Frankreich: Regierung kündigt Aktionsplan gegen Armut an

Eine höhere Mindestsicherung  und berufliche Hilfe für junge Arbeitskräfte ohne Qualifikation: Frankreichs sozialistische Regierung setzt auf den Kampf gegen die Armut im eigenen Land - Premierminister Ayrault will dafür 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Frankreichs Premierminister Ayrault: Rede bei nationaler Armutskonferenz Zur Großansicht
AFP

Frankreichs Premierminister Ayrault: Rede bei nationaler Armutskonferenz

Paris - Mit einer Reihe von Maßnahmen, darunter die Erhöhung der sozialen Mindestsicherung um zehn Prozent bis 2017, will Frankreichs sozialistische Regierung die Armut bekämpfen. Premierminister Jean-Marc Ayrault kündigte am Dienstag in Paris einen Aktionsplan gegen Armut an, der auch mehr Hilfen für junge Leute vorsieht. Die Kosten bezifferte Ayrault auf insgesamt zwei bis 2,5 Milliarden Euro bis 2017.

Der Regierungschef verwies zum Abschluss der nationalen Armutskonferenz darauf, dass die Armut in Frankreich in den vergangenen zehn Jahren deutlich angestiegen sei. Während 2002 noch 12,9 Prozent der Bevölkerung als arm gegolten hätten, seien es 2010 bereits 14,1 Prozent gewesen und ein weiterer Anstieg im vergangenen und in diesem Jahr sei "zweifelsohne" zu erwarten.

Als eine der zentralen Maßnahmen kündigte Ayrault an, dass die soziale Mindestsicherung RSA, die der Sozial- beziehungsweise Arbeitslosenhilfe in Deutschland ähnelt, um zehn Prozent bis 2017 plus einer jährlichen Inflationsanpassung steigen solle. Eine erste Erhöhung um zwei Prozent solle 2013 vermutlich im September erfolgen.

Darüber hinaus sollten die Mindestsicherung RSA für Menschen mit Beschäftigung, die dann eine Art Kombilohn erhalten, sowie die Beschäftigungsprämie PPE ab nächstem Jahr reformiert werden. Die Höhe der RSA in Frankreich liegt derzeit bei 475 Euro für einen Alleinstehenden ohne Kind.

Darüber hinaus will die französische Regierung ab nächstem Herbst für insgesamt 100.000 junge Leute ohne Qualifikation einen sogenannten Eingliederungsvertrag schaffen. Laut Ayrault soll ein einjähriger Vertrag mit der Option auf Verlängerung um ein Jahr zwischen Jugendlichen und Arbeitsämtern geschlossen werden. So solle jungen Leuten - auch im Falle einer zeitweisen Beschäftigungslosigkeit - eine Garantie für ein Einkommen in Höhe der Grundsicherung RSA gegeben werden. Derzeit wird die Mindestsicherung RSA in der Regel erst ab einem Alter von 25 Jahren gezahlt.

Um der Überschuldung von Haushalten entgegenzuwirken, soll zudem ein nationales Register für Kredite an Privatpersonen entstehen. Die Hilfen insbesondere für Alleinerziehende sollen nächstes Jahr überdacht werden. Auch für ältere Menschen und Behinderte sollen noch Maßnahmen erarbeitet werden. Der Aktionsplan soll am 22. Januar endgültig von einem interministeriellen Gremium beschlossen werden.

hen/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Vielleicht kann D auch mal sehen, wie es anders geht
Mojito Diver 11.12.2012
Für alle und alles sind Milliarden in Deutschland da, nur nicht für die, die das alles bezahlen müssen. Nämlich wir deutschen Steuerzahler. In Frankreich hat die Regierung eine Benzinpreissenkung mit den Mineralölgesellschaften erzwungen. In allen europäischen Krisenländern wurden Diäten, Beamteneinkommen gekürzt, Banken an den Krisenkosten beteiligt, die Liste wäre zu lang für SPON. Und was hat die gelb-schwarze ReGIERung gemacht ? Den Bundestag vergrößert, die Wirtschaft von den Energiekosten entlastet, die Bankschulden auf die Steuerzahler "umgeschuldet" und, und und... Darum - Anfangen aufzuräumen in D. ! Gebt dieser ReGIERung keine Chance (mehr) !
2. Weniger Reiche - mehr Arme
Palmstroem 11.12.2012
Zitat von sysopEine höhere Mindestsicherung und berufliche Hilfe für junge Arbeitskräfte ohne Qualifikation: Frankreichs sozialistische Regierung setzt auf den Kampf gegen die Armut im eigenen Land - Premierminister Ayrault will dafür 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Frankreich: Regierung kündigt Aktionsplan gegen Armut an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-regierung-kuendigt-aktionsplan-gegen-armut-an-a-872304.html)
Man sieht in Frankreich wohin Umverteilung führt! Mehr Steuern bedeuten weniger Investitionen und damit weniger Arbeitsplätze. Weniger Arbeitsplätze vermehren die Armut und brauchen mehr Transferleistungen, die wieder über höhere Steuern finanziert werden müssen. Dieser Teufelskreis ist nur mit mehr Inovation und Investition in neue Arbeitsplätze zu durchbrechen - nur das haben Sozialisten noch nie kapiert.
3. Na also, geht doch
zeitmax 11.12.2012
Wenn die Regierung - unter fadenscheinigsten Ausreden - schon nicht fähig ist, ein ausreichendes und existenzerhaltendes Arbeitsplatzangebot für ihre Bürger herzustellen, soll sie wenigstens Mittel zum Leben bereitstellen.
4. Frankreich
eks2040 11.12.2012
die Umverteilung wird nicht gelingen, denn die noch Beschaeftigten werden auch vom Segen der sozialen Regierung einen Teil abhaben wollen. Frei ist leider nicht frei, denn die Kosten fallen auf die Steuerzahler... vielleicht kann Deutschland aushelfen. Die hohen Steuersaetze bedeuten ja nicht auch hoehere Steuereinnahmen. Umverteilen kann nur von reich auf arm sein, und natuerlich via neuen Schulden, und dann sind wir beim Thema... Europa muss helfen. Karl
5. Recht so
seine-et-marnais 11.12.2012
Zitat von PalmstroemMan sieht in Frankreich wohin Umverteilung führt! Mehr Steuern bedeuten weniger Investitionen und damit weniger Arbeitsplätze. Weniger Arbeitsplätze vermehren die Armut und brauchen mehr Transferleistungen, die wieder über höhere Steuern finanziert werden müssen. Dieser Teufelskreis ist nur mit mehr Inovation und Investition in neue Arbeitsplätze zu durchbrechen - nur das haben Sozialisten noch nie kapiert.
Ja wir haben gesehen wohin die Umverteilung geführt hat. Seit 30 Jahren wächst der Anteil Einkommens aus Kaptial, sinkt der Anteil des Einkommens aus Arbeit, ja wir haben gesehen wie Sarkozy von unten nach oben umverteilt hat, ja wir haben gesehen wie die Mittelklasse immer stärker besteuert wurde. Ja wir haben gesehen wie eine Desindustrialisierungspolitik von allen!! Parteien betrieben wurde, ja wir haben gesehen wie Arbeitsplätze en masse in Frankreich ab- und anderswo wiederaufgebaut wurden. Ja wir haben gesehen wie man statt aktiver Beschäftigungspolitik alles durch Sozialpolitik ausgleichen wollte, ja wir haben gesehen wie der Schuldenberg wuchs. Im Grunde gibt es keinen Unterschied zwischen der Wirtschafts (selbst der sonstigen)-Politik Sarkozys und Hollandes. Hollande macht eine 'sozialdemokratische' Politik, und in Deutschland wo liegt denn da der Unterschied zwischen CDU und SPD. Wenn die Regierung Ayrault jetzt auf 'Aktionsplan' macht, dann hängt das zusammen mit der wachsenden Unzufriedenheit mit der 'sozialdemokratischen' Politik der Regierung. Zufällig gab es am Sonntag drei Nachwahlen, abgewatscht wurde nicht die zerstrittene Komiker-UMP, abgewatscht wurde der PS. Und Hollande könnte schneller als ihm lieb sein dürfte über eine neugebildete Regierung verfügen, ohne die Grünen und mit Polikern aus der 'Mitte', denn die Linke/Kommunisten, aber auch die Grünen und selbst Teile des PS haben Schwierigkeiten sich in der Politik Hollandes/Ayraults wiederzuerkennen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Frankreich
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare
  • Zur Startseite
Länderlexikon
Wichtigste Eckdaten

Eigenname:
Französische Republik

Offizieller Eigenname: République Française

Staatsoberhaupt: François Hollande
(seit Mai 2012)

Regierungschef: Manuel Valls (seit März 2014)

Außenminister: Laurent Fabius (seit Mai 2012)

Staatsform: Republik mit semipräsidentiellem Regierungssystem

Mitgliedschaften: EU, G8, G20, Nato, OECD, OSZE, Uno

Hauptstadt: Paris

Amtssprache: Französisch

Religionen: mehrheitlich Katholiken

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 63,461 Mio. Einwohner (2012; geschätzt)

Bevölkerungsdichte:116,7 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 0,3%

Fruchtbarkeitsrate: 2,0 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 14. Juli (Sturm auf die Bastille 1789)

Zeitzone: MEZ -0 Stunden

Kfz-Kennzeichen: F

Telefonvorwahl: +33

Internet-TLD: .fr

Mehr Informationen bei Wikipedia | Frankreich-Reiseseite

Wirtschaft

Währung: 1 Euro (EUR) = 100 Cent zum Währungsrechner hier...

Bruttosozialprodukt: 2742,891 Mrd. US$

Wachstumsrate des BIP: -2,6%

Anteile am BIP: Landwirtschaft 2%, Industrie 19%, Dienstleistungen 79%

Inflationsrate: 1,8% (2013; geschätzt)

Arbeitslosenquote: 9,9% (2011; geschätzt)

Staatseinnahmen: 1093,7 Mrd. EUR

Steueraufkommen (am BIP): 19,6%

Staatsausgaben: 1179,5 Mrd. EUR

Haushaltsdefizit/-überschuss (am BIP): -4,2%

Staatsverschuldung (am BIP): 93,5%

Handelsbilanzsaldo: -45,907 Mrd. US$

Export: 617,335 Mrd. US$

Hauptexportgüter: Atomreaktoren, Boiler, Maschinen (11,4%), Kraftfahrzeuge (9,1%), Luftfahrzeuge, Raumfahrzeuge und Teile (8,6%), Elektrogeräte und Elektronik (8,2%) (2010)

Hauptausfuhrländer: Deutschland (16,5%), Italien (8,2%), Spanien (7,3%), Belgien (7,2%), Großbritannien (6,6%), USA (5,6%) (2010)

Import: 663,242 Mrd. US$

Hauptimportgüter: Brennstoffe und Schmiermittel (16,4%), Atomreaktoren, Boiler, Maschinen (11,1%), Kraftfahrzeuge (9,2%), Elektrogeräte und Elektronik (8,6%) (2010)

Hauptlieferländer: Deutschland (16,9%), Volksrepublik China (8,0%), Belgien (7,8%), Italien (7,2%), Spanien (6,0%), USA (5,7%) (2010)

Landwirtschaftliche Produkte: Weizen, Zuckerrüben, Mais, Gerste, Vieh, Milchprodukte, Wein

Rohstoffe: Erdöl , Erdgas, Eisenerz, Kupfer, Zink

Gesundheit, Soziales, Bildung

Öffentliche Gesundheitsausgaben (am BIP): 11,2%

Öffentliche Ausgaben für Bildung und Erziehung (am BIP): 5,6%

Öffentliche Ausgaben für Altersversorgung (am BIP): 12,4%

Medizinische Versorgung: Ärzte: 3,5/1000 Einwohner

Säuglingssterblichkeit: 3/1000 Geburten

Müttersterblichkeit: 8/100.000 Geburten

Lebenserwartung: Männer 78 Jahre, Frauen 85 Jahre

Schulpflicht: 6-16 Jahre

Energie, Umwelt, Tourismus

Energieproduktion: 136,6 Mio. Tonnen Öleinheiten (ÖE)

Energieverbrauch: 266,5 Mio. t ÖE

Geschützte Gebiete: 15,1% der Landesfläche

CO2-Emission: 371,5 Mio. t

Energieverbrauch/Kopf: 4279 kg ÖE

Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 12%, Industrie 69%, Haushalte 18%

Zugang zu sauberem Trinkwasser: 100% der städtischen und ländlichen Bevölkerung

Tourismus: 76,800 Mio. Besucher

Einnahmen aus Tourismus: 58,480 Mrd. US$

Militär

Allgemeine Wehrpflicht: nein

Streitkräfte: 238.591 Mann (Heer 130.600, Marine 40.353, Luftwaffe 52.669, Sonstige 14.969)

Militärausgaben (am BIP): 2,4%

Nützliche Adressen und Links

Französische Botschaft in Deutschland
Pariser Platz 5, D-10117 Berlin
Telefon: +49-30-590039000 Fax: 49-30-590039110
E-Mail: kanzlei@botschaft-frankreich.de

Deutsche Botschaft in Frankreich
13/15, Avenue Franklin D. Roosevelt, 75008 Paris
Telefon: +33-1-53834500 Fax: +33-1-53834502
E-Mail: info@paris.diplo.de

Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amts

Mehr Informationen bei Wikipedia | Frankreich-Reiseseite