Urwahl bei Frankreichs Konservativen Der Sieger soll Le Pen verhindern

Wer tritt 2017 bei der Wahl in Frankreich gegen Marine Le Pen und den Front National an? Am Sonntag fällt eine Vorentscheidung bei den Republikanern. Drei Kandidaten machen das Rennen wohl unter sich aus.

DPA

Von , Paris


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Händeschütteln auf Märkten, Schulterklopfen bei bodenständigen Bauern, Firmenbesuche für den Kontakt zu smarten Unternehmern und Vertretern der Arbeiterklasse - im Endspurt zur Kandidatenkür der Republikaner (LR) für 2017 ist die Elite der Konservativen durch Frankreichs Regionen getingelt.

Dazu kommen Plakate, Flyer, Radio- und Fernseh-Interviews, drei Live-Debatten, verfolgt von Millionen von TV-Zuschauern, sowie eine Flut von Infos auf Facebook, Twitter und Instagram: In den vergangenen Wochen befanden sich die LR-Promis im permanenten Wahlkampfmodus.

Alain Juppé, einst Premier unter Jacques Chirac, versuchte sich in Paris als Volkstribun ("Ich bin in Bombenstimmung") und beendete seine Tournee in Lille. Der frühere Präsident Nicolas Sarkozy begeisterte seine Fangemeinde in Nizza mit markigen Appellen und köderte: "Ich zähle auf eure Treue." Seine Kampagne beschloss er in Nîmes - einer Bastion der Rechten. Und Ex-Premier François Fillon, der "Dritte Mann", seit er in den Umfragen spektakulär aufgeholt hat, warb zuletzt in Biarritz und Metz um ein "Votum der Überzeugung".

Grund für Hektik: Am Sonntag entscheiden die Bürger Frankreichs in der ersten Runde über den künftigen Spitzenkandidaten der Republikaner. Die "Vorwahl der Rechten und des Zentrums" ist jedoch mehr als ein parteiinternes Schaulaufen - das Votum ist ein vorgezogenes Referendum für die Präsidentenwahl 2017.

Denn der gekürte Republikaner tritt aller Voraussicht nach im Frühjahr gegen die Chefin des rechtsextremen Front National (FN) an. Und weil ein Sieg über Marine Le Pen angesichts der aktuellen Machtverhältnisse wahrscheinlich wäre, hat der nun auserwählte LR-Kandidat beste Aussichten, als nächster Staatschef in den Élysée einzuziehen.

Urwahl für zwei Euro Eintrittsgeld

Neu für die Republikaner: Erstmals wird die Nominierung nicht parteiintern ausgekungelt, stattdessen fällt die Entscheidung bei einer "offenen Vorwahl". Nicht nur eingetragene LR-Mitglieder dürfen abstimmen, sondern alle wahlberechtigten Franzosen. Einzige Vorausetzung: die Unterschrift unter eine konservative Wertecharta und zwei Euro Gebühr.

Das Angebot auf den Listen, die am Sonntag in 10.228 Wahllokalen ausliegen, ist groß und steht für das ganze Spektrum der Konservativen: Sieben Männer und eine Frau stehen zur Auswahl und alle versuchten redlich, sich für das höchste Amt Frankreichs zu qualifizieren. Echte Chancen haben aber nur die Top drei.

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Frankreichs Konservative: Alle gegen alle - und gegen den FN

Trotz inhaltlicher Differenzen bei Themen wie Terrorismus, Europa, Immigration oder Arbeitslosigkeit spielen die programmatischen Entwürfe der Kandidaten nur eine untergeordnete Rolle. Und auch wenn sich die Riege bisweilen als Reformer, als Kritiker oder gar Gegner eines überholten Politsystems darstellten, so zählen die Bewerber - ehemalige Minister, frühere Premiers und ein Ex-Präsident - allesamt zur Nomenklatur der V. Republik.

Casting-Show des Establishments

Damit reduziert sich die Wahl auf eine Casting-Show des Establishments. Uneingeschränkter Favorit der Umfragen (30 bis 37 Prozent) war bislang Ex-Premier Juppé. Der Bürgermeister von Bordeaux ist mit seinen 71 Jahren die Verkörperung der staatsmännischen Vaterfigur: erfahren, respektabel, ein Mann, der die "Franzosen zusammenbringen will", Vorkämpfer einer "glücklichen Identität".

Mit diesem Profil erscheint Juppé beinahe als Gegenentwurf zu Konkurrent Nicolas Sarkozy, dem die Demoskopen zwischen 26 und 33 Prozent zutrauen. Der 61-Jährige sucht die Revanche für seine Niederlage gegen den amtierenden Sozialisten François Hollande und setzt wie 2012 auf einen stramm rechten Kurs, rhetorisch in bewusster Nähe zum rechtsextremem Front National.

Kämpferisch, polemisch, hemdsärmelig tritt er auf, der "Kandidat des Volkes", verspricht "Autorität" und die Rückkehr zu "Frankreichs Größe". Er punktet mit seinen Lieblingssujets wie Sicherheit, Islamismus, Immigration: "Frankreich für die Franzosen, Frankreich für die, die Französisch sprechen, Frankreich für die, die unsere Kultur übernehmen."

Damit mobilisiert Sarkozy seinen Fanclub militanter republikanischer Parteigänger. Doch zugleich verprellt er die biederen Wähler der Mitte und stärkt das Lager seiner Gegner, die vor allem keine Rückkehr des früheren Staatschefs wünschen, Motto: "Alles, nur nicht Sarkozy".

"Aus dem Duo wird ein Trio"

Davon profitiert auch François Fillon. Der Ex-Premier hat in den Umfragen enorm zugelegt. Manche Institute sehen ihn (18 bis 24 Prozent) schon Kopf-an-Kopf mit Juppé oder Sarkozy. "Aus dem Duo wird ein Trio", kommentiert "Le Monde".

Politisch so rechts wie die Parteikollegen, galt der 62-Jährige bisher als zu blass, zu brav, ohne Charisma. Doch die zurückhaltende Attitude, gepaart mit einem liberalen Wirtschaftskurs, lassen Fillon nun als mögliche Alternative erscheinen - vor allem für jene Bürger, die sich nicht zwischen Juppé und Sarkozy entscheiden wollen.

Überlagert wird die Abstimmung nämlich von dem Kalkül der Basis, die abschätzt, welcher Kandidat letztlich den Sieg über Marine Le Pen garantiert. Der maßvolle Fillon könnte sowohl LR-Anhänger wie Wähler der Mitte überzeugen und wäre auch für enttäuschte Sozialisten akzeptabel - vor allem als Gegner der FN-Chefin.

Derartiges Taktieren könnte am Sonntag den Ausschlag geben, glaubt Politologe Pascal Perrineau, denn: "Die Wahlen sind heutzutage keine Entscheidung mehr für, sondern ein Negativentschluss gegen einen Kandidaten." Der Experte für Wahlsoziologie ist sicher: "Bestimmt wird das Votum nicht von Zuneigung, sondern von Ablehnung." Die beiden stärksten Kandidaten treten am kommenden Wochenende noch einmal gegeneinander an.


Zusammengefasst: Im kommenden Jahr wählen die Franzosen einen neuen Präsidenten. Beste Chancen hat wohl ein Kandidat der Konservativen, der sich der rechten FN-Chefin Le Pen wird stellen müssen. Erstmals können die Bürger bei der Kür mitwirken. Aus dem Duell zwischen Alain Juppé und Nicolas Sarkozy ist ein Dreikampf geworden: Ex-Premier François Fillon hat in Umfragen aufgeholt und wird als ernsthafte Alternative gehandelt.



insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 19.11.2016
1. Mir fehlt etwas
Kein Wort darüber, dass Le Pen nur nicht gewählt werden soll, weil sie eine Frau ist? Vielleicht ist das ja der Grund, warum sie keine Präsidentin werden darf. Schon einmal darüber nachgedacht? (Ja, halte gewissen Menschen den Spiegel vor).
gersois 19.11.2016
2. Fillon vorn?
heute meldete die SudQuest, Fillon liege sogar vor Juppé: http://www.sudouest.fr/2016/11/19/primaire-a-droite-francois-fillon-devance-alain-juppe-2574211-7528.php
egoneiermann 19.11.2016
3.
Habe ich was verpasst. Wurden die Sozialisten, Grüne etc. von der Wahl ausgeschlossen? Auch wenn es für Hollande nicht gut aussieht, kann man so einen Artikel nicht schreiben.
Nelson_50 19.11.2016
4. #1: DAS fehlt aus einem guten Grund!
Weil es kompletter Blödsinn ist! Marine Le Pen soll und wird (so hoffe ich) nicht gewählt werden, weil sie eine rechtsnationale Populistin ist. Mit Mann oder Frau hat es nun wirklich nichts zu tun. Aber einen Trump-Verschnitt in unserem wichtigsten EU-Partnerland? Nein, danke!
sozialismusfürreiche 19.11.2016
5. so ein Quark
Zitat von Phil2302Kein Wort darüber, dass Le Pen nur nicht gewählt werden soll, weil sie eine Frau ist? Vielleicht ist das ja der Grund, warum sie keine Präsidentin werden darf. Schon einmal darüber nachgedacht? (Ja, halte gewissen Menschen den Spiegel vor).
FN egal ob eine Kandidatin oder Kandidat wählt man nicht als Demokrat.
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