Urwahl von Frankreichs Sozialisten Schön aussichtslos

Sieben Bewerber stritten bei der ersten TV-Debatte des Linksbündnisses um die Nominierung für die Präsidentschaft. Doch wer immer das Rennen macht - der Einzug in den Élysée-Palast scheint unmöglich.

AP

Von , Paris


Mit einer ersten TV-Debatte ist der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur bei Frankreichs Sozialisten in die heiße Phase eingetreten.

Das Setting: Blauer Hintergrund, sieben Rednerpulte, digitale Zeitmesser, handverlesenes Publikum. In einer Studioatmosphäre wie bei "Wer wird Millionär?" treten am Abend sechs Männer und eine Frau vor Frankreichs TV-Zuschauer.

Die Herausforderung: Binnen insgesamt 17 Minuten Redezeit das eigene Programm ausbreiten und pointiert zu Themen von Arbeitsrecht bis Terrorgefahr Stellung beziehen.

Das Ziel: Sich als Kandidat der Linken für die Präsidentschaftswahlen zu profilieren.

Sechs Wochen nach der Vorwahl der Konservativen geht die Sozialistische Partei (PS) mit ihren Partnern - der Radikalen Linken (PRG) und zwei ökologischen Splittergruppen - in die Schlussrunde der Nominierungskür. Am 22. und 28. Januar dürfen PS-Genossen und Sympathisanten an 7530 Urnen abstimmen, welchen Spitzenkandidaten der Zusammenschluss "Die Schöne Volksallianz" ins Rennen um den Élysée schicken wird. Kostenbeteiligung: ein Euro.

Die Kampagne dauert gerade vier Wochen. Die Bewerber tourten durch Frankreich, stapften durch Kuhställe, signalisierten bodenständige Nähe zur Landwirtschaft oder übten in Fabrikhallen den Schulterschluss mit der Arbeiterklasse. Zwischendurch wurde per Interview und mit Tweets gegen die Rivalen gestichelt.

Im Studio gingen die Konkurrenten erstmals auf Tuchfühlung, alle erpicht darauf, zu überzeugen mit Ideen, Argumenten, Habitus. Doch trotz des Hypes der PS-Zentrale, wirkte die kollektive Performance eher wie politisches Schattenboxen.

Das gemeinsame Handicap: Wer auch immer bei der der "Bürger-Urwahl" Ende Januar zum Spitzenkandidaten der Allianz gekürt wird, hat derzeit kaum Chancen, sich gegen die Konkurrenz von Politikern der Mitte, der Konservativen, Führern der Rechts- oder Linksextremen durchzusetzen.

Die Sozialisten und ihre Bundesgenossen, zerstritten in Flügel und Fraktionen, schaffen es nach dem Stand der Umfragen nicht einmal in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl. Bei der Kandidatenkür, so das Verdikt des Internetjournals "Mediapart", "handelt es sich um deprimierende Vorwahlen einer Partei, die vom Aussterben bedroht ist". Eine Urwahl freilich, mit hochkarätiger Besetzung.

Sehen Sie die Kandidaten im Überblick:

Fotostrecke

8  Bilder
Frankreich: Sieben für die französische Linke

Bei so viel Präsenz vor den Fernsehkameras geriet die Debatte zum verbalen Stellungskampf ohne klaren Gewinner. Ex-Premier Valls gelang es noch am besten, sich als Staatsmann in Szene zu setzen. Meistens beschränkten sich die Kandidaten aber auf das Abspulen ihrer vorgestanzten Kernsätze: seriös, freundlich, auf Kurs - so der Eindruck nach der zweieinhalb Stunden TV-Debatte.

Steuern, Gesundheitswesen, Islamismus, Bildung - die Kandidaten arbeiteten sich mit Verve und im Minutentakt an den Themen ab. Dabei blieb die TV-Debatte jedoch ohne wirklich kontroversen Schlagabtausch. Die wortreich vorgetragenen Projekte, ein wahres Füllhorn guter Absichten, standen für Engagement, Visionen, Pläne. Allein die Diskussion blieb, wenn auch auf hohem Niveau, ein redlich-hausbackenes Schaulaufen.

Die Sozialisten hoffen dennoch, dass die Serie von Debatten eine eigene Dynamik schafft, zwei Millionen Genossen für den Urnengang mobilisiert und die Partei zusammenschweißt für die Präsidentenwahl im April. Die Fortsetzung der Polit-Staffel "Vorwahl der Schönen Allianz" ist abgemacht. Die nächsten zwei Folgen der Mini-Serie "TV-Debatte" werden am Sonntag und am kommenden Donnerstag ausgestrahlt. Mit unverändertem Casting.



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
th.diebels 13.01.2017
1. In Frankreich
gibt es in jedem politischen Lager wenigsten mehrere Kandidaten ! In der BRD gibt es nur "Alternativlose" !
freudentanz 13.01.2017
2. Links katapultiert Europa in die Katastrophe
Vollkommen egal ich welches Land man innerhalb der EU schaut: Das Kumbayagefasel, Geld für jeden der am meisten jammert, offene Grenzen und hohe Steuern für die eigenen Mitbürger haben ein Europa das mir lieb und teuer war in ein "etwas" verwandelt was mir mehr und mehr zuwider wird. Anstatt gesunden Menschenverstand walten zu lassen wurde überall eine Bürokratie die geschaffen die sich ohne Hemmungen ausbreitet. Eine Bürokratie die nichts und rein gar nichts mit konservativen Werten wie Heimat, Nächstenliebe, Naturschutz , Eigenverantwortung, Fleiß und Moral mehr zu tun hat. Stattdessen diskutiert man über Bankenunterstützungen, dritte Geschlechtertoilette, Menschen die 9000km entfernt leben Asyl anzubieten, bedingungsloses Grundeinkommen, andere europäische Länder zu zwingen den Willen einiger weniger zu akzeptieren und lässt die EU hochleben die keinerlei demokratisches Grundverständnis hat. Ich wette die allerwenigsten wissen überhaupt wer wen wählt in der EU. Apropos Wahlen: Ein Grundrecht und Bürgerpflicht für das Millionen von Menschen gestorben sind und welches von jungen Menschen mehr und mehr ignoriert wird. Da macht sich eine Generation lächerlich und bewundert seinen eigenen Untergang online in Echtzeit. Und jetzt klagen wie ein Rechtsruck durtch Europa geht ... eine griechische Tragödie in zahllosen Akten.
walter_de_chepe 13.01.2017
3. Ohne Kontroversen?
Die Linke war in ihrer goldenen Zeit etwas anderes. Als sie noch lebte, war der Programmstreit ihr Metier. Ihre Geschichte war damals eine Geschichte großer Kontroversen.
stern1961 13.01.2017
4. Nirgends
Eine ehrliche, gute Diskussion, wir versinken in der Oberflächlichkeit. Wenn wir in der Geschichte wichtige Ereignisse anschauen: warum passierte Französische Revolution? Weil auf einer Seite Reichen ihr selbstverständliches Leben führten, mit der Gedanke, es hört nie auf. Die armen leideten in ihrem aussichtslosen Dasein. Warum Oktoberrevolution? Aus gleichen Gründen. Warum kam Hitler an die Macht? Nicht weil die Deutschen für Faschismus prädestiniert sind, sondern weil sie von den Zuständen genug hatten, weil die Krise (die durch das Geld der Reichen) hervorgerufen war, sie aus dem Leben schmiss. Wir haben heute gefährliche Umstände. Eine Kaste gut situierten Menschen weltweit möchte uns zeigen wie man die Umstände verändert. Es kann nicht gelingen, sie sind nicht an den Veränderungen interessiert, deren natürlicher Motto ist: status quo! Die Menschheit ist aber reif für radikale Veränderungen. Und, es war immer so: zuerst war die Idee da. Die Idee, das wir auf der Erde eins sind, hat uns durch Internet schon längst erfasst! Aber, die Politik die diese Idee umsetzt, fehlt!
brux 13.01.2017
5. Hinweis
Leider fehlt in dem Artikel, dass alle 7 Kandidaten wollen, dass der Staat ganz viel Geld ausgibt, trotz 100% BSP Staatsverschuldung und riesiger ungedeckter Rechnungen für die Pensionen der Beamten. Von denen hat Frankreich zweimal so viele wie Deutschland, obwohl es keine echte dezentrale Verwaltung gibt und das Land 20 Mio weniger Einwohner hat. Sparen will keiner. Das Geld soll von der EZB einfach gedruckt werden, mit einer Garantie durch die Ersparnisse der Deutschen und der wenigen anderen soliden Länder in der Eurozone. Zum Ausgleich dürfen die Europäer die intellektuelle Brillianz der französischen Elite bewundern. Wenn das kein attraktives Angebot ist....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.