Protest gegen Arbeitsreform Frankreichs Linke mobilisiert gegen Macron

Jetzt wird es ernst für Emmanuel Macron: Frankreichs Präsident treibt seine Reform des Arbeitsmarkts voran - und erntet Protest im ganzen Land. Gewerkschaften behindern Schnellbahnen, Airlines streichen Flüge.

Protest gegen Arbeitsrecht
AP

Protest gegen Arbeitsrecht


Landesweit mobilisieren Frankreichs radikale Gewerkschaften ihre Mitglieder: 180 Protestaktionen sind für den heutigen Tag angekündigt, um gegen die geplante Lockerung des Arbeitsrechts zu demonstrieren - mit ersten Auswirkungen im Flug- und Bahnverkehr.

Die Fluggesellschaft Ryanair erklärte, sie habe 110 Flüge gestrichen, die von, nach oder über Frankreich hinwegführten. Die Bahngesellschaft SNCF berichtete von Behinderungen bei den RER-Schnellbahnen im Pariser Großraum. Die Pariser Polizei riet Autofahrern während des Berufsverkehrs, den Bereich der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées zu meiden. Dort protestierten Schausteller mit ihren Lastwagen.

Von den größten Gewerkschaften hatte nur die linke CGT offiziell Proteste angekündigt. Sie stellen sich damit gegen die Reform des Arbeitsrechts, die Staatschef Emmanuel Macron gerade per Erlass durchgedrückt hat. So soll eine Reihe von Maßnahmen es Unternehmen erleichtern, Arbeitnehmer zu entlassen - und so die Hemmschwelle senken, neue Arbeitsplätze zu schaffen (lesen Sie hier mehr dazu).

Die kommunistische CGT und eine Reihe anderer Gewerkschaften sehen den Flexibilisierungskatalog als direkten Angriff auf die sozialen Errungenschaften der V. Republik: "Diese Zerschlagung des Arbeitsrechts", so ein Aufruf, "wird nur die Prekarität verstärken und die Armut vorantreiben - so, wie in Deutschland und England".

Die Aufmärsche der Gewerkschaften, gefolgt am 23. September von der Kundgebung der linken "France Insoumise" (LFI - Frankreich der Aufständischen), könnten zum Auftakt werden für einen Herbst der sozialen Protestbewegungen. Zuletzt waren die Beliebtheitswerte des Präsidenten massiv gesunken.

Frankreich kämpft seit Jahren gegen eine hohe Arbeitslosigkeit. Sie ist mit rund 10 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

mho/dpa



insgesamt 55 Beiträge
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bluejuly 12.09.2017
1. Hm...
Also ohne selbstgefällig zu wirken...aber Deutschland und England als Beispiel für negative Entwicklungen in Armut und Arbeitslosigkeit zu nehmen ist schon etwas dreist...besonders wenn man bedenkt wie die französische im Vergleich aussieht.
omguruji 12.09.2017
2. Emmanuel, zieh es durch
Es wird höchste Zeit die "verkrustete Republik" aufzubrechen..
gersois 12.09.2017
3. Es ist Herbst
Eine gute zeit zu streiken und zu protestieren. Heute die Gewerkschaften mit den Arbeitern, demnächst die Bauern, die Taxifahrer, die Fluglotsen und dann die Linken (FI) usw. Gegen jedes Reförmchen ist bisher intensiv demonstriert worden. Und daran wird sich so schnell nichts ändern.
lobivia 12.09.2017
4. No bail out
Offenbar geht es den Franzosen noch nicht schlecht genug, anders ist diese traditionell-aggressive Reformunfähigkeit nicht zu erklären. Den Franzosen sollte klar werden, dass sie um fünfzehn Jahre verspätet hinterherhinken. Wer unter diesen Umständen gegen Eurobonds ist, zeigt sich als guter Europäer, da die Alternative das Zerbrechen Europas wäre.
jschm 12.09.2017
5. Frankreich
hat das gleiche Problem wie andere Länder mit geringer Produktivität und die nicht ihre Währung abwerten können. Die Abwertung erfolgt über den Arbeitsmarkt (Prekariat und Arbeitslosigkeit bei sinkenden Löhnen). Leider sehen die Gewerkschaften die Gefahr nicht, dass immer mehr Arbeitsplätze verloren gehen und immer weniger investiert wird in einem reformunwilligen und -unfähigen Land.
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