Privatvermögen von Frankreichs Kandidaten Der Linke ist der Reichste (oder Ehrlichste)

Frankreichs Präsidentschaftsbewerber haben ihr Vermögen offengelegt - um den Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit zu stoppen. Kontrolliert wurden die Angaben aber nicht.

AFP

Von Stefan Simons, Paris


Teure Uhren, Autos, Appartements, Landhäuser, Vermögen: Zum ersten Mal in der Geschichte Frankreichs haben die Präsidentschaftskandidaten Einblick in ihre privaten Besitzverhältnisse gegeben. Die Erklärungen sollen den durch die Dauerserie von Finanzaffären entstandenen Vertrauensverfall in der Öffentlichkeit stoppen. Die Politiker erweisen sich dabei mehrheitlich als durchaus vermögende Volksvertreter, mit Immobilienbesitz in der Hauptstadt und Ferienhäusern auf dem Land.

Die Angaben sind auf der Internet-Seite der "Hohen Behörde für Transparenz" (HATVP) einsehbar. Sie waren schon in der Vergangenheit Pflicht - veröffentlicht wurde jedoch bislang nur die Finanzübersicht des gewählten Präsidenten. Die neue Regelung wurde eingeführt, nachdem Budget-Minister Cahuzac 2013 wegen illegaler Konten in der Schweiz aufflog. Sie erfüllt jedoch nur teilweise den Anspruch der Transparenz: Einkommen sind nicht aufgelistet und die Selbsteinschätzung erfolgt auf "Treu und Glauben". Nachgeprüft werden die Angaben nicht. "Es ist ein bisschen wie ein Blick durch das Schlüsselloch", kommentierte die Zeitung "Le Parisien" und stellte kritisch fest: "Es bleibt nicht mehr als eine bloße Mitteilung."

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Präsidentschaftswahl: Frankreichs "gläserne" Kandidaten

So bezifferte Marine Le Pen ihr Vermögen auf 630.000 Euro. Die Chefin des rechten Front National ist nach eigenen Angaben Mitbesitzerin von Immobilien in der Bretagne, an der Côte-d'Azur und einer Familienvilla in Saint-Cloud. Die Anteile am Anwesen vor den Toren von Paris, die sie als Europaabgeordnete 2015 noch mit rund 142.000 Euro beziffert hatte, bewertete sie jetzt doppelt so hoch. Grund dafür ist aber vermutlich nicht eine Explosion der Immobilienpreise, sondern eher die Nachforschung der Steuerbehörden: Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft ermittelt seit Januar 2016 wegen einer zu niedrigen Bewertung des Grundbesitzes, mit der sie bislang der Vermögensteuer entgangen war. Ansonsten verfügt Le Pen ihren Angaben zufolge über ganz bescheidene Werte: Kein Auto, keine Lebensversicherung, kein Sparbuch. Gerade mal 18.000 Euro auf Girokonten.

François Fillon (Vermögen: rund eine Million Euro) korrigierte die Angaben zu seinem Herrenhaus in der Sarthe (750.000 Euro), zwei Uhren (27.000 Euro), einem Land-Rover und einem Peugeot 306 (8000 Euro) zwar nur wenig. Drastisch erhöhte der Skandalkandidat der Konservativen, seit dieser Woche auch im Visier wegen Urkundenfälschung und Interessenkonflikt, aber den Wert seiner Beratungsfirma 2F: Das Unternehmen, das entgegen früherer Behauptungen offenbar doch Kontakte zwischen einem libanesischen Milliardär und Russlands Präsident Putin herstellte oder dem Chef von Multi Total ein Entree im Kreml verschaffte, stieg rasant im Wert. Hatte Fillon sein Gewerbe im Dezember 2016 mit 11.518 Euro angesetzt, so kletterte es seither auf 97.888 Euro.

Der aussichtsreichste Kandidat Emmanuel Macron bezifferte sein Vermögen auf 330.000 Euro. Der 39-jährige Anführer der Bewegung "En Marche" kommt laut eigenen Angaben ohne Wohnung und Auto aus. Sein Appartement in Paris sei verkauft, der Landsitz in Le Touquet gehöre allein seiner Frau. Er verfügt demnach über Sparbücher, eine Lebensversicherung und jüngste Einnahmen aus seiner Politbiographie "Revolution".

Doch wo sind die Bruttobezüge von 3,3 Millionen Euro geblieben, die der Kandidat als Banker beim Finanzhaus Rothschild zwischen 2009 und 2014 bezog? Zum Wirtschaftsminister bestallt, bezifferte Macron sein Vermögen 2014 noch auf etwa 1,2 Millionen, im Januar 2017 war es dann auf 330.000 Euro gefallen.

Die Anti-Korruptionsorganisation Anticor beanstandete denn auch einen "Mangel an Kohärenz zwischen den Einnahmen und dem deklarierten Vermögen" und schaltete die Transparenzbehörde ein. Macron gab an, er habe zwischenzeitlich seine Steuern bezahlt (1,5 Millionen Euro), Geld für Renovierungsarbeiten ausgegeben und "seinen Lebensstil gepflegt."

Beim Sozialisten Benoît Hamon sind die Verhältnisse übersichtlicher. Er besitzt zusammen mit seiner Frau eine Wohnung außerhalb von Paris, eine Ferienwohnung in der Bretagne und einen elf Jahre alten Opel Corsa. Summa summarum: Ganze 460.000 Euro. Bescheidener noch ist das Vermögen von Philippe Poutou: Der Kandidat der Neuen Antikapitalistischen Partei bringt es auf ein Barvermögen von 23.000 Euro.

Ganz anders der radikal-linke Jean-Luc Mélenchon: Der Kandidat des "Frankreich der Widerspenstigen" verfügt den Angaben zufolge über ein Appartement in Paris, ein Ferienhaus im Loiret sowie Vermögen im Gesamtwert von über einer Million Euro. "Ich verdiene viel, weil ich als Europaabgeordneter sehr gut bezahlt werde, weil ich geerbt habe und als Autor über Einnahmen verfüge", sagte Mélenchon, der gerade einen Essay mit dem programmatischen Titel "Über die Tugend" veröffentlichte.

Mit einem Seitenhieb auf seine Mitkandidaten sagte der Alt-Linke: "Vor allem aber habe ich weder teure Hobbys noch Leidenschaften in Bezug auf Kleidung, Autos oder Uhren."

insgesamt 11 Beiträge
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widower+2 23.03.2017
1. Typisch!
Es war schon immer so (außer Trump vielleicht; bei dem ist es umgekehrt), dass die Reichen sich gerne arm rechnen. Besonders gut funktioniert das bei Unternehmern. Schüler-Bafög haben früher auch nur die Unternehmer mit dem jeweils dicksten und neuesten Mercedes vor der Tür für ihre Kinder bekommen. Meine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, bescheidenem Unterhalt vom Erzeuger, ohne Auto und Halbtagsjob hingegen nicht. Die Angaben dieser Präsidentschaftskandidaten sind größtenteils lächerlich untertrieben.
allessuper 23.03.2017
2. Interessant
wie Zahlen interpretierbar sind. Wollen Sie nicht die Verbindlichkeiten dazu nehmen, z.B. eines Benoit Hamon? http://www.linternaute.com/actualite/politique/1373176-les-patrimoines-des-11-candidats-a-l-election-presidentielle/1373244-benoit-hamon Auf jeden Fall ziehe ich daraus zwei Schlüsse: Erstens möchte ich das Gleiche hier erleben. Das ist Demokratie Zweitens hat bleibt Herr Macron ein wenig im künstlerischen Flou. Interessant ist in dem Zusammenhang die Art, wie seine Wahlveranstaltungen organisiert sind: eine einzige Marketingveranstaltung, bei der eine Stimmung künstlich erzeugt wird, als wären alle von ihm begeistert. Bitte hierlang, ein Lehrstück mit Leakmaterial in Sachen Manipulation: https://www.youtube.com/watch?v=3BPckfQ8N7c
Newspeak 23.03.2017
3. ...
Die uebliche Bereicherung. Ein Kandidat kommt also ohne Wohnung aus. Super. Will ich auch. Ist auch ein gutes Vorbild, damit Obdachlose spaeter nicht so ein Anspruchsdenken entwickeln. Seht her, der franzoesische Praesident hat keine Wohnung! Am sympathischten ist wirklich der Linke. Der sagt, woher das Geld kommt, ohne Ausfluechte.
msvanessacheng 23.03.2017
4.
Toll! Und warum genau soll uns das Vermögen der Politiker interessieren? Ach ja, natürlich - damit wir sie später in die Pfanne hauen können, falls sie gelogen haben. Denn Intrigen zählen mehr als Fähigkeiten oder politisches Programm!
amwald 23.03.2017
5. die Spitze der Lächerlichkeit ist Ihre im letzten Satz dargelegte
Zitat von widower+2Es war schon immer so (außer Trump vielleicht; bei dem ist es umgekehrt), dass die Reichen sich gerne arm rechnen. Besonders gut funktioniert das bei Unternehmern. Schüler-Bafög haben früher auch nur die Unternehmer mit dem jeweils dicksten und neuesten Mercedes vor der Tür für ihre Kinder bekommen. Meine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, bescheidenem Unterhalt vom Erzeuger, ohne Auto und Halbtagsjob hingegen nicht. Die Angaben dieser Präsidentschaftskandidaten sind größtenteils lächerlich untertrieben.
Untertreibung betreffend den Phantasieangaben der doch wohl ärmsten unter den Armen. Die gemachten Angaben der "sauberen" Damen und Herren Politiker sind schlichtweg eine Frechheit sondersgleichen. Drasrtisch ausgedrückt: ein Sprung mit dem nackten Arsch voraus in das Gesicht der Untergebenen. Ts,ts. ein Sparbuch mit 18 oder 23 Tsd. Wer glaubt denn sowas.
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