Frankreich Macron gewinnt Präsidentschaftswahl gegen Le Pen

Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat Emmanuel Macron sich gegen die rechtsextreme Marine Le Pen durchgesetzt. Hochrechnungen zufolge gewann er die Stichwahl mit deutlichem Vorsprung.


Emmanuel Macronwird neuer Präsident Frankreichs. Der 39-Jährige setzte sich in der entscheidenden Stichwahl ersten Hochrechnungen zufolge mit 65,5 Prozent der Stimmen gegen Marine Le Pen durch. Wenig später räumte die Kandidatin des rechtsextremen Front National ihre Niederlage ein: Sie habe Macron angerufen, um ihm zu gratulieren, sage sie.

Macron kündigte nach seinem Wahlsieg an, die Spaltung des Landes überwinden zu wollen. "Ich kenne die Wut, die Angst und die Zweifel" der Franzosen, sagte er bei einem Auftritt in Paris. Sein Ziel sei es, "die Einheit der Nation zu sichern" und die Bürger wieder mit Europa auszusöhnen. "Ein neues Kapitel in unserer langen Geschichte beginnt heut", so Macron. Er werde Frankreich im Namen der Wähler mit Demut, Hingabe und Entschlossenheit dienen.

Frankreich-Wahl
Vorläufiges Endergebnis
Wahlbeteiligung: 74,62%
Macron
En marche!
66,06%
Le Pen
Front National
33,94%
1. Wahlgang: 24,01%
Sonstige: 54,69%
1. Wahlgang: 21,30%
Quelle: Franz. Innenministerium (Stand: 8.5.2017, 08.39 Uhr)

Macron war mit seiner Bewegung "En Marche" als Favorit in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl gegangen. Der 39-Jährige befürwortet die EU, will die Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen und strebt eine enge Partnerschaft mit Deutschland an. Macron wird der jüngste Präsident in Frankreichs Geschichte. Er soll sein Amt bis zum kommenden Sonntag antreten. (Lesen hier mehr zu Macrons PlänenSie für seine Präsidentschaft.)

Seine Gegnerin Le Pen steht in vielen Punkten für eine gegenteilige Politik: Sie hatte sich gegen die EU und den Euro ausgesprochen, verfolgt mit dem rechtsextremen Front National eine nationalistische Politik.

Der Ausgang der Wahl ist deshalb nicht nur wegweisend für Frankreich, der Urnengang galt auch als Schicksalswahl für Europa: Ein Wahlsieg der Rechtspopulistin hätte die EU deswegen schwer erschüttert und massive Auswirkungen auf die Finanzmärkte gehabt. Macrons Sieg hingegen beflügelte den Euro: Die Gemeinschaftswährung stieg am Sonntagabend auf über 1,10 US-Dollar. Das war der höchste Wert seit dem Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl im November vergangenen Jahres.

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Frankreich: Macron siegt bei Präsidentenwahl

Ob Macron seine Reformvorhaben allerdings durchbringen kann, wird sich allerdings erst im Juni entscheiden. Bislang hat der neue Präsident keine Mehrheit im Parlament. Die nächste Wahl zur Nationalversammlung findet am 11. und 18. Juni statt.

Bundesregierung gratuliert Macron

Der scheidende französische Präsident François Hollande gratulierte seinem Nachfolger und sagte, Macrons Sieg sei ein Ausdruck der französischen Geschlossenheit.

Der Sprecher der deutschen Bundesregierung gehörte auf Twitter zu den ersten Gratulanten Macrons. "Ihr Sieg ist ein Sieg für ein starkes geeintes Europa und für die deutsch-französische Freundschaft", schrieb Steffen Seibert auf Deutsch und Französisch. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz schrieb auf Twitter: "Und jetzt machen wir Europa gemeinsam besser!"

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb auf Twitter, er sei glücklich, dass die Franzosen einen Europäer gewählt hätten. Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk gratulierte Macron. An die Franzosen gerichtet schrieb er, sie hätten sich für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit entschieden und Fake News und Tyrannei eine Absage erteilt.

Auch Großbritanniens Premierministerin Theresa May reagierte umgehend. "Frankreich ist einer unserer engsten Verbündeten und wir freuen uns darauf, mit dem neuen Präsidenten an einer Reihe von gemeinsamen Prioritäten zusammenzuarbeiten", hieß es in einer Mitteilung. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Macron.

brk/dpa/AFP

insgesamt 287 Beiträge
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Seite 1
digitus_medius 07.05.2017
1. Glück gehabt....
der Frankreich Urlaub muss doch nicht storniert werden.
uhrentoaster 07.05.2017
2. okay
Wenn er gewonnen hat, ist doch alles okay.
Jeanne E. Maar 07.05.2017
3. Bravo!
BRAVO! Die Front des Hasses hat nicht gesiegt. Die Türen sind endlich offen für alle Optionen. Heute hat Frankreich gewonnen.
Spiegelsicher 07.05.2017
4. Ein Glück, der Fortschritt hat gesiegt, ...
... ich hatte schon Sorge, auch die Franzosen wählen eine Frau zur Präsidentin. Jetzt können die Finanzmärkte aufatmen, sie stellen den erstmals direkt einen Staatschef. Vive la France!
Grummelchen321 07.05.2017
5. Wie kann er
gewonnen haben,wenn das amtliche Endergebnis noch nicht feststeht.Mal wieder die orakelnden Meinungsforscher.Lustig wenn es wieder anders kommen sollte.Wie bei Trump und Brexit.
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