Parlamentswahl in Frankreich 2017 Ergebnisse im Überblick


Ergebnisse der Wahlbündnisse
Stimmenanteile im ersten Wahlgang
SPIEGEL ONLINE

1. Wahlgang, 11. Juni 2017:

Jeweils ein Abgeordneter wird pro Wahlkreis nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt. Beim ersten Urnengang ist für ein Mandat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen und der Rückhalt von mindestens einem Viertel der registrierten Wähler im Wahlkreis erforderlich. Erreicht dies keiner der Kandidaten, kommt es zu einem zweiten Wahlgang am darauffolgenden Sonntag.

2. Wahlgang, 18. Juni 2017:

Am zweiten Wahlgang können alle Kandidaten teilnehmen, die im ersten Wahlgang mindestens 12,5 Prozent der registrierten Wähler für sich gewonnen haben. Also ist auch eine Stichwahl zwischen mehr als zwei Kandidaten möglich. Im zweiten Wahlgang gewinnt der Kandidat, der die meisten abgegebenen Stimmen erhält (relative Mehrheit).

Alle Fakten im Überblick: So wird die Nationalversammlung gewählt

Die wichtigsten Parteien
La République en marche! (LREM)
En Marche! (EM) ist im April 2016 von dem damaligen Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gegründet worden. Ziel ist es, mit der Bewegung die klassische Rechts-links-Unterteilung in der Politik zu überwinden. Macron, seit Mai Präsident, will mit seiner mittlerweile in eine Partei umgewandelten „La République en marche!“ Bildungs- und Sozialreformen durchsetzen und die Staatsausgaben deutlich senken. Die Bewegung ist pro-europäisch und sieht die deutsch-französische Partnerschaft als Motor der weiteren Integration. Auch ein Europa der zwei Geschwindigkeiten schließt Macron dabei nicht aus. LREM ist für die Nationalversammlungswahl mit der Partei Modem (Demokratische Bewegung) ein Bündnis eingegangen.
Mouvement démocrate (Modem)
Modem wurde 2007 von François Bayrou gegründet. Sie steht in humanistischer Tradition, versteht sich als Partei der politischen Mitte und ist klar EU-freundlich.
Republikaner (LR)
Die Republikaner stehen vor allem für einen liberalen Wirtschaftskurs und einen konservativen Wertekanon. Sie sind ein Sammelbecken von Mitte-Rechts-Strömungen. 2015 wurden sie in Les Républicains umbenannt. Das geht auf den ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy zurück. Er wollte damit eine neue Ära der Partei mit ihm an der Spitze einläuten. Es gelang ihm jedoch nicht, sich als Präsidentschaftskandidat im eigenen Lager durchzusetzen, die Partei kürte François Fillon zu ihrem Kandidaten. Fillons Präsidentschaftswahlkampf wurde jedoch von Enthüllungen u. a. um eine vermutete Scheinbeschäftigung seiner Frau in seinem Abgeordnetenbüro überschattet. Er scheiterte schon in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl. Die Republikaner treten bei der Wahl im Bündnis mit der Union des Démocrates et Indépendants (UDI) an.
Union des Démocrates et Indépendants (UDI)
In der 2012 gegründeten UDI sind mehrere Parteien organisiert, die sich politisch mitte-rechts verorten lassen. Sie vertreten humanistische und liberale Werte und glauben an ein starkes, föderal geordnetes Europa.
Front National (FN)
Der rechtsextreme Front National (FN) wurde 1972 von Jean-Marie Le Pen gegründet. Er stand der Partei fast vier Jahrzehnte vor. Gekennzeichnet ist der FN vor allem von zwei Themen: Er ist fremdenfeindlich und möchte Frankreich aus der EU führen (Frexit). Der Rückhalt der Partei in der Bevölkerung war lange begrenzt, doch seit Marine Le Pen, die Tochter des Parteigründers, 2011 das Ruder übernahm und eine Strategie der "Entteufelung" verfolgte, ist der FN auf Erfolgskurs. Sie vermied explizit rassistische, antisemitische Aussagen und versuchte damit die Partei aus der rechten Schmuddelecke herauszuführen. Der FN solle die "nationalpopulistische" Stimme des Volkes sein, so Le Pen.
La France insoumise (FI)
Anfang 2016 gründete Jean-Luc Mélenchon die auf ihn zugeschnittene Bewegung La France insoumise (Aufsässiges Frankreich). FI steht für radikal linke Ideen wie hohe Mindestlöhne und Renten; außerdem möchte Mélenchon aus der Nato austreten und die europäische Austeritätspolitik beenden. Besonders kritisch sieht er die Rolle Deutschlands in der europäischen Finanzpolitik und spart nicht mit Kritik am deutschen Verhalten. Eigentlich plante die FI für die Parlamentswahl ein Bündnis mit dem kommunistischen PCF, doch Mélenchon und Pierre Laurent vom PCF konnten sich nicht einigen.
Kommunisten (PCF)
Die Französische Kommunistische Partei (PCF) hat ihren Ursprung in der Arbeiterbewegung, sie wurde 1920 gegründet. Sie hat einen festen Platz in der Parteienlandschaft von Frankreich und war unter den Präsidenten François Mitterrand 1981-1984 und Jacques Chirac 1997-2002 an der Regierung beteiligt. Innerhalb der kommunistischen Parteien Europas war sie lange eine der größten und erfolgreichsten. Seit den 1980er Jahren jedoch verliert der PCF Mitglieder und Wähler.
Sozialistische Partei (PS)
Die Sozialistische Partei (PS) hat ihre Ursprünge in der Arbeiterbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Neu geordnet und erfolgreich wurde sie ab 1971 unter ihrem Vorsitzenden François Mitterrand. Der PS versteht sich als laizistische, humanistische und der Republik und dem Föderalismus zugewandte Partei. Er bildete schon öfter die stärkste Fraktion in der Nationalversammlung, ihr gehört der ehemalige Präsident François Hollande an.
Radikale Linkspartei (PRG)
Traditionell ist die Radikale Linkspartei (PRG) der Bündnispartner des PS. Der PRG ist wirtschaftlich eher liberal orientiert und konzentriert sich stark auf individuelle Rechte.
Grünen (EELV)
Die grüne Partei hat sich in Frankreich 2010 neu gegründet. Sie entstand aus dem Zusammenschluss der seit 1984 bestehenden Partei Les Verts und dem neueren Wahlbündnis Europe Écologie. Die Grünen in Frankreich sind traditionell Partner von linken Parteien.
Debout la France (DLF)
Debout la France (Steh auf Frankreich) ist eine konservative, euroskeptische Partei. Gegründet wurde sie 1999 noch unter dem Namen Debout La République, 2014 wurde der Name geändert. Sie versteht sich als gaullistische Partei, setzt im Inneren vor allem auf eine starke Exekutive und nach Außen auf Souveränität des Nationalstaates.Für die zweite Runde der Präsidentschaftswahl verbündete sich Debout la France mit dem Front National. Nach der Niederlage von Marine Le Pen trennten sich die Wege und die Parteien treten jetzt gegeneinander an.


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