SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. Juli 2016, 12:47 Uhr

Geiselnahme in Nordfrankreich

Hollande spricht von "schändlichem Terroranschlag"

Die Geiselnahme in einer französischen Kirche hat offenbar einen terroristischen Hintergrund. Nach Angaben von Präsident Hollande beriefen sich die Attentäter auf die Terrormiliz IS. Laut Medien gab es eine Festnahme.

Frankreich Präsident François Hollande hat den Anschlag auf eine Kirche in Nordfrankreich als "schändlichen Terroranschlag" verurteilt. Bei einem Besuch am Tatort in der Nähe von Rouen sagte er, die beiden Terroristen hätten sich zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. "Wir befinden uns in einer Situation, in der uns der IS den Krieg erklärt hat", sagte er weiter. "Diesen Krieg müssen wir führen mit allen Mitteln der Rechtsstaatlichkeit."

Es sei nun wichtig, dass es den Terroristen nicht gelinge, "unsere Freiheitsliebe zu brechen". "Wir werden alles tun, um diese Bedrohung abzuwenden. Es kommt für uns darauf an, jetzt auf Einigkeit zu setzen." Alle Katholiken, die Angehörigen aller Religionsgemeinschaften, müssten nun zusammenstehen.

Am Dienstagnachmittag erklärte der IS über sein Verlautbarungsorgan Amaq, die Attentäter hätten im Namen der Terrormiliz gehandelt. Die beiden Angreifer seien "Soldaten des Islamischen Staates", schrieb die Agentur.

Bei der Geiselnahme im nahe Rouen gelegenen Saint-Étienne-du-Rouvray ist nach Polizeiangaben der Pfarrer getötet worden. Eine weitere Geisel wurde lebensgefährlich verletzt, die anderen drei sind unversehrt. Die beiden Geiselnehmer wurden von Sondereinheiten der Polizei erschossen.

Mit Messern bewaffnet waren die Attentäter am Morgen offenbar durch den Hintereingang in die Kirche eingedrungen. Dort wurde zu dem Zeitpunkt ein Gottesdienst gefeiert. Die zwei Männer brachten den Pfarrer, zwei Ordensschwestern und zwei weitere Frauen in ihre Gewalt. Laut France Info konnte eine Frau zuvor flüchten und die Polizei alarmieren. Als die Geiselnehmer aus der Kirche stürmten, wurden sie von Eliteeinheiten getötet, so ein Sprecher des französischen Innenministeriums.

Das Viertel um die Kirche ist noch immer weiträumig abgesperrt. Sprengstoffspezialisten sind im Einsatz, um sicherzustellen, dass keine Sprengstofffallen gelegt wurden. Nach Angaben der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters wurde in der Folge eine Person festgenommen, die im Zusammenhang mit den Attentätern stehen soll.

Zahlreiche französische Politiker verurteilten die Tat. Premierminister Manuel Valls sprach von einem "barbarischen Akt". Deutschland Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Der fanatische, mörderische Hass macht jetzt noch nicht einmal Halt vor Gotteshäusern und Gläubigen." Die Tätern wollten nicht nur Terror verbreiten, sondern auch Zwietracht in der Gesellschaft säen. "Es ist unsere Aufgabe, die von jedem Einzelnen, in besonderer Weise aber der politisch Verantwortlichen, diese Rechnung nicht aufgehen zu lassen."

Angst vor Anschlägen in Kirchen

Hollande hatte vor Kurzem den Ausnahmezustand in Frankreich verlängert, der seit den Anschlägen vom 13. November 2015 in Paris gilt. Der Ausnahmezustand sollte aufgehoben werden - doch dann ereignete sich das Attentat in der südfranzösischen Stadt Nizza.

Vor eineinhalb Wochen raste dort ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge und tötete 84 Menschen. Der IS übernahm die Verantwortung für die Tat.

In der Vergangenheit wurde immer wieder befürchtet, dass auch Kirchen in Frankreich Ziel von Islamisten werden könnten. Im April 2015 wurde in Paris ein algerischer Student festgenommen, der einen Anschlag auf eine Kirche geplant und eine junge Frau erschossen haben soll.

Papst Franziskus verurteilte die Geiselnahme vom Dienstag als "sinnlose Gewalt" - dies sei eine "neue schreckliche" Nachricht. "Sie schließt sich leider an eine Serie von Gewalt an, die uns in diesen Tagen erschüttert hat und die bei uns unermesslichen Schmerz und Kummer ausgelöst hat", erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi.

vks/kev/kgp/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH