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Frankreich: Randale nach Großdemo gegen Homo-Ehe

Seit einer Woche dürfen homosexuelle Paare in Frankreich heiraten, am Sonntag protestierten rund 150.000 Menschen dagegen. Die Polizei von Paris überwachte die Kundgebung mit einem Großaufgebot, dennoch kam es zu Krawallen. Mindestens hundert Menschen wurden festgenommen.

Paris: Demonstration gegen Homo-Ehe Fotos
AFP

Paris - Eine Woche nach der offiziellen Einführung der sogenannten Homo-Ehe in Frankreich haben am Sonntag in Paris erneut Zehntausende Menschen gegen die Reform demonstriert. Die französische Polizei war in der Hauptstadt mit einem Großaufgebot im Einsatz, nachdem bereits in den vergangenen Monaten Rechtsextreme bei Demonstrationen von Gegnern der Homo-Ehe randaliert hatten. Die Polizei berichtete am Ende von etwa 150.000 Teilnehmern, die Veranstalter dagegen sprachen von einer Million Demonstranten.

Nach Auflösung der Kundgebung kam es zu Zusammenstößen von mehreren hundert Jugendlichen mit der Polizei. Sie riefen "Es wird knallen" und "sozialistische Diktatur" und warfen Wurfgeschosse auf die Sicherheitskräfte und auf Journalisten. Die Beamten setzten Tränengas ein. Mindestens hundert Menschen wurden festgenommen, die Nachrichtenagentur AFP meldete 293 Festnahmen am Sonntag. Insgesamt waren es nach Angaben der Agentur am Wochenende mehr als 350 Menschen, 250 blieben zunächst in Polizeigewahrsam.

36 Menschen wurden laut AFP bei den Krawallen leicht verletzt, darunter 34 Polizisten, ein Pressefotograf und ein Demonstrant. Innenminister Manuel Valls machte rechte Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich.

"Wir fangen gerade erst an"

Zu drei Kundgebungen am Sonntag hatte die Organisation namens Demo für alle aufgerufen, die seit Monaten gegen das Gesetz der Ehe für alle mobil macht. Auch eine kirchennahe Gruppierung versammelte sich zu einer Demonstration. Das Gesetz, das Homosexuellen neben der Eheschließung auch ein Adoptionsrecht einräumt, war Ende April vom Parlament endgültig beschlossen worden. Präsident François Hollande setzte die Reform am 18. Mai mit seiner Unterschrift in Kraft.

"Wir haben keine Angst", sagte der Demonstrant Thomas aus Caen in Westfrankreich, der mit seinen fünf Kindern an dem Protest teilnahm, mit Blick auf die Warnungen vor Ausschreitungen. "Es ist noch nicht zu Ende, wir fangen gerade erst an", versicherten andere Protestierende. Einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage zufolge sehen die meisten Franzosen das anders. Rund 72 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für ein Ende der Proteste aus.

Polizei im Großeinsatz

An den Kundgebungen beteiligten sich auch Politiker der konservativen Oppositionspartei UMP und der rechtsextremen Partei Front National. Die prominenteste Gegnerin der Homo-Ehe, die Komikerin Frigide Barjot, nahm angesichts der Gewaltwarnungen nicht an den Protesten teil. UMP-Chef Jean-François Copé rief die Gegner des Gesetzes auf, das "gesellschaftliche in politisches Engagement umzuwandeln", und seine Partei zu unterstützen.

Die Polizei setzte am Sonntag etwa 4500 Sicherheitskräfte ein. Bereits am Samstagabend wurden in Paris 56 Menschen festgenommen. Nach Polizeiangaben versammelten sich Gegner der Homo-Ehe auf dem Boulevard Champs-Elysées und ketteten sich an Metallabsperrungen. Als einige Demonstranten Rauchbomben abfeuerten, griff die Polizei ein und nahm sie fest. Dutzende weitere Gegner der Homo-Ehe protestierten am Straßenrand. Insgesamt 5000 Polizisten waren im Einsatz.

Am kommenden Mittwoch soll Frankreichs erste Ehe homosexueller Partner in Montpellier geschlossen werden. Dort wollen zwei Männer heiraten.

cis/heb/AFP/dpa/Reuters

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Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 64,204 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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