Terrorangst in Frankreich Fast 5000 Polizisten schützen jüdische Schulen

Die höchste Warnstufe gilt: Als Reaktion auf die Terroranschläge lässt Frankreich jüdische Schulen intensiv bewachen. Dafür werden fast 5000 Polizisten abgestellt. 10.000 Soldaten sollen "anfällige Punkte" im Land schützen.

Polizisten vor jüdischer Schule in Frankreich (Archivbild): Bewachung verstärkt
AP

Polizisten vor jüdischer Schule in Frankreich (Archivbild): Bewachung verstärkt


Paris - In Frankreich bleibt die Angst vor weiteren Anschlägen groß. Besonders jüdische Einrichtungen gelten als mögliche Ziele - und werden deshalb nun noch mehr geschützt als ohnehin schon. Das gilt vor allem für die Schulen. Fast 5000 Polizisten sollen ab sofort die jüdischen Bildungseinrichtungen im Land bewachen.

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Heft 3/2015
Anschlag auf die Freiheit

Innenminister Bernard Cazeneuve verkündete am Montag in Montrouge bei Paris die Abordnung von 4700 Polizisten und Gendarmen für die 717 jüdischen Schulen des Landes.

Zudem werden wegen der islamistischen Bedrohung bis Dienstagabend 10.000 Soldaten mobilisiert. Sie werden laut Verteidigungsministerium an "anfälligen Punkten" des Landes zur Sicherung eingesetzt. Die höchste Terrorwarnstufe wird in Frankreich laut Premierminister Manuel Valls beibehalten.

Diese Maßnahmen sind die Ergebnisse eines rasch einberufenen Sicherheitsgipfels, zu dem Präsident François Hollande am Montagmorgen in den Elysée-Palast geladen hatte. Einen Tag nach dem Solidaritätsmarsch von fast vier Millionen Menschen in Frankreich beriet die Regierung über mögliche Konsequenzen aus den islamistischen Anschlägen auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo".

Zum Sicherheitskabinett gehören neben Premier Valls auch die Ressortchefs Bernard Cazeneuve (Innen) und Christiane Taubira (Justiz). Valls hatte nach den Anschlägen bereits von neuen Maßnahmen gesprochen, mit denen auf die terroristische Bedrohung reagiert werden solle.

Opfer werden in Jerusalem beerdigt

Im Zuge der Anschlagsserie der vergangenen Woche waren bei einer Geiselnahme vier Juden in einem jüdischen Supermarkt in Paris ermordet worden. Sie werden am Dienstag in Jerusalem beigesetzt. Die Begräbniszeremonie ist am Mittag auf dem Givat-Schaul-Friedhof am Eingang der Stadt geplant, wie ein Sprecher des israelischen Außenministeriums bestätigte. Die Särge mit den sterblichen Überresten sowie die Angehörigen werden am Dienstagmorgen in Israel erwartet.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte "mit Entsetzen und Erschütterung" auf die Anschläge, wie sein Präsident Josef Schuster am Sonntag erklärte. Leider habe sich "wieder auf brutale Weise gezeigt, dass auch Juden weiterhin Zielscheibe der islamistischen Terroristen sind". Die internationale Staatengemeinschaft und die Religionsgemeinschaften müssten stärker als bisher und gemeinsam gegen diesen Terrorismus vorgehen. "Wir müssen alle gemeinsam die Demokratie und die Freiheit verteidigen", erklärte Schuster.

jok/AFP



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