Es habe an diesem Wochenende eine Überraschung gegeben, "sehen wir zu, dass es am kommenden Sonntag eine weitere gibt".

Nicolas Sarkozy
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Nicolas Sarkozy

Sarkozy verabschiedet sich

Dann werden die Wähler über die endgültige Nominierung des konservativen Spitzenkandidaten entscheiden. Fillon gilt als Favorit, gab sich aber vor der Stichwahl versöhnlich, beinahe schon präsidial. "Die Niederlage darf niemanden demütigen", sagte er in Richtung seiner ausgeschiedenen Kollegen und fand "einen besonderen Gedanken für Nicolas Sarkozy".

Der frühere Staatschef, mit 20,7 Prozent deutlich abgeschlagen, gestand am frühen Sonntagabend seine Niederlage ein. "Die Zeit der Bruderkriege ist vorbei", sagte Sarkozy mit Blick auf seine Parteikollegen - und stellte sich hinter seinen ehemaligen Premier: "Sein Projekt passt am besten zu den Herausforderungen Frankreichs, deshalb werde ich beim zweiten Durchgang für François Fillon stimmen."

Er werde den Sieger der Stichwahl unterstützen, sagte Sarkozy. "Ich habe keine Bitterkeit", er wolle nur das Beste für Frankreich. Seine Wähler rief er auf, "niemals den Weg der Extreme zu wählen" - eine klare Warnung vor dem Front National.

Er selbst werde sich künftig mehr seinen privaten Leidenschaften widmen, als seinen politischen, sagte Sarkozy. Seine kurze Ansprache vor seinen Anhängern schloss er mit einem Statement, das klang wie ein Adieu an die Nation: "Alles Gute für Frankreich."


Zusammengefasst: Wer für die französischen Konservativen ins Rennen um das Präsidentenamt geht, wird am kommenden Sonntag bei einer Stichwahl zwischen François Fillon und Alain Juppé entschieden - die beiden holten bei der ersten Runde der Vorwahlen die meisten Stimmen. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy kam überraschend nur auf den dritten Platz. Er kündigte daraufhin seinen Rückzug aus der Politik an.

insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
K:F 21.11.2016
1. Fillon gewinnt!
Spiegel online zeigt aber ausschließlich Bilder von Sarko? Sarko ist aber der Verlierer. Wer ist Fillon? Der Sieger.
Dr.Krümelmonster 21.11.2016
2. Rosskur?
"Seine Vorschläge zur Wirtschaftspolitik sind weitreichender als die Reformen Juppés, fast verspricht er eine Rosskur à la Margaret Thatcher. Und ideologisch steht er genauso rechts wie Sarkozy." Erfolgsmodell Thatcher. Damit auch unsere direkten Nachbarn nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Stark!
omanolika 21.11.2016
3. Bitte kein Reinfall...
Fillon ist scheinbar ein wahrer Genuss, denn er verbindet bodenständigen Konservativismus, mit so nem Bekenntnis für Modernität, und ihm ist fern jedwede Aggressivität, denn er ist emphatisch und reserviert, also wird es echt Zeit, dass er regiert... Wenn all dies stimmt, hoff ich er bleibt "beherrscht, fast cool", und erklimmt auf seine ganz besondere Art den Präsidialstuhl, denn mündet seine Kandidatur am Ende halt in einem Reinfall, wäre das höchstwahrscheinlich wegen dem Erfolg vom Front National.
e.pudles 21.11.2016
4. Adieu Monsieur Bling Bling
Überraschungssieger ja. Überraschungsverlierer nein. Sarkozy ist schon ein mal gescheitert, Wiederwahl zum Präsidenten, und erklärte danach, seine politische Karriere zu beenden. Schon damals glaubte diesem nach Macht und Einfluss besessenen Mann niemand. Und dieses mal machte er den gleichen Fehler wie vor 5 Jahren, er wollte so viele Stimmen wie möglich aus dem Ultra Rechten Lager von M. Le Pen holen. Und da sagen sich die Franzosen richtigerweise: wieso soll ich eine Kopie wählen, wenn ich das Original haben kann. Es ist nun nur zu hoffen, dass bei der wichtigen Wahl die Franzosen wieder ihre Vernunft sprechen lassen und den Kandidaten, welchen auch immer, der Republikaner und M. Le Pen wählen.
marinero7 21.11.2016
5. Déjà-vu
"Meinungsforscher hatten ihn unterschätzt, die Medien vernachlässigt - Frankreichs Bürger kürten ihn zum Sieger: François Fillon ist bei der ersten Runde der Vorwahlen der Republikaner (LR) überraschend eindeutig an seinen Konkurrenten vorbeigezogen." Komisch, kommt mir irgend wie bekannt vor. War da nicht vor kurzem ein ähnlicher Vorgang?
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