Twitter-Affäre: Hollandes Sohn rechnet mit Lebensgefährtin seines Vaters ab

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Eigentlich wollte François Hollande ein "normaler" Präsident sein, einer ohne Klatsch und Skandälchen. Doch die Twitter-Affäre seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler hat offenbar eine Krise in der Patchwork-Familie ausgelöst. Kronzeuge: einer seiner Söhne aus seiner Beziehung mit Ségolène Royal.

Trierweiler-Tweet: Familienärger für Frankreichs Staatschef Fotos
REUTERS

Hamburg/Paris - Was hat sie nicht alles getwittert. Über einen Unicef-Bericht, wonach zehn Prozent der Kinder in Frankreich in Armut leben. Das sei empörend, schrieb Valérie Trierweiler in einem Eintrag. Ein paar Tage vorher schickte sie einen Dank an Michelle Obama für den "herzlichen Empfang im Weißen Haus und in Chicago" sowie für ihre "wertvollen Ratschläge".

Aber seit dem 12. Juni ist Funkstille. Kein einziger Tweet mehr von Frankreichs Première Dame. Seit die 47-jährige Lebensgefährtin von Präsident François Hollande an diesem Tag jene 137 Zeichen in die Welt schickte, die sich zum ersten Skandal des neu gewählten Staatschefs zusammenbrauten, lässt Trierweiler ihren Twitter-Account offenbar ruhen.

Völlig unerwartet hatte sich Trierweiler damals in den Parlamentswahlkampf eingemischt. "Nur Mut, Olivier Falorni", so begann Trierweilers Tweet - es waren Worte der Unterstützung für den Gegenkandidaten von Hollandes Ex-Partnerin Ségolène Royal im Kampf um den Parlamentssitz der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle. Trierweiler, der ein zerrüttetes Verhältnis zu Royal nachgesagt wird, hatte damit nicht nur für Ärger in der Sozialistischen Partei gesorgt, sie hatte auch ihren Mann brüskiert: Schließlich verdankte Hollande seinen Wahlsieg auch Royal und ihren Wahlkampfauftritten.

"Faktor der Instabilität"

Die Aufregung war groß, der Staatschef soll empört gewesen sein, Premierminister Jean-Marc Ayrault empfahl Trierweiler sogar öffentlich eine "diskretere Rolle". Zwar schweigt Trierweiler nun und hält sich mit Auftritten zurück, aber die Affäre ist offenbar noch lange nicht ausgestanden. Die vier Kinder von Hollande aus seiner Beziehung mit Royal sind offenbar nachhaltig verärgert und wollen keinen Kontakt mehr mit der Lebensgefährtin ihres Vaters.

"Das ist doch logisch, oder nicht?", sagte der 27-jährige Thomas Hollande laut einem Bericht von "Le Point" und übte scharfe Kritik an Trierweiler. Die Twitter-Affäre habe ihm für seinen Vater wehgetan. "Er verabscheut es, wenn über sein Privatleben gesprochen wird." Hollandes Image eines ganz normalen Mannes sei damit "zerstört". Im Wahlkampf hatte Hollande versprochen, im Gegensatz zu Nicolas Sarkozy ein "normaler" Präsident sein zu wollen, der klare Grenzen zieht zwischen Privatleben und Amtsgeschäften.

Er habe gewusst, dass "eines Tages irgendetwas von ihr kommen kann", sagte Thomas Hollande laut dem Magazinbericht über Trierweiler und fügte hinzu: "Aber nicht ein solcher Schlag. Das ist haarsträubend." Damit nicht genug: Der verärgerte Sohn des Präsidenten erklärte "Le Point" zufolge die Lebensgefährtin des Staatschefs auch noch zu einem "Faktor der Instabilität".

Der Präsident will sich zur Twitter-Affäre äußern

Schärfer hätte die Abrechnung kaum sein können. Es klingt nach einer regelrechten Fehde in der Familie des französischen Staatschefs - wohl auch deshalb, weil Royal bei der Wahl eine Blamage einstecken musste, gegen den Gegenkandidaten Falorni verlor und damit ihre Pläne aufgeben musste, Präsidentin der Nationalversammlung zu werden.

Zuletzt sah sich der Sohn des Präsidenten dennoch genötigt, sich von dem Bericht des Wochenmagazins zu distanzieren. Seine Bemerkungen seien "entstellt worden" gab der Rechtsanwalt zu Protokoll. Er dementiere, "Le Point" "überhaupt ein Interview gegeben zu haben". Seine Aussagen seien lediglich bei einem "informellen Wortwechsel" gefallen.

Eigentlich ist Thomas Hollande ein medienerfahrener Profi: 2005 war er im Wahlkampf seiner Mutter aktiv, zuletzt hatte er die Kampagne seines Vaters unterstützt. Die verantwortliche Redakteurin von "Le Point" reagierte prompt, passend zu der Hollande-Trierweiler-Affäre per Twitter: "Keine der Bemerkungen ist verdreht worden", schrieb Charlotte Chaffanjon. Es habe sich nicht um ein Interview mit dem Präsidenten-Sohn gehandelt, sondern um Fragen zu einem Artikel über das Verhältnis des Präsidenten-Ehepaares.

Hollande sieht sich nun gezwungen, selbst zu der Twitter-Affäre Stellung zu nehmen. Offenbar will er sich anlässlich des üblichen Interviews zum Nationalfeiertag am 14. Juli zum Tweet von Trierweiler, ihrer Arbeit als Journalistin und ihrer Rolle als Première Dame äußern.

Privates beim staatsmännischen Interview - auch das passt nicht recht zum Bild des "normalen Präsidenten".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, François Hollande sei mit Ségolène Royal verheiratet gewesen. Tatsächlich waren die beiden zwar fast drei Jahrzehnte ein Paar, haben aber nicht geheiratet. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Nichts Wichtigeres...
jesfro@spiegel 12.07.2012
Offenbar gibt es wohl nichts wichtigeres zu berichten. Ich hätte mir gewünscht, dass der Spiegel nicht auf jedes dahergelaufene Thema aufspringt... Schade.
2. optional
alhoh 12.07.2012
"Die vier Kinder von Hollande aus seiner Ehe mit Royal sind offenbar nachhaltig verärgert..." Kleine Korrektur: François Hollande war nicht mit Ségolène verheiratet.
3. Zickenkriege...
sanibel123 12.07.2012
sind ja nicht allzu selten. Aber in diesen Kreisen ? Und so öffentlich ? Da war Frau Trierweiler wohl sehr aus der Spur geratewn.
4. Sie haben Recht, jesfro!
jadota 12.07.2012
Zitat von jesfro@spiegelOffenbar gibt es wohl nichts wichtigeres zu berichten. Ich hätte mir gewünscht, dass der Spiegel nicht auf jedes dahergelaufene Thema aufspringt... Schade.
Deutschland hat bessere Skandale als dieser franz. Operette. Nachhaltiger. Echter. Fundierter. Mappus, Wulff, Kohl... Niemand weiß, wie diese Männer ticken (où est la femme?) und wenn doch keine dahinter steckt, warum sie dann so korrupt geworden sind?
5.
caecilia_metella 12.07.2012
Ich begrüße es, dass Sie hier mitunter auch andere als "Bild"-Artikel veröffentlichen. Aber ich bin nicht neugierig genug, jetzt noch ähnliche Blättchen aus Frankreich kennenzulernen. Muss man weder lesen noch kaufen.
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