Frankreich Satireblatt veröffentlicht neue Mohammed-Karikaturen 

Es ist ein Eklat mit Ansage und jeder Menge Kalkül: Die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" bringt weitere Karikaturen des Propheten Mohammed auf den Markt. Ähnliche Zeichnungen hatten zuletzt für heftige Proteste gesorgt. Die Regierung in Paris reagierte wenig amüsiert.

"Charlie Hebdo"-Ausgabe: "Wir zeigen das in Bildern"
DPA

"Charlie Hebdo"-Ausgabe: "Wir zeigen das in Bildern"


Paris - Dieser Skandal ist wohl vorprogrammiert - und wird vor allem der Auflage nützen. Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat am Mittwoch ein 64 Seiten umfassendes Sonderheft mit einem Comic zum Leben des islamischen Propheten Mohammed veröffentlicht. Damit steht möglicherweise neuer Ärger um Karikaturen des Propheten bevor.

Bereits im September hatte eine "Charlie Hebdo"-Ausgabe mit derben Mohammed-Karikaturen zu weltweiten Protesten geführt. Strenggläubige Muslime empfinden es als anstößig, Mohammed als Person zu zeigen.

Dagegen bemüht sich "Charlie Hebdo"-Chefredakteur Stéphane Charbonnier um demonstrative Gelassenheit. "Das ist eine autorisierte Biografie, weil sie von Muslimen verfasst wurde. Es ist einfach eine Zusammenstellung dessen, was von islamischen Chronisten über das Leben von Mohammed geschrieben wurde, und wir zeigen das in Bildern." Die Bildergeschichte sei "völlig halal", also den muslimischen Religionsgesetzen entsprechend. "Wenn die Leute schockiert sein wollen, werden sie schockiert sein", so Charbonnier weiter.

Noch vor den Karikaturen löste ein Schmähvideo über Mohammed im Sommer 2012 Massenproteste von Muslimen in der arabisch-islamischen Welt aus. Bei den wochenlang anhaltenden Unruhen starben etliche Menschen. Bei Protesten nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung 2006 kamen mehr als 150 Menschen ums Leben.

In einer ersten Reaktion verwies Najat Vallaud-Belkacem, Sprecherin der Regierung, auf die Meinungsfreiheit. Dem Sender France 2 sagte sie gleichzeitig: "Es ist nicht notwendig, Öl ins Feuer zu gießen."

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung hatte es Proteste aus Iran gegeben. "Wir verurteilen jegliche religiöse Beleidigung, insbesondere die des islamischen Propheten, und fordern juristische Schritte gegen die Karikaturisten", sagte Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast am Dienstag während einer Pressekonferenz in Teheran.

jok/dpa/AFP



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