Regionalwahlen in Frankreich Sarkozy kann auf weiteren Erfolg hoffen

Die französischen Sozialisten sind in einen harten Tag gestartet: Ihnen droht bei der zweiten Runde der Départementswahlen eine weitere Schlappe. Die politische Karte der Regionen dürfte sich umfärben - zugunsten von Ex-Präsident Sarkozy.

Nicolas Sarkozy im Wahlkampf: Sein konservatives Bündnis dürfte erneut vorn liegen
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Nicolas Sarkozy im Wahlkampf: Sein konservatives Bündnis dürfte erneut vorn liegen


In Frankreich haben die Wahllokale für die zweite Runde der Départementswahlen geöffnet. Und der prognostizierte Ausgang verheißt eine deftige Schlappe für das linke Lager. Es dürfte Dutzende der insgesamt 101 französischen Départements verlieren. Bislang hatte es in 61 von ihnen die Mehrheit. Nun wird eine Umkehr der Verhältnisse erwartet.

Die Départements sind mit den Landkreisen in Deutschland vergleichbar. Sie haben im zentralistischen Frankreich zwar wenige Kompetenzen, die Wahl gilt aber als Stimmungstest für das Land - und wird von vielen Bürgern genutzt, um der Regierung einen Denkzettel zu verpassen. Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise mit Rekordarbeitslosigkeit sind viele Franzosen höchst unzufrieden mit Präsident François Hollande und seiner Regierung. Rund 42 Millionen Wählerinnen und Wähler dürfen abstimmen.

Für den unbeliebten Präsidenten bedeutet das wohl eine erneute Niederlage. Dagegen setzt der rechtsextreme Front National auf Erfolge wie beim ersten Wahlgang. Dabei erzielte er sein bislang bestes Ergebnis bei einer landesweiten Wahl, allerdings hatten Umfragen dem FN ein deutlich besseres Ergebnis von rund 30 Prozent vorhergesagt. Die Rechtsextremen hoffen, letztlich ein oder zwei Départements zu erobern. In vielen Wahlkreisen stehen sich UMP- und FN-Kandidaten gegenüber. Da die linken Wähler aber traditionell nicht rechtsextrem wählen, dürften Kandidaten des Front National in der Stichwahl nicht die meisten Stimmen bekommen.

Die konservative UMP von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, vor einer Woche klar stärkste Partei, will erneut durchstarten.

Am vergangenen Sonntag erreichte das konservative Bündnis aus UMP und UDI landesweit 28,8 Prozent, vor den Rechtsextremen mit 25,2 Prozent und den abgeschlagenen Sozialisten mit 21,5 Prozent.

Erstmals treten immer eine Frau und ein Mann als Kandidatenduo an. So soll eine Frauenquote von 50 Prozent in den Départementsräten gesichert werden. In den meisten Gegenden kann bis 18 Uhr abgestimmt werden, manche Wahlbüros sind auch bis 20 Uhr geöffnet.

ler/dpa/AFP



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ralfito81 29.03.2015
1. Die Kreistage werden gewählt
Kleine Korrektur: die Regionalwahlen stehen nicht vor 2016 an.... Heute werden die Abgeordneten der Kreistage gewählt. Feministisches Experiment inklusive! Jeder Wahlkreis hat 2 Kandidaten, immer ein Mann / Frau Duo um eine 50% Frauenquote im Kreistag zu sichern.... Die Front National hat übrigens gute Chancen 3 Kreise zu regieren.... MfG aus Nizza
seine-et-marnais 29.03.2015
2. Berichtigung
Die frz Départements entsprechen nicht den dt Kreisen. Sie entsprechen etwa einem dt Regierungsbezirk. Den deutschen Kreisen entsprechen die Arrondissements, der dt Kreisstadt entspricht die Sous-Präfektur. (siehe Départements in Alsace-Moselle die den ehemaligen Regierungsbezirken in dt Zeit entsprechen, sowie die Arrondissements den Kreisen). Die Aufgabenverteilung ist allerdings etwas anders, da zentraler. Der PS wollte die Départements abschaffen und durch Grossregionen ersetzen. Das ist allerdings bei der Bevölkerung in den ländlichen Regionen sehr umstritten, zB ein Bewohner der Region von Troyes müsste dann eventuell Hunderte von Kilometern nach Strassburg in die Regionalhauptstadt wenn er etwas wichtiges zu erledigen hat. Ausserdem ist seit langem auch eine Verminderung der Arrondissements vorgesehen. Zusätzlich hängt völlig in der Luft welche Aufgaben in Zukunft die Departements übernehmen sollen. Gesetze über Existenz und Funktion der Départements sind vorgeschlagen aber die Abstimmung wird verschoben ob der Unzufriedenheit der Bevölkerung. Zur Zeit sind sie vor allem zuständig für Soziales (Hilfen für Alte, Behinderte, Arbeitslose, Arme), Verwaltung der Départementsstrassen, Mittelschulen uä. Zu entscheiden hat dieser zu wählende Rat nicht allzuviel, er ist eher ein Schalter der Verwaltung. Was klar ist bei der heutigen Abstimmung, die Koalition der rechten Parteien wird reichlich Départements gewinnen, die Koalition der linken Parteien reichlich verlieren. Entscheidend ist in welchem Masse der FN Sitze gewinnen kann. Auch wenn es nur Einzelsitze sind, der FN nimmt weitflächig seine Wurzeln, und bei den Regionalwahlen im Dezember, die Proportionalwahlen sind, wird er wohl in einigen Regionen als stärkste Partei, auch von den Abgeordnetenzahlen her, hervorgehen. Wie hat es diese Woche ein PS-Senator im Parlamentsfernsehen ausgedrückt, Frankreich hat in der 5. Republik ein bipoläres System. übersetzt heisst dies, dringt eine neue politische Formation in dieses System ein, so fliegt eine der beiden vorhandenen PS oder UMP raus. Deswegen auch die ganzen verzweifelten Aufrufe des PS nach der 'republikanischen Front', denn die politische Szene in Frankreich bewegt sich seit Jahren nach rechts, und bei anhaltendem Trend ist der PS drausen aus dem Machtspiel. Nachsatz: es gibt auch einige kleinere Parteien im Parlament, die UDI, hier gibt es Absprachen mit der UMP die der UDI bestimmte Wahlkreise überlässt in denen die Bevölkerung eher liberal und proeuropäisch ist (zB der grosse Westen Frankreichs). Gleiches gilt auch für den PS der den Grünen auch schon mal gegen Koalitionsversprechen den einen oder anderen Wahlkreis überlässt, von den Radicaux de Gauche gar nicht zu reden. Einzig die Kommunisten und evtl der FdG sind in einigen Gegenden so stark dass sie alleine antreten können. Gewinnen können sie allerdings nur mit Hilfe von PS, Grünen und anderen linken Gruppierungen die ihnen im 2. Wahlgang zur Hilfe kommen.
gersois 29.03.2015
3. Nicht die UMP
sondern der Front National ist die stärkste Partei nach dem ersten Wahlgang! Es ist das Bündnis aus UMP, UDI und MODEM, das mehr Stimmen gewonnen hat, nicht die UMP allein.
BlogBlab 29.03.2015
4. Unzufriedene Franzosen
---Zitat von Spon--- Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise mit Rekordarbeitslosigkeit sind viele Franzosen höchst unzufrieden mit Präsident François Hollande und seiner Regierung. ---Zitatende--- Aus den gleichen Gründen waren die Franzosen mit Sarkozy und der UMP unzufrieden, als er an der Macht war, und haben deshalb Hollande gewählt. Es ist immer das gleiche Spiel, bei den gegenwärtigen großen Problemen des Landes sind die Franzosen immer mit denen unzufrieden, die gerade regieren.
analyse 29.03.2015
5. Obwohl Regionalwahlen, das gewohnte Bild:
Ein Sozialist wurde gewählt,wei er schönklingende Versprechungen machte Ergebnis:Wirtschaft runter,Arbeitslosenzahlen rauf (noch nie haben sozialistische Versprechen der Realität standgehalten !)Dann folgen Wahlen -die Wähler sind wacher:die Sozialisten werden abgewählt !Dienächste Wahl ist wieder offen,denn:1. die Wähler vergessen schnell 2. Auch andere machen Fehler,nicht alle Probleme wurden gelöst 3. Sozialistische Versprechen klingen erneut süß in den Ohren (oft unterstützt von linken Medien) 4.In Agitation und Propaganda sind die Linken allen anderen haushoch überlegen. Fazit:sollten die Sozialisten wieder Erfolg haben,beginnt das Spiel von vorn !
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