IS-Mord an Priester Frankreichs Justiz untersucht weitere Panne bei Terrorfahndung

2016 schnitt ein IS-Kommando einem Priester in Frankreich die Kehle durch. Laut einem Medienbericht hatte ein Polizist Tage vor dem Attentat vor genau so einem Angriff gewarnt - doch nichts geschah.

Tatort Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray (2016)
DPA

Tatort Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray (2016)


Eineinhalb Jahre nach einem Terroranschlag in einer nordfranzösischen Kirche untersucht die Justiz eine weitere mögliche Fahndungspanne. Dazu liefen Vorermittlungen, bestätigten Justizkreise.

Zwei 19-jährige Angreifer hatten im Juli 2016 in einer katholischen Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen während der Morgenmesse Geiseln genommen und anschließend den Priester Jacques Hamel (85) ermordet. Sie schnitten ihm die Kehle durch. Die beiden Angreifer wurden von der Polizei erschossen, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Die Justiz reagiert mit der Eröffnung der Vorermittlungen auf einen Bericht der Informationsplattform "Mediapart". Demnach hatte ein Pariser Polizist Tage vor dem Attentat einen Bericht verfasste, in dem vor einem Anschlag in einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray gewarnt wurde. Der Polizist hatte Mitteilungen von einem der späteren Täter ausgewertet. Laut "Mediapart" wurde der Bericht nach dem Anschlag umdatiert. Die Pariser Polizeipräfektur wies die Vorwürfe zurück.

Die Untersuchung wurde laut Justizkreisen an die Inspection Générale de la Police Nationale (IGPN) übergeben, die in Frankreich als die "Polizei der Polizei" bekannt ist. Es gehe dabei unter anderem um den Vorwurf der Fälschung und der Veränderung von Dokumenten.

Es ist nicht die erste Panne in dem Fall. Einer der beiden Attentäter war der Polizei bereits vor der Tat bekannt gewesen. Er trug eine Fußfessel und hatte zweimal versucht, ins Kriegsgebiet nach Syrien auszureisen.

beb/dpa

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