Frankreich: Rechtsextreme wählen Le Pen zur Chefin

Der Chefposten bei Frankreichs Rechtsextremen bleibt in der Familie: Marine Le Pen ist neue Vorsitzende der Front National. Sie ist die Tochter des berüchtigten Parteigründers Jean-Marie Le Pen, gibt sich moderater als ihr rassistischer Vater - aber nicht minder populistisch.

Marine Le Pen: Neue Frontfrau für die Rechtsextremen? Fotos
DPA

Paris - Marine Le Pen hat am Sonntag die Führung der rechtsextremen Front National von ihrem Vater übernommen, der die Partei fast 40 Jahre lang leitete. Sie gewann mit gut zwei Dritteln der Stimmen die parteiinterne Abstimmung gegen ihren Gegenkandidaten Bruno Gollnisch.

Le Pen setzte sich in einer Mitgliederbefragung mit rund 68 Prozent der Stimmen durch. Verkündet wurde das Ergebnis von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen. Der Politiker, der sich mehrfach wegen ausländerfeindlicher Äußerungen vor Gericht verantworten musste, soll nun Ehrenpräsident der Partei werden. In seiner Abschiedsrede rief der 82-Jährige seine Partei auf, gegen Einwanderung und eine Ausbreitung des Islams vorzugehen.

Auch seine Tochter befeuert den populistischen Anti-Islamismus. Straßengebete von Muslimen verglich sie mit der Okkupationszeit der Nazis. "Das ist eine Besatzung von Teilen staatlichen Territoriums", sagte sie Anfang Dezember - und bekräftigte später, dies sei kein Ausrutscher gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Anstiftung zum Rassenhass.

Marine Le Pen bemüht sich zugleich, ihre Partei zu "entdämonisieren" und zu einer Volkspartei zu machen. Dabei setzt sie vor allem auf Wirtschafts- und Sozialthemen, die in der Krise gut ankommen. So kämpft sie gegen die Globalisierung und wirbt für einen Austritt Frankreichs aus dem Euro-Raum.

"Marine ist genauso gefährlich wie ihr Vater"

Auch zu ihrem Vater geht die Tochter teilweise auf Distanz. Was die Einordnung der NS-Zeit angehe, unterscheide sie sich deutlich von dem Parteigründer, sagt sie. Jean-Marie Le Pen leugnete wiederholt den Holocaust und bezeichnete die Gaskammern der Konzentrationslager nur als ein "Detail" der Geschichte.

Beim Thema Einwanderung haut Marine Le Pen allerdings in dieselbe Kerbe: Die französische Staatsbürgerschaft soll nicht mehr automatisch Geburtsrecht sein. Außerdem sollen ausländische Langzeitarbeitslose das Land verlassen, auch wenn sie rechtmäßig in Frankreich sind.

"Marine Le Pen ist heute genauso gefährlich wie Jean-Marie Le Pen", warnt der Sprecher der Sozialisten, Benoît Hamon. Noch schärfer reagiert die Regierungspartei UMP, die bei den Präsidentschaftswahlen 2012 den Verlust von Wählern befürchtet. "Man muss aufhören zu lügen: Sie hat genau dieselbe Persönlichkeit wie ihr Vater", sagt Parteichef Jean-François Copé.

"Marine Le Pen ist ein Dorn im Fuß der Konservativen", erklärt der Politologe Jean-Yves Camus. Denn Umfragen zeigen, dass der Kurs der neuen Galionsfigur der Rechtsextremen, die häufig in politischen Fernsehsendungen auftritt, auch bei konservativen Wählern gut ankommt. 32 Prozent der UMP-Wähler stimmen laut einer Umfrage mit den Ideen der Front National überein, 43 Prozent können sich eine Zusammenarbeit mit der Partei vorstellen.

Meinungsforscher sprechen bereits vom "Marine"-Effekt. Bis zu 18 Prozent der Wählerstimmen werden ihr laut jüngsten Umfragen bei den Präsidentschaftswahlen 2012 vorhergesagt.

kgp/AFP

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insgesamt 11 Beiträge
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1. .
c++ 16.01.2011
Zitat von sysopDer Chefposten bei Frankreichs Rechtsextremen bleibt in der Familie: Marine Le Pen ist neue Vorsitzende der Front National. Sie ist die Tochter des berüchtigten Parteigründers Jean-Marie Le Pen, gibt sich moderater als ihr rassistischer Vater -*aber nicht minder populistisch. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739772,00.html
rechtsextrem, berüchtigt, rassistisch, populistisch ... Grusel, Grusel! Wird Zeit, Frankreich aus der EU auszuschließen, die können dann mit Österreich, Italien und Ungarn eine neue EU gründen
2. Menschenrecht auf Sozialhilfe
abumachuf 16.01.2011
---Zitat--- Außerdem sollen ausländische Langzeitarbeitslose das Land verlassen, auch wenn sie rechtmäßig in Frankreich sind. ---Zitatende--- Unglaublich. Ich bin entsetzt, betroffen und ein Stück weit traurig. Wieso sollten Einwanderer in die Sozialsysteme weniger Recht auf Unterstützung haben, als die Franzosen? Alle Menschen sind gleich und haben gleiche Rechte.
3. böse, böse....
nethopper01 16.01.2011
Da hatten doch tatsächlich die bösen Rechtspopulisten in Österreich Erfolg, trotz angedrohter Sanktionen der EU. Und dann erst die bösen Rechtspopulisten in Italien, ganz zu schweigen vom Erfolg der bösen Rechtspopulisten in Ungarn. Und wie schrecklich, der Erfolg des bösen, bösen, bösen Rechtspopulisten in Holland. Und jetzt auch noch eine von der konservativen Mitte wählbare böse Rechtspopulistin in Frankreich. Wenn sich jetzt noch eine böse, böse rechtspopulistische politische Alternative in Deutschland etabliert, dann sollte man die böse Demokratie einfach verbieten.
4. Extreme Rechte in Frankreich
schado 16.01.2011
Man sollte mit dem Gebrauch von "extrem" etwas vorsichtiger umgehen. Während der "alte" le Pen sicherlich "alten" rechten Idialen verbunden war, ist seine Tochter in ihren Ansichten viel moderner! Sie ist sicherlich nicht extremer (radikaler), als auf der anderen Seite die mit einem Muslim verheiratete (vielen Franzosen nicht bekannt) Mme Aubry. Während viele Franzosen heute Fehler der Vergangenheit hinsichtlich der Integration von (magrebinischen) Zuwanderern erkennen, bleibt juristisch und populistisch jede kritische Äusserung gefährlich. Es ist eine Tatsache, dass in der Kriminalstatistik Frankreichs magrebinische Zuwanderer "vorne liegen". Das dies nicht ausschliesslich ihre Schuld ist, bedarf keiner seriösen Debatte. Die Politik (von allen Seiten) hat dazu beigetragen. Die Verteufelung einer Seite (M L P), weil sie der von M. Aubrey geführten Linken nicht passende (wohl aber in deren Propaganda passende)Ansichten vertritt, ist m.E. auch intelektuell fragwürdig. Dass M L P auch auf Seiten Sarkozy's keine Freudenstürme auslöst, spricht nicht zwangsläufig gegen sie.
5. Wenn Einwanderer, die nie Sozialbeiträge zahlten
Burkhardt1949 16.01.2011
Zitat von abumachufUnglaublich. Ich bin entsetzt, betroffen und ein Stück weit traurig. Wieso sollten Einwanderer in die Sozialsysteme weniger Recht auf Unterstützung haben, als die Franzosen? Alle Menschen sind gleich und haben gleiche Rechte.
Anspruch aud Sozialleistungen haben würden, wäre Deutschland pleite. AbuThilo
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Front National: Anti-Minarett-Kampagne

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 63,461 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Manuel Valls

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