Frankreich Polizisten in Vorstadt mit Sturmgewehr beschossen

In Frankreich fürchtet man neue Unruhen in den Vorstädten: In der Nacht wurden Polizisten nördlich von Paris mit einem Sturmgewehr angegriffen. Die Behörden nennen den Vorfall eine "Premiere", Innenministerin Alliot-Marie sprach vom Einsatz einer "Kriegswaffe".


Hamburg/Paris - Der Sicherheitsbeauftragte des Départements Seine-Saint-Denis spricht von einer "Premiere": Der Beschuss von Polizisten bei Paris aus einem automatischem Gewehr hat Sorge vor einem Anstieg der Gewalt in den französischen Vorstädten ausgelöst. Die Beamten seien in der Nacht zum Sonntag bei einem Gefangenentransport in La Courneuve von zwei Autos gestoppt worden, deren Insassen sie "mit einer Kriegswaffe" angegriffen hätten, erklärte Innenministerin Michèle Alliot-Marie. Die Polizisten hätten die Angreifer abgewehrt und auch einen kurzzeitig geflüchteten Gefangenen wieder festgenommen. Ermittlerkreise vermuteten, dass es sich bei der eingesetzten Waffe um eine Kalaschnikow handelte.

Polizist in Pariser Vorort (Archivfoto von November 2007): Angst vor neuen Unruhen
AP

Polizist in Pariser Vorort (Archivfoto von November 2007): Angst vor neuen Unruhen

Verletzte gab es bei dem Vorfall nördlich der französischen Hauptstadt nicht, wo 2005 die landesweiten Vorstadtunruhen in Frankreich begonnen hatten.

Nie zuvor seien solche Waffen "im Rahmen von Vorstadtgewalt" eingesetzt worden, sagte der Sicherheitsbeauftragte Jean-François Herdhuin, er kenne das nur aus dem Bereich von Schwerstkriminalität.

Polizeigewerkschaften zeigten sich besorgt. Der Einsatz "von Kriegswaffen" zeige, dass "sich die Gewalt in Seine-Saint-Denis wieder um eine Stufe erhöht hat", sagte Thierry Mazé von der Arbeitnehmervertretung Alliance. In La Courneuve werde Polizisten in Inschriften auf Mauern inzwischen offen mit einem Anstieg der Gewalt gedroht.

La Courneuve ist seit Jahren einer der Brennpunkte der Hauptstadtregion. 2005 hatte der damalige Innenminister und heutige Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach dem Tod eines Kindes bei einer Bandenschießerei gesagt, er wolle die Vorstadt "mit dem Kärcher" - also einem Hochdruckreiniger - von Kriminellen befreien. Die Äußerung heizte nach Ansicht seiner Kritiker die Stimmung in den von hoher Jugendarbeitslosigkeit geprägten Vorstädten vor den landesweiten Unruhen im Herbst 2005 weiter an.

flo/AFP



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