Frankreich Streikwelle erreicht neuen Höhepunkt

Geschlossene Postämter, Unterrichtsausfall an Schulen, gestrichene Flüge: Die Streikwelle in Frankreich hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach tagelangen Arbeitsniederlegungen der Eisenbahner streikt nun auch der öffentliche Dienst.


Paris - Frankreich im Griff der Gewerkschaften: In Schulen im ganzen Land fällt der Unterricht aus. Auch Beschäftigte von Krankenhäusern, der Post und von France Télécom steiken. Betroffen ist zudem der Flugverkehr, weil sich Fluglotsen den Protesten anschlossen. An den Pariser Flughäfen Roissy und Orly kommt deshalb laut der nationalen Luftfahrtbehörde zu Verspätungen von bis zu 45 Minuten. Einige Flüge fielen ganz aus.

Nichts geht mehr in Paris: Auf den übervollen Bahnsteigen hoffen Pendler auf den nächsten Zug
AP

Nichts geht mehr in Paris: Auf den übervollen Bahnsteigen hoffen Pendler auf den nächsten Zug

Die Proteste der Beamten und Lehrer richten sich gegen die von Sarkozy angekündigten Stellenstreichungen im Öffentlichen Dienst. Gleichzeitig wollen sie Lohnerhöhungen erreichen. Acht Gewerkschaften hatten die fünf Millionen französischen Beamten zu einer 24-stündigen Arbeitsniederlegung aufgefordert. Der für den Öffentlichen Dienst zuständige Haushaltsminister Eric Woerth erwartete eine "starke" Beteiligung an den Protesten, die am Nachmittag (14 Uhr) mit einer Großdemonstration in Paris ihren Höhepunkt finden sollten. An ihr wollten sich auch die Studenten beteiligen, die seit Wochen gegen die geplante Hochschulreform protestieren.

Bei der Bahn und den Pariser Verkehrsbetrieben, wo die Beschäftigten gegen die von Sarkozy geplante Abschaffung der Frührente streiken, gibt es weiter starke Störungen. In Paris verkehrt nur jede dritte U-Bahn und 40 Prozent der Busse. Viele Pendlerbahnen in der Hauptstadtregion fallen weiter aus. Um Paris bildeten sich am Morgen rund 300 Kilometer Stau. Bei der Staatsbahn SNCF verkehrt rund die Hälfte aller Regional- und Fernzüge.

Am Mittwoch sind erstmals Gespräche mit den Bahngewerkschaften, der Staatsbahn SNCF und Regierungsvertretern geplant, um einen Ausweg aus dem Konflikt zu finden. Premierminister François Fillon bekräftigte aber am Montagabend, dass die Regierung in der Frage erst verhandeln werde, wenn sich die Lage im Verkehr merklich bessere. Die Bahngewerkschaften sind unterdessen in der Frage gespalten, ob eine Sammlung der unterschiedlichen Protestbewegungen gegen Sarkozys Reformen angestrebt werden sollte.

ler/AFP



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